Chronik | Wien
04.12.2017

Schulverbot für Nikolo? "Österreich"-Bericht "vollständig falsch"

Es ist zum traurigen Ritual geworden. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Österreich" sollen Schweinefleisch, Nikolo und sogar Christkind an einer Wiener Volksschule verboten sein. Der Wiener Stadtschulrat weist die Anschuldigungen zurück.

Diesmal also in Floridsdorf. Die Volksschule Jochbergengasse will den "Nikolo nicht mehr in die Klassen lassen", berichtet Österreich aufgeregt. Sogar das Christkind muss draußen warten, heißt es. Und Schweinefleisch gibt es sowieso keines mehr, werden "besorgte Eltern" zitiert. Dafür gäbe es, so der Bericht, einen verpflichtenden Türkisch-Unterricht.

Und damit der Bericht auch gleich zum Politikum wird, wird FPÖ-Stadtrat Toni Mahdalik zitiert, der SPÖ-Stadtrat Jürgen Czernohorszky zum Handeln aufruft: "Die Unterwerfung vor dem Islam wird immer bizarrer", meint Mahdalik in Österreich. So könne Integration nicht funktionieren. "So weiten sich Parallelgesellschaften immer mehr aus."

Das Problem: Der " Nikolo" wäre, heißt es in in einer Aussendung aus dem Büro des Wiener Stadtschulrats, selbstverständlich willkommen, wenn der Elternverein, der solche Feiern üblicherweise organisiere, dies eben machen würde. Nikolaussackerl für die Schüler würden ohnehin bereits jetzt ausgeteilt. Dass das Christkind "draußen warten müsse", sei ebensowenig nachvollziehbar. Schließlich stehe seit Jahren steht ein Christbaum im Eingangsbereich, "das Schulhaus ist überdies geschmückt - derzeit hängen von den Schülern gebastelte Nikoläuse unterschiedlichster Art in den Gängen". Die Aula sei weihnachtlich geschmückt.

Halbtagsschule

Und was das Essen betrifft: Die Schule ist eine Halbtagsschule. Der Vorwurf, dass es kein Schweinefleisch gäbe sei also schon allein deshalb nicht nachvollziehbar, weil die Schule überhaupt gar kein Essen anbietet. Es gibt also nicht nur kein Schweinefleisch, sondern etwa auch kein Halal-Essen.

Von einem "verpflichtenden Türkischunterricht" könne ebenso keine Rede sein. Fakt sei vielmehr, dass die Schule eine Zuteilung von elf Stunden für den integrativen muttersprachlichen Unterricht Türkisch für Schüler mit Erstsprache Türkisch hat (Muttersprachenunterricht wird in Wien in 23 Sprachen angeboten und ist eine unverbindliche Übung).

Conclusio: Der Bericht in Österreich sei "vollständig falsch", die erhobenen Vorwürfe weise man "schärfstens zurück".

Österreich verteidigte den Bericht am Montag mit einem Verweis auf die Aussagen der Eltern. In einer Aussendung wurde zwar eingräumt, dass es ein Winterfest gäbe, "wo unter anderem auch Weihnachten erwähnt wird. Was aber die Eltern so empörte, ist die Tatsache, dass ihnen mitgeteilt wurde, dass aufgrund der Rücksichtnahme auf andere Religionen das Fest jedenfalls Winterfest zu heißen habe."

Trauriges Ritual

Die Aufregung um das vermeintliche Ende des Weihnachtsfestes und der dazugehörigen Bräuche gehört inzwischen zum jährlich wiederkehrenden Ritual, das sich längst verselbständigt hat. Die zur Tradition gewordene Nikolo-Lüge hat ihren Ausgangspunkt im Jahr 2006. Die damalige Vizebürgermeisterin Grete Laska wollte, dass Städtische Kindergärten keine Agenturen mehr für das Nikolo-Fest beauftragen. Kinder würden zu oft verschreckt, lautete ihre Kritik, die damals vor allem den Krampus, der am 6. Dezember mit dem Nikolaus unterwegs ist, betraf. Seitdem nimmt die FPÖ (und mit ihr der Boulevard) die Weihnachtszeit regelmäßig zum Anlass, um vor dem Untergang der christlichen Tradition zu warnen.

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Wobei es weniger die Angst vor einer Säkularisierung der Gesellschaft, ist die die FPÖ umtreibt. Es geht auch hier um die vielfach thematisierte Islamisierung Österreichs. "Unsere Traditionen, Werte und Feste lassen wir uns nicht nehmen", schrieb Heinz Christian Strache vergangenes Jahr auf seiner Facebook-Seite. Udo Landbauer, Bundesobmann des RFJ (Ring Freiheitlicher Jugend) und Abgeordneter im niederösterreichischen Landtag, wurde noch deutlicher. Unter der Überschrift "Multi-Kulti-Wahnsinn" schrieb er ebenfalls auf Facebook: "Für den Nikolaus darf es in unseren Kindergärten kein Hausverbot geben, nur weil Muslime ihn nicht haben wollen."

*) Bericht um Stellungnahme Österreichs aktualisiert