Zu viel vom alten Oberlaa sei bereits zubetoniert worden, meint Richard Stocker.

┬ę Kurier/Gilbert Novy

Favoriten
09/15/2020

Oberlaa: Ein Dorf will keine Stadt werden

Um die Verbauung Oberlaas abzuwenden, appellieren die Anrainer an alle Parteien. Am Dienstag lud man zur Podiumsdiskussion.

von Bernhard Ichner

Felder, Wiesen und Gr├╝n, wohin man schaut. Dazwischen niedrige H├Ąuser und Vierkanter wie es sie in jedem Dorf gibt. Das ist der traditionellen Favoritner Heurigenort Oberlaa. Doch ein Ende des l├Ąndlichen Idylls ist absehbar: Viele Gr├╝nde sind verkauft ÔÇô und werden ├╝ber kurz oder lang gro├čen Bauprojekten weichen. Direkt am Kurpark sind bereits 25 bis zu 26 Meter hohe Wohnt├╝rme mit 1.000 Wohnungen geplant. An der Kuhtrift f├╝nf weitere T├╝rme.

Bei der B├╝rgerinitiative ÔÇ×Lebensraum OberlaaÔÇť will man das nicht so einfach hinnehmen. Ihr Dorf d├╝rfe nicht zur Stadt werden, Naherholungsraum nicht verloren gehen, meinen die Proponenten rund um Obmann Richard Stocker. Bei einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend wollte man versuchen, die Politik von mehr Mitsprache f├╝r die Bev├Âlkerung zu ├╝berzeugen.

B├╝rgerbeteiligung

Dabei schreibt sich die Stadt gerade die im konkreten Fall auf die Fahnen. Anfang des Jahres fand in Favoriten der offiziell gr├Â├čte B├╝rgerbeteiligungsprozess der Wiener Stadtentwicklung statt. Wie berichtet, konnten auf digitalem Wege rund 100.000 Bewohner des S├╝draums ├╝ber die Gestaltung ihres Bezirks abstimmen. Initiiert haben das Projekt Vizeb├╝rgermeisterin Birgit Hebein (Gr├╝ne) und Bezirksvorsteher Marcus Franz (SP├ľ).

Der B├╝rgerinitiative, die mehr als 11.000 Unterschriften gegen die Verbauung zwischen Rothneusiedl, Oberlaa und Unterlaa gesammelt hat, ist das zu wenig.

ÔÇ×Denkansto├čÔÇť

Darum lud man am Dienstag Politiker und Experten ins im Haus der Begegnung zur Diskussion ├╝ber Stadtentwicklung ein. Es ging um die Diskrepanz zwischen der Notwendigkeit, neuen Wohnraum zu schaffen und der daraus resultierenden Vernichtung von Gr├╝nraum.

Aufs Podium eingeladen waren die Planungssprecher von SP├ľ, Gr├╝nen und Neos, Gerhard Kubik, Peter Kraus und Stefan Gara, sowie FP├ľ-Bezirksparteiobmann Stefan Berger und sein ├ľVP-Pendant, Nico Marchetti. Ihre Expertisen steuerten die pensionierte Raumplanerin Gerlind Weber und Umweltmediziner Hans-Peter Hutter bei. Moderiert wurde die Veranstaltung von ZiB-Moderator Tarek Leitner, der als Autor unter anderem eine ÔÇ×Streitschrift gegen die Verschandelung ├ľsterreichsÔÇť verfasst hat.

Mit Aktionen wie dieser wolle man der Politik einen Denkansto├č liefern, sagt B├╝rgerinitiativen-Obmann Stocker. Dass man B├╝rger und Experten in die Stadtentwicklung einbeziehen m├╝sse und Stadtplanung nicht Investoren ├╝berlassen d├╝rfe.

ÔÇ×Wir w├╝nschen uns in Wien einen B├╝rgerbeirat, der bei jedem gro├čen Infrastrukturprojekt einbezogen wird und der sich mit der Wiener Standortentwicklung verst├ĄndigtÔÇť, erkl├Ąrt Stocker. Oder kurz gesagt: ÔÇ×Mehr Kommunikation.ÔÇť

W├╝nsche f├╝r Oberlaa

Dann k├Ânne man ├╝ber die Sorgen der Bev├Âlkerung sprechen. ├ťber erwartbare Probleme durch zunehmenden Individualverkehr, die Zerst├Ârung des Naherholungsgebiets, Bodenverdichtung oder neue Hitzeinseln.

Zudem h├Ątte man etliche Ideen f├╝r die lokale Stadtentwicklung, so Stocker. Statt Wohnsilos, die hinter dem Dorf die Kirchturmspitzen ├╝berragen, tr├Ąumt man von einer zum Kurpark passenden Nutzung ÔÇô von einer ÔÇ×GesundheitsregionÔÇť. Inklusive Kinder- und Jugend-Reha-Zentrum. Die Gr├╝nfl├Ąchen w├╝rden sich zudem gut als Festwiese f├╝r Konzerte oder Sommerkino eignen.

Ob Podiumsdiskussionen all das bewirken k├Ânnen, bleibt abzuwarten.

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