© Agnes Preusser

Leopoldstadt
02/08/2022

Pestsäule 2.0: Eine Skulptur, die man anrufen kann

Bei dem temporären Denkmal am Praterstern werden Gespräche via Lautsprecher übertragen.

von Agnes Preusser

Die Pestsäule am Graben, eines der bekanntesten Denkmäler der Stadt, wurde nach der Pestepidemie von 1679 errichtet. Zwar ist Corona noch nicht ganz besiegt, trotzdem ist Wien nun auch um eine eigene Covid-Säule reicher – zumindest temporär.

Bis 1. Mai steht gleich beim Praterstern, in der Straße der Wiener Wirtschaft 1, eine sieben Meter hohe Lautsprecherskulptur, die in ihrer Gestaltung bewusst an die Original-Pestsäule erinnern soll. „Streamers – a Covid-Sculpture“, wie der offizielle Name des Denkmals lautet, ist von dem US-amerikanische Medien- und Performancekünstler Benoît Maubrey geschaffen worden.

Die moderne Pestsäule besteht aus recycelter Elektronik, die noch funktioniert. Das Kunstprojekt ist nämlich nicht nur ein statisches Denkmal, sondern lädt alle Wiener zur Interaktion ein. Tatsächlich kann man die Skulptur unter  0676/4319040 sogar anrufen.

Was man in den Hörer sagt, ertönt über die Lautsprecher am Platz. Als zusätzlicher Anreiz: Auf streamers-a-covid-sculpture.tonspur.at kann man beobachten, ob gerade jemand vor der Skulptur steht, den man mit seiner Botschaft beglücken (oder auch verwirren) könnte.

Immer erreichbar

Man kann auch Audio-Tweets senden, sich via Bluetooth mit der Skulptur verbinden oder das eigene Mikrofon vor Ort einstöpseln und die Lautsprecher nutzen. Der Künstler will damit einen „Kommunikations-, Begegnungs-, und Aufführungsraum für alle“ schaffen.

Gleichzeitig soll das Nachdenken über die Pandemie gefördert werden – vor allem auch über die Auswirkungen der erstarkten Digitalisierung. Die Säule ist rund um die Uhr erreichbar. Zumindest theoretisch, praktisch sind die Lautsprecher nämlich nur von 10 bis 19 Uhr eingeschaltet.

Gefördert wird das Projekt von Kunst im öffentlichen Raum (KÖR) Wien und dem Kulturministerium.

Auch die echte Pestsäule erlangte durch die anhaltende Pandemie neuen Ruhm. Viele Besucher kamen, um einen glimpflichen Ausgang der Pandemie zu erbitten, und legten Kerzen, Kinderzeichnungen und Gebetstexte nieder. Sie wurde also zu einem Ort des Trosts.

Vielleicht gelingt es der modernen Version der Pestsäule auch, den quälenden Pandemie-Alltag ein bisschen zu erleichtern. Die vielen interaktiven Möglichkeiten helfen zwar nicht gegen Einsamkeit, sind aber zumindest ein lustiger Zeitvertreib.

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