Buslenker Hans T. versteht die Proteste der Anrainer. Er wollte anonym bleiben.

© gilbert novy

Problembus 13A
12/05/2013

„Frau Vassilakou sollte einen Tag als Buschauffeurin unterwegs sein“

Ein Buslenker über Anrainer-Proteste, Schritttempo und die Verantwortung von Politikern.

von Josef Gebhard

Für die 13A-Chauffeure wird es am Donnerstag wieder mühsam: Einmal mehr protestieren Anrainer der Windmühlgasse gegen die Linienführung des 13A durch ihr Grätzel. Im KURIER-Gespräch erzählt Buslenker Hans T. (Name geändert), wie er den Streit erlebt.

KURIER: Herr T., die Anrainer haben bereits zwei Mal eine Unterbrechung des 13A-Betriebs erzwungen. Haben Sie Verständnis für ihre Proteste?

Hans T.: Irgendwie verstehe ich sie. Durch die neue Linienführung verschlechtert sich ihre Wohnqualität. Aber irgendwo müssen wir fahren. Das Problem: Jeder will einen Bus-Anschluss, aber nur ja nicht in seiner Gasse. Für uns ist es nervenaufreibend, wenn dauernd jemand mit einem Plakat vor dem Bus über die Straße rennt.

Was sagen die Fahrgäste dazu?

„Wie fahrt’s ihr denn heute?“, fragen mich Fahrgäste, die sich wegen der dauernden Änderungen nicht mehr auskennen. Viele regen sich über die Demos auf: „Wahnsinn: Warum tut die Polizei nichts dagegen? Wozu hab ich eine Jahreskarte?“ Für sie ist es natürlich blöd, wenn sie wegen der Blockaden aussteigen oder umsteigen müssen.

Warum kann der Bus nicht in der Fußgängerzone fahren?

Als wir vor Monaten von diesem Plan erfuhren, war das wie ein Schlag ins Gesicht. Die Verantwortlichen wissen nicht, was bei einer Vollbremsung passiert – auch wenn der Bus nur im Schritttempo unterwegs ist. Frau Vassilakou sollte nur einen Tag als Buschauffeurin unterwegs sein, um zu sehen, was sich da abspielt. Deshalb haben wir uns an die Personalvertretung gewandt und Unterschriftenlisten aufgelegt. Mehr als 400 Kollegen haben gegen die Linienführung unterschrieben.

Der Bus war drei Monate in der Fußgängerzone unterwegs. Schwere Zwischenfälle sind nicht bekannt.

Gott sei Dank ist nichts passiert. Aber soll man es erst so weit kommen lassen? Immer wieder waren Mütter mit kleinen Kindern auf der roten Busspur unterwegs. Es gab auch Provokateure, die absichtlich vor dem Bus herumgegangen sind.

Aber in anderen Fußgängerzonen fahren auch Busse und Straßenbahnen.

Am Graben hat man den Bus aus Sicherheitsgründen wieder aus der Fußgängerzone verbannt. Und Bim-Fahrer tun sich leichter: Sie brauchen nur einmal aufs Glockerl hauen und die Leute springen auf die Seite. Für Busse besteht aber in Wien Hupverbot.

Wo sollte dann der 13A am besten fahren?

Am besten für die Fahrgäste und uns Buslenker wäre die Route durch die Neubaugasse. Natürlich müsste man die Straße umbauen. Doch bei den 25 Millionen Euro, die das Projekt Mariahilfer Straße kostet, würde das auch nicht mehr ins Gewicht fallen. Ich verstehe nicht, warum der Neubauer Bezirksvorsteher so viel Macht hat, dass er diese Route verhindern kann.

Der lange Kampf um den 13A

Als 2011 die ersten Pläne für die Fußgängerzone im Verkehrstadtratsbüro gewälzt wurden, wusste man schon um das Problem: „Der 13A muss zwischen Neubaugasse und Kirchengasse auf der Mariahilfer Straße fahren“, sagte der Franz Kainnacher, Koordinator des Umbaus, im Mai 2011 zum KURIER. Seitdem wurden Bürger befragt, Verkehrslösungen für die Bezirke ausgetüftelt und Begegnungszonen für die Randbereiche geplant. Doch für den 13A fühlte sich die Politik lange Zeit nicht zuständig.

Im Mai 2012 warnten die Wiener Linien, dass der 13A durch die Fußgängerzone fahren müsse und es dabei zu Problemen kommen könnte. Nicht zuletzt wegen der Erfahrungen mit dem 1A, der bis 2009 durch die Fußgängerzone am Graben fuhr und dessen Streckenführung nach mehreren Vorkommnissen geändert werden musste.

Im Juli 2012 versuchten die Wiener Linien dann eine andere Streckenführungen ins Gespräch zu bringen. Ohne Erfolg. Die Linienführung blieb bestehen, bauliche und farblichen Maßnahmen wurden allerdings versprochen.

Noch im Mai 2013 wusste man nicht, wie diese aussehen würden. Im Juni sickerte dann durch, dass die Busspur rot eingefärbt wird. Parallel dazu wurden in Verhandlungen mit den Wiener Linien weitere Absicherungen vereinbart.

Im Juli platzte dann Leopold Wurm, Betriebsrat der Wiener Linien der Kragen. Er prangerte im KURIER die fehlenden Sicherheitsmaßnahmen an, sammelte 400 Unterschriften von besorgten Buslenkern. „Muss es erst Verletzte geben, bevor man uns ernst nimmt?“, fragte Wurm damals. Die Stadt reagierte nicht. Erst als im August, kurz vor dem Start des Probebetriebs erstmals mit der Einstellung des Busverkehrs gedroht wurde, lenkte die Stadt ein. Über Nacht wurden kurz vor dem Start der Fußgängerzone zusätzliche Sitzbänke aufgestellt, die verhindern sollten, dass Fußgänger auf die Busspur gelangen. Der Erfolg der Aktion blieb in den ersten Tagen bescheiden.

Am 18. November trat schließlich eine neue Route im 6. Bezirk in Kraft. Der 13A in der Fußgängerzone war somit nach gut zwei Monaten schon wieder Geschichte. Doch auch diese Lösung stößt auf Widerstand.

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