Zumindest zwei Luchse wurden am Hochschwab gesichtet.

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Chronik Wien
01/22/2021

Nach 100 Jahren: Der Luchs ist zurück

Am Hochschwab wurde die größte Katzenart Europas gesichtet. Die Tiere galten bei uns als ausgerottet.

von Bernhard Ichner

Über eine sensationelle Sichtung freut man sich bei der Wiener Stadtverwaltung. Im steirischen Hochschwabgebiet, durch das die zweite Wiener Hochquellwasserleitung verläuft, lieferten Wildkameras den Beweis für die Existenz zumindest zweier Luchse. Experten zufolge dürfte es sich um ein Männchen und ein Weibchen handeln. Die Raubkatze galt in diesen Breitengraden seit rund 100 Jahren als ausgestorben.

Damit ist endlich der Beweis für die Rückkehr der Raubkatze gelungen. Denn bereits im Vorjahr ging man anhand eindeutiger Beutetierresten davon aus, dass in den Quellenschutzwäldern der Stadt in den Bereichen Hochschwab, Rax und Schneeberg zumindest ein Luchs anwesend sein dürfte. 

Luchse werden illegal gejagt

Wiens Klima-Stadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) und Forstdirektor Andreas Januskovecz sind besonders erfreut. Der Luchs gehöre zum natürlichen Artenspektrum in unseren Wäldern. Gemeinsam mit anderen wieder heimischen Raubtieren, wie etwa dem Wolf, trage er zur Erhaltung eines ökologischen Wildstandes auf natürliche Weise bei, sagt Januskovecz.

Euphorisch kommentiert man den Nachweis von Europas größter Katzenart aber auch bei der Naturschutzorganisation WWF Österreich. „Der Luchs fühlt sich in Wiens Wäldern zu Recht wohl“, so WWF-Artenschutzexperte Christian Pichler. In Österreich leide die seltene und vom Aussterben bedrohte Art jedoch besonders unter zerschnittenen Lebensräumen. Straßen und Infrastruktur verhindern, dass einzelne Luchse zur Fortpflanzung zueinander finden. „Auch Fälle von Wilderei dezimieren die isolierten Populationen. Dieser Teufelskreis muss unbedingt durchbrochen werden“, fordert Pichler.

Das bestätigt auch Januskovecz. Zwar zähle der Eurasische Luchs, dessen natürliche Vorkommen auf Wiederansiedlungen in den 1970er- und 1980er-Jahren zurückgehen, zu den streng geschützten Arten. In Westeuropa galt er bis dahin aber als ausgerottet, weil Jäger ihn punkto Rehjagd als Konkurrenz ansahen und entsprechend dezimierten. Vor der Wiederansiedelung wurde in Österreich 1918 der letzte heimische Luchs im Bregenzerwald erlegt.

Und auch heute liege die Vermutung nahe, dass Luchse trotz des Risikos strenger Strafen immer wieder illegal erlegt werden, erklärt Januskovecz. Etwa im Bereich des Nationalpark Kalkalpen, wo es von 2011 bis 2017 letzte Freilassungen gab. Von dort könnte das nun nachgewiesene Luchs-Pärchen auch eingewandert sein. Mit Sicherheit lasse sich ihre Herkunft aber nicht erklären, so der Forstdirektor. Ebenso unklar sei, ob es sich um die einzigen beiden Exemplare handle.

Keine Gefahr für den Menschen

Für den Menschen stellt die nachtaktive Raubkatze trotz beeindruckender Größe - das Tier erreicht eine Schulterhöhe von 50 bis 70 Zentimeter - jedenfalls keine Gefahr dar. Die Chance, überhaupt eine in freier Wildbahn anzutreffen, liege bei einem Prozent, das Risiko bei null, sagt Januskovecz. Die scheuen Raubkatzen meiden die Nähe zum Menschen tunlichst.

Die Fleischfresser benötigen zirka zwei Kilo Futter pro Tag und ernähren sich hauptsächlich von Rehe und Gämsen. Daneben zählen Hasen, Mäuse, Eichhörnchen, junge Wildschweine und andere kleinere Säugetiere, aber auch Vögel und Fische zum Beutespektrum der Luchse. Dass Luchse landwirtschaftliche Nutztiere gerissen hätten, sei nicht dokumentiert, erklärt Januskovecz.

Die Luchse vom Hochschwab sind zwar die große Sensation, weil sie zu zweit sind und weil es nun erstmals gestochen scharfe Aufnahmen der Tiere gibt. Die einzigen Luchse im Wiener Quellenschutzgebiet sind sie aber nicht. Auch im Rax-Schneeberg-Gebiet wurde die Existenz der Raubkatze bereits nachgewiesen.

Gelungene Wiederansiedlung

Das darf als Erfolg gewertet werden. Denn die gemeinsamen Bemühungen des Naturschutzbundes mit weiteren Organisationen sind seit Jahren darauf ausgerichtet, die Wiederansiedelung des Luchses in Österreich zu forcieren. Um die räumliche und zahlenmäßige Entwicklung einer Population zu dokumentieren, ist ein aufwendiges Monitoring erforderlich. Unterscheiden lassen sich die Raubkatzen ob ihrer individuellen Fellzeichnungen.

Am Hochschwab gibt es nun jedenfalls Grund zur Hoffnung. Denn ein Weibchen wirft bis zu fünf Junge.

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