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Chronik Wien
03/16/2019

"Unvertretbar": Mit Heumarkt-Turm kein Welterbe-Status für Wien

Beobachtermission sieht Wien auf Welterbe-Liste "unvertretbar", sollte das umstrittene Projekt in der geplanten Form kommen.

von Stefanie Rachbauer, Anna-Maria Bauer

Sie war der letzte Streich, mit dem sich die Bundesregierung in die Wiener Weltkulturerbe-Debatte eingeklinkt hat: die Beobachtermission von UNESCO und ICOMOS (Internationaler Rat für Denkmalpflege, Anm.). Sie untersuchte im Vorjahr die Auswirkungen des am Heumarkt geplanten Hochhauses auf den Welterbe-Status der Innenstadt.

Nun ist ihr Bericht fertig – und er enthält schlechte Nachrichten für das Prädikat.

Das Projekt „Heumarkt Neu“ werde sich „sehr negativ“ auf den universellen Wert der Welterbestätte auswirken, heißt es in dem 68 Seiten starken Papier, das dem KURIER vorliegt. Dieser universelle Wert ist die Voraussetzung dafür, dass ein Ort auf die Welterbe-Liste gesetzt wird.

"Unvertretbar"

Werde das Projekt in seiner derzeitigen Form – also mit 66-Meter-Turm – realisiert, komme das einem weiteren Abbau des universellen Werts gleich, schreiben die Experten. Das mache die Inkludierung Wiens in die Welterbe-Liste künftig unvertretbar.

Zur Erinnerung: Ursprünglich hätte der geplante Wohn-Turm 73 Meter hoch werden sollen. Nach Protesten der UNESCO ging der Projektbetreiber Wertinvest auf 66 hinunter, der Wiener Gemeinderat lieferte 2017 die entsprechende Widmung. Die UNESCO setzte Wien daraufhin trotzdem auf die Rote Liste.

Vor rund einem Jahr reklamierte sich die Bundesregierung in die Auseinandersetzung hinein. Und zwar mit einem Drei-Stufen-Plan, bestehend aus Experten-Workshops im vergangenen Frühjahr, einer „Heritage Impact Assessment Studie“ (Analyse über die Welterbestätte, Anm.) und der Beobachtermission.

Stopp aller Planungen

Die Teilnehmer empfehlen nun, alle Planungsmaßnahmen für das Areal – inklusive einer etwaigen Baugenehmigung – für zwei Jahre auszusetzen. In dieser Zeit sollen Alternativen erarbeitet werden, die mit dem Weltkulturerbe vereinbar sind.

Konkret solle die Stadtregierung mit dem Entwickler Verhandlungen aufnehmen, um die Auswirkungen auf den Welterbe-Status zu minimieren. Die Wertinvest hat Änderungen am Projekt wiederholt ausgeschlossen.