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Öffis
03/28/2014

Phantom-Linie U5 wird realisiert

Das neue U-Bahnprojekt soll die U6 entlasten und in zehn Jahren eröffnet werden.

von Josef Gebhard

Lange hat sich der grüne Koalitionspartner geziert, jetzt prescht die SPÖ vor: Wien wird eine U-Bahnlinie U5 bekommen. Das kündigte die zuständige Finanzstadträtin Renate Brauner bei der SPÖ-Klubklausur an, die dazu eigens die Geschäftsführer der Wiener Linien nach Rust zitiert hatte. „Wien braucht die neue U5 und es wird sie in der Stadt auch geben“, betonte Brauner.

In einem ersten Kern-Ausbauschritt wird sie vom Alten AKH zum Rathaus und dann über die bestehende U2-Trasse zum Karlsplatz führen. Im Gegenzug erhält die U2 zwischen Rathaus und Matzleinsdorfer Platz einen neuen Südarm. Er wird bei der Neubau- und Pilgramgasse die U3 beziehungsweise die U4 kreuzen. In einem nächsten Schritt sollen dann die Linien nach Hernals und zum Wienerberg verlängert werden (siehe Grafik).

Der Bau soll in den nächsten Jahren (frühestens wohl 2018) beginnen, eine Fertigstellung des Kernstücks ist für Mitte der 2020er-Jahre geplant.

Seit Jahrzehnten geistert die U5 als Phantom-Linie durch die Wiener Verkehrsplanung. Dass sie jetzt tatsächlich realisiert wird, hat laut Wiener Linien vor allem einen Grund: Die jetzt schon überfüllte U6 sowie die Linien 43 und 13A werden spätestens in einem Jahrzehnt völlig an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Mit einer U5 im Vollausbau, so rechnen die Wiener Linien vor, ließe sich die U6 um rund ein Drittel entlasten.

950 Mio. Euro

Finanziert wird der Bau der Kernstrecke mit jenen 950 Millionen Euro, die derzeit noch für den Ausbau der U2 in den 10. Bezirk reserviert sind. Dieses Projekt wird nun auf Eis gelegt. „Es hat sich gezeigt, dass der Bedarf nicht mehr gegeben ist“, sagt ein Sprecher der Wiener Linien. Vor etwa 15 Jahren sei man noch davon ausgegangen, dass dieses Gebiet eine U-Bahn-Anbindung benötige.

Noch muss der Bund – er finanziert den U-Bahnbau zur Hälfte mit – grünes Licht für die Umschichtung der Mittel und die Finanzierung des weiteren U5-Ausbaus geben. „Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ, Anm.) hat dazu aber bereits positive Signale ausgeschickt“, sagt Brauner. „Ich rechne mit einem positiven Ergebnis.“ Sie erwartet sich von dem Projekt einen weiteren Benefit: Mit der U5-Anbindung könnte auch der Matzleinsdorfer Platz, bisher nicht gerade ein urbaner Wohlfühlort, neu und attraktiver gestaltet werden.

Rot-grüner Poker

Eines stellt Brauner klar: „Die Diskussion, ob entweder U-Bahn oder Bus und Bim oder der Radverkehr ausgebaut werden soll, ist unintelligent.“ Die Ansage richtet sich an den grünen Koalitionspartner, der im Poker um den Öffi-Ausbau stets Autobus und Straßenbahn gegenüber der U-Bahn präferierte. „Wir brauchen beides“, betont Brauner. Bim- und Busausbau soll dem neuen Projekt nicht geopfert werden. Mit dieser Zusage können jetzt auch die Grünen leben: „Unser steter Wunsch nach einem Ausbau des Öffi-Netzes hat Gehör gefunden, das freut mich sehr“, meinte Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou in einer ersten Reaktion. „Das Öffi-Paket werden wir in den kommenden Wochen finalisieren.“

Die Stadtplanung arbeite derzeit bezüglich der Trassenführung der U5 verschiedene Varianten aus, da mehrere denkbar seien. Unter anderem wäre zum Beispiel eine Verknüpfung mit dem Bahnhof Meidling zu prüfen, wo die neue Linie an U6 und S-Bahn bzw. Fernverkehr angebunden werden könne.

Die lange Geschichte der U5

Die Wiener U-Bahn-Linie U5 ist ein Phantom der Bundeshauptstadt. Während die Nummerierung des U-Bahnsystems durchgängig von U1 bis U4 läuft, trägt die fünfte und letzte Linie den Namen U6. Der Grund: Im Laufe der U-Bahn-Planungen wurden verschiedenste Konzepte für eine Linie U5 gewälzt, jedoch immer wieder zurückgestellt. Nun wird die ewige "Geisterlinie" doch noch Realität.

Die ersten Planungen gehen auf das Jahr 1966 zurück. Sie hatten einen Trassenverlauf von Hernals über die Alser Straße, den Schottenring hinaus zum Praterstern und dem Ernst-Happel-Stadion vorgesehen. Da die Bezeichnung "U5" nicht vergeben ist, geisterte diese "Netzlücke" in periodischen Abständen als Nummerierung durch diverse Ausbaupläne.

So sah ein weiterer Vorschlag Mitte der 1970er-Jahre eine U5 vor, die zwischen Längenfeldgasse, Südbahnhof, Schlachthausgasse und Erdberg verkehren hätte sollen. 2001 forderte die Wiener ÖVP eine Linie U5 von Dornbach bis zum Landesgericht, von dort über die U2-Gleise zum Karlsplatz und dann weiter zur Wienerberg-City im Süden. Vor drei Jahren wünschten sich die Rathaus-Schwarzen dann, den projektierten Hauptbahnhof mit einer U5 zu erschließen.

Konkretere Schritte in Richtung Realisierung hatte es über all die Jahre und nicht zuletzt aus finanziellen Gründen kaum gegeben - obwohl Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) im Wien-Wahl-Jahr 2010 versprochen hatte, über eine "Vision einer U5" nachdenken zu wollen. In den vergangenen Monaten wurde die ewige Geisterlinie schließlich tatsächlich immer ernsthafter debattiert. Vor allem Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ), zuständig auch für die Wiener Linien, trat zuletzt für den Bau der U5 ein - im Gegensatz zu den Grünen, die dem Projekt eher skeptisch gegenüberstanden. Brauner hat nun bei der SPÖ-Klubtagung in Rust gewissermaßen ein Machtwort gesprochen und die Errichtung der neuen Linie als fix angekündigt.

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