Chronik | Wien
01.12.2018

Neue Grünen-Frontfrau: Das erwartet die Partei von Birgit Hebein

Am Samstag absolvierte die Vassilakou-Nachfolgerin ihren mit Spannung erwarteten ersten großen Auftritt vor der Parteibasis.

„Meine Freude ist riesig“, sagt Birgit Hebein und blickt kurz ins Publikum. „Genauso riesig ist mein Respekt vor den Aufgaben, die vor uns stehen.“ Erst am Montag zur Spitzenkandidatin der Wiener Grünen und Nachfolgerin von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou gekürt , steht Hebein auf der Bühne einer abgedunkelten Veranstaltungshalle in Floridsdorf und schwört ihre Parteifreunde auf einen Neuanfang ein.

Rund 200 Grün-Mitglieder sind am Samstag in den Wiener Außenbezirk gepilgert, um den ersten großen Auftritt der bisherigen Sozialsprecherin mitzuerleben. Gekommen sind weniger, als die Partei erwartet hat, wie die vielen freien Sessel zeigen. Das mag am Schnee gelegen haben.

Oder anzeigen, dass in der Ökopartei wieder so etwas wie Normalität eingekehrt ist, 200 Besucher hatten vergangene Landesversammlungen auch. Die Zeiten der Abwahlanträge gegen Vassilakou und des internen Streits, in denen jede Stimme zählt, scheinen vorbei.

Und das müssen sie auch sein: Planmäßig wird in Wien 2020 gewählt – tatsächlich vielleicht früher.

Die Grünen müssen nach ihrer Phase der Beschäftigung mit sich selbst erst fit für den Wahlkampf werden. Insofern überrascht es nicht, dass Hebein die Koalition mit der SPÖ fortsetzen will.

„Das ist eine Frage der Vernunft“, erklärt sie. Nachsatz: „Möglicherweise werden wir klarer sagen, wo wir als Grüne stehen.“

Die Mitglieder klatschen, am Ende ihrer halbstündigen Rede erntet die 51-Jährige stehende Ovationen. Die gab es zuvor auch für Vassilakou.

Sie hatte als „Vorband“ eingeheizt. Hebein sei „eine prononcierte Sozialpolitikerin, ein unermüdliches Arbeitstier und ein strategischer Kopf“, betonte Vassilakou. „Es kommt was auf uns zu.“

Veränderungen erwartet

Was genau das sein wird, wurde auch am Samstag nicht viel klarer. Klimaschutz und Soziales sind bereits als Hebeins Steckenpferde bekannt, neue Ansagen gab es nicht.

Die Funktionäre stellen sich jedenfalls auf Veränderung ein. „Ich wünsche mir eine Aufbruchstimmung und dass wir wieder aktiver werden. Und auch breiter“, sagt die Leopoldstädter Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger.

Auf inhaltliche Breite hofft auch Wirtschaftssprecher Peter Kraus: „Mit Birgit gibt es die Chance, mehr als das enge Verkehrsthema anzusprechen.“

Selbstverständlich würden sich die Partei nun verändern, sagt Grün-Urgestein Christoph Chorherr. „Birgit ist eine andere Persönlichkeit und wird ihre Gedanken jetzt präzisieren.“

Vorschussvertrauen erntet Hebein von Alexander Hirschenhauser, Klubobmann der City-Grünen und vehementer Kritiker des Heumarkt-Hochhauses und Vassilakous. Er traue Hebein zu, „den Begehrlichkeiten von Immobilien-Investoren stärker entgegenzutreten. Das muss ihr als Sozialpolitikerin ein Anliegen sein.“

Läuft es auf weniger Kämpfe um Radwege hinaus? Letztlich wird die künftige Positionierung auch davon abhängen, welches Team sich Hebein wählt. Ende nächster Woche zieht sich die Rathausfraktion auf Klausur zurück, um auch personelle Fragen zu diskutieren.

Ob David Ellensohn Klubchef bleibt, ließ Hebein bisher offen. Gute Chancen auf den Posten könnte Kraus haben.

Nicht nur, weil er im Rennen um die Spitze vor Ellensohn als Zweiter ins Ziel ging. Sondern auch, weil mit Hebein nun eine Vertreterin des linken Flügels die Partei anführt und über Kraus das Realo-Lager einbinden könnte. Kraus sagt dazu nur so viel: „Das Ziel muss sein, die Grünen in ihrer Breite auch personell abzubilden.“

Hebein vor Parteibasis der Grünen