© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Wien
12/20/2021

Mordprozess gegen Bierwirt: "Ich war das. Die Fakten liegen am Tisch"

Er könne sich nicht an die Tat erinnern, sagt Albert L. Er sei schwer betrunken gewesen.

von Michaela Reibenwein

Albert L. ist stiller als gewohnt. Der Mann, der als "Bierwirt" unrühmliche Bekanntheit erlangte, schaut zu Boden. Er reibt seine Handflächen aneinander, wirkt blass. Albert L. soll am 29. April seine Ex-Lebensgefährtin erschossen haben. "Ich war das. Die Fakten liegen am Tisch", sagt er Montagvormittag im Landesgericht für Strafsachen in Wien. "Aber", setzt er nach. "Ich habe nicht gewusst, was ich tue."

Albert L., 43, ehemaliger Betreiber eines Craftbeer-Shops in der Strozzigasse. Vater von zwei Kindern (13 und 3). Spiegeltrinker. Drogenkonsument.

"Einkommen?", fragt der vorsitzende Richter Ulrich Nachtlberger. "Er hat von meiner Schwester gelebt", ruft ein Zuhörer hinein. Es ist der Bruder von Marija M. "Ich dulde hier keine Zwischenrufe", stellt der Richter klar. "Schulden?" "30.000 Euro", antwortet der Bierwirt.

Drei Anwälte

Der Angeklagte hat gleich drei Verteidiger an seiner Seite. Neben Manfred Arbacher-Stöger und Rudolf Mayer sitzt auch noch Gregor Klammer im Saal. Das irritiert Richter Nachtlberger: "Ist das für Sie in Ordnung, dass Sie drei Verteidiger um sich scharen?" Ja, nickt der Angeklagte. "Ich sage nichts", erklärt der dritte Verteidiger.

Die Staatsanwältin wirft dem Angeklagten nicht nur den Mord an Marija M. in ihrer Wohnung in Wien-Brigittenau vor. Schon eine Woche zuvor soll der Bierwirt in der Wohnung einen Schuss abgefeuert haben - die Kugel schlug über dem Türstock ein. Deshalb muss er sich auch wegen schwerer Nötigung verantworten.

Konkret kam L. in die Wohnung seiner On-Off-Lebensgefährtin. Doch anwesend waren nur ihre Eltern und die Kinder. "Ich wollte meine Pistole holen", sagt Albert L. Er hatte sie illegal besessen. Genauso wie eine weitere. Als ihn der Schwiegervater der Wohnung verweisen wollte, soll L. die Waffe gezogen haben. "Kann ich jetzt mit meiner Tochter reden? Geh weg, oder ich erschieß dich."

"Das stimmt nicht", sagt der Bierwirt. Zumindest könne er sich nicht daran erinnern. Er sei zur Wohnung gekommen, weil er sich die Waffe für seinen Selbstmord holen wollte. "Dann habe ich Stimmen gehört, die mich nicht gehen lassen wollten."

"Wie viel haben Sie da getrunken gehabt?", fragt der Richter. "Ich war ziemlich am Limit", bekommt er als Antwort.

Richter: "Warum schießen Sie in den Türstock, wenn Sie sterben wollen?"

Angeklagter: "Dann war Ruhe im Haus."

Der Vater des späteren Opfers schildert im Gericht: "Die Kugel ist an meinem linken Ohr vorbei." Er habe noch überlegt, ob er Anzeige erstatten soll. "Aber ich wollte den Kindern nicht den Vater nehmen. Und selbst wenn und der kommt dann schnell aus der Haft wieder raus..." Er bezeichnet Albert L. als "Lügner" und "Kriminellen". "Er ist alles, was nicht gut ist." Seine Tochter sei ein Engel gewesen. "Ich wünschte, er hätte mich damals erwischt."

Kein Erinnerungen 

Albert L. beging keinen Selbstmord. Doch als seine Lebensgefährtin von dem Zwischenfall erfuhr, beendete sie die Beziehung zu dem Mann endgültig. "Sie hat oft mit mir Schluss gemacht", erklärt der Bierwirt dazu.

Eine Woche später kam Albert L. zur Wohnung zurück. An diesem Tag, erklärt er, hätte er schon beim Duschen in der Früh eine Flasche Wodka getrunken und Psychopharmaka eingenommen. "Dann habe ich ein paar Schnäpse bei einem Freund getrunken. Mittags bin ich ins Geschäft gefahren, da habe ich weitergetrunken. Und ab ca. 17 Uhr kann ich mich an nichts erinnern."

Er wisse auch nicht mehr, wie er schließlich zur Wohnung von Marija M. kam.

Laut Anklage überredete er seine Tochter, ihn in die Wohnung zu lassen. Dann schoss er Marija M. in den Oberschenkel. "Nimm die Kinder und verlass die Wohnung", soll er einem Nachbarn gesagt haben, der sich in der Wohnung aufhielt. Dann fiel der zweite Schuss. Ein Kopfschuss. "Marija ist tot. Adoptiere meine Kinder. In 20 Jahren komm ich raus, dann will ich sie sehen", erinnert sich der Nachbar.

Schnaps auf ex

Wenig später stand er noch einmal vor seiner Tür, verlangte Alkohol. Mit zwei Flaschen Schnaps setzte er sich dann auf eine Holzbank, trank die Flaschen fast ex und wartete auf die Polizei. "Er hat die Flasche Bacardi innerhalb einer Minute geleert", erinnert sich der Nachbar.

"Der Angeklagte hat offensichtlich nicht verkraftet, dass die Frau einen Schlussstrich gezogen und ihn endlich verlassen hat", sagt die Staatsanwältin. "Ich hätte ihr nie etwas getan. Es gab keinen Grund dafür", sagt Albert L. Er habe am Tag der Tat sieben bis acht Promille gehabt.

"Er hat das Schlimmste getan. Er hat die Mutter seiner Kinder getötet", sagt Anwalt Arbacher-Stöger. Doch man müsse seine Alkohol- und Drogenabhängigkeit berücksichtigen. Und er appelliert, seine mediale Vorgeschichte (der Prozess gegen Politikerin Sigi Maurer) nicht einfließen zu lassen. "Da ist er nicht sympathisch rübergekommen. Vielleicht ist das auch hier so. Aber das darf man nicht bewerten. Das hier ist kein Sympathiegericht."

Ein Urteil soll am 22. Dezember fallen.

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