Die Wiener Stadthalle ist denkmalgeschützt - und in die Jahre gekommen.

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Chronik Wien
07/23/2020

ÖVP-Vorschlag: Die Wiener Stadthalle soll zur Markthalle werden

Die türkise Oppositionspartei will Platz für lokale Produzenten schaffen. Erst temporär, ab dem Jahr 2026 dauerhaft.

Der Vorschlag ist ein stadtplanerisches Stehaufmännchen: eine Markthalle für Wien. Mit gewisser Regelmäßigkeit wird die Idee aufs Tapet gebracht – diesmal von der ÖVP. Corona könnte der Vision jetzt zum Durchbruch verhelfen.

Aber der Reihe nach.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Großstädten hat Wien keine Markthalle – zumindest keine richtige. Der Meiselmarkt im 15. Bezirk ist zwar überdacht, befindet sich aber in einem Einkaufszentrum. Und in der letzten historischen Markthalle an der Kreuzung von Alserbachstraße und Nussdorfer Straße im 9. Bezirk ist mittlerweile ein Supermarkt untergebracht.

Die Wiener ÖVP will diesen Zustand nun ändern. „Eine Markthalle wäre ein großer Anziehungspunkt für Touristen, aber auch für Einheimische“, sagt Stadtrat Markus Wölbitsch im Gespräch mit dem KURIER. Und er hat bereits einen Standort dafür gefunden: die Stadthalle.

100 Stände

Diese kämpft derzeit – wie die gesamte Event-Branche – mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie: Wenn überhaupt, wird der Betrieb erst ab Oktober langsam hochgefahren. Eingebucht sind laut der stadteigenen Wien Holding (der die Stadthalle gehört) etwa das ATP-Turnier und kleinere Messen. Große Pop- und Rockkonzerte mussten abgesagt werden, der Stadthalle entgehen dadurch Einnahmen in Millionenhöhe.

Die ÖVP hat daher für die Halle D (wo derartige Großveranstaltungen über die Bühne gehen) das Marktkonzept entwickelt. Und das sieht so aus: Die Halle D ist mit 5.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche der größte Raum in dem Gebäudekomplex. Unter Einhaltung der Corona-Sicherheitsregeln könnten dort bis zu 80 Marktstände Platz finden, weitere 20 auf dem Vorplatz im Freien

Angeboten werden sollen dort Lebensmittel und Handwerksprodukte von lokalen Produzenten, sagt Wölbitsch. Auch Gastronomen sollen Stände erhalten.

Konzerte am Markt

Die Idee dahinter: Das lokale Einkaufen, das während des Lockdowns (nicht zuletzt von der Stadt Wien) propagiert wurde und einen Schub bekam, soll weiter gefördert werden. Das soll wiederum den Betrieben helfen.

Auch Künstlern will man unter die Arme greifen: Das Konzept sieht kleine Bühnen zwischen den Ständen vor. Dort könnten etwa Musiker auftreten.

Erste Unternehmer hat Wölbitsch bereits ins Boot geholt: zum Beispiel Kurt Wilhlem, Inhaber der Wald-und-Wiese-Geschäfte. "Es ist eine Schande, dass wir keine Markthalle haben. Dabei boomen Märkte doch so."

Oder Theresa Imre, die den Online-Lebensmittelhandel Markta führt. Sie erhofft sich von einer Markthalle mehr Flexibilität als von klassischen Märkten. "Die Marktordnung erlaubt uns zwar, auf dem Naschmarkt einen Stand zu betreiben, wo unsere Kunden bestellte Produkte abholen können. Zusätzlich waren verkaufen dürfen wir dort aber nicht." In einer Markthalle könne das  lockerer gehandhabt werden.

1,3 Millionen Euro Kosten

Die Wien Holding solle die nötige Infrastruktur kostenlos zur Verfügung stellen, fordert Wölbitsch. Die Kosten schätzt er auf 300.000 Euro. Zusätzlich brauche es rund eine Million Euro, um eine Marke zu entwickeln und die Markthalle zu bewerben.

Wölbitsch will das Konzept „so bald wie möglich“ testen. Er peilt ab spätestens Herbst einen Probebetrieb an – und zwar bis Ende des Jahres.

Angewiesen ist er dabei freilich auf die rot-grüne Stadtregierung. (Jedenfalls bis Herbst.) Als nächster Schritt steht ein Gespräch mit dem zuständigen Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) an.

Wien Holding will prüfen

Bewährt sich die Markthalle, will sie Wölbitsch zur Dauereinrichtung machen. Spätestens ab 2026 wäre dafür in der Stadthalle Platz. Da soll für Großevents die neue Eventhalle in St. Marx eröffnen.

Die Wien Holding schließt zumindest eine temporäre Markthalle nicht aus. „Wir hören zum ersten Mal von der Idee“, sagt ein Sprecher. „Daher ist es schwierig, sie zu beurteilen.“ Sofern man ein konkretes Konzept vorgelegt bekomme, werde man es aber prüfen.

Um über eine fixe Nachnutzung zu sprechen, sei es zu früh. In den nächsten 18 Monaten werde zunächst der bauliche Zustand der Halle geprüft. Weil sie unter Schutz steht, sind auch Gespräche mit dem Denkmalamt nötig. Dann könne man Pläne entwickeln.

Und was, wenn die Markthalle auch diesmal nur eine Idee bleibt? Wölbitsch: „Das Schlimmste wäre, es nicht versucht zu haben.“

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