© Kurier/Juerg Christandl

Prozess
07/07/2021

Mutmaßliche IS-Terroristen im Leinensakko

Der bekannte Hassprediger Mirsad Omerovic gesteht am ersten Prozesstag Fehler ein.

von Michaela Reibenwein

Keine langen Bärte, keine Komplettverschleierungen, keine wallenden Gewänder: Mit dem Bild, das man von Anhängern der Terrormiliz IS hat, haben die fünf Angeklagten Mittwochvormittag im Landesgericht für Strafsachen in Wien zumindest äußerlich nichts gemein. Der Hauptangeklagte, ein 32-jähriger Tschetschene, erscheint im taillierten Leinensakko, der mitangeklagte Hassprediger Mirsad Omerovic ist gar nicht mehr wiederzuerkennen. Modischer Pullover, frisch vom Friseur und gestählt durch den Fitnessraum der Justizanstalt (er verbüßt aktuell eine 20-jährige Haftstrafe).

Der Hauptangeklagte Turpal I. sorgte im Vorfeld für Aufregung. Der österreichische Taekwondo-Staatsmeister soll sich dem IS angeschlossen haben und als Anführer einer Kampftruppe in Syrien zahlreiche Zivilisten töten haben lassen – durch Erschießen, Köpfen und Erstechen. Doch weil die maximal mögliche Dauer der U-Haft (zwei Jahre) überschritten wurde, musste er auf freien Fuß gesetzt werden.

Abu Aische

„Es gibt keine Beweismittel, die das belegen würden“, sagt sein Anwalt Florian Kreiner. Sein Mandant sei auch nicht der berühmt-berüchtigte „Abu Aische“, ein besonders brutaler IS-Schlächter, wie Staatsanwalt Johannes Winklhofer ausführt. Er habe in Syrien nur nach dem Grab seines gefallenen Schwagers gesucht.

Geständig zeigt sich allerdings der bekannteste Hassprediger Österreichs – Mirsad Omerovic. Er hat unzählige junge Männer radikalisiert und als Kämpfer für den IS in den Krieg geschickt. Als die Hintergrundfigur beschreibt ihn der Staatsanwalt. Ein brillanter Rhetoriker. Die (mittlerweile geschlossene) Altun-Alem-Moschee in Wien sei ein Stützpunkt des IS gewesen. „Ich hab’ Fehler gemacht, ich geb’s zu“, sagt Omerovic diesmal. Der Terroranschlag habe bei seinem Mandanten einen Umdenkprozess ausgelöst, erklärt Anwalt Leonhard Kregcjk.

Vom Nazi zum Dschihadisten

Angeklagt ist weiters ein ehemaliger steirischer Neonazi, der zum Dschihadisten wurde, nach einem kurzen Ausflug nach Syrien aber wieder nach Österreich zurückkehrte und es hier zu gewisser Bekanntheit brachte. Auch seine Frau (sie erscheint auffallend modern gekleidet und mit offenen, langen Haaren) und die Ex-Frau des Erstangeklagten müssen sich wegen Unterstützung des IS verantworten. Angeklagt waren eigentlich auch die Eltern des Taekwondo-Staatsmeisters. Doch der Vater ist mittlerweile gestorben, die Mutter ist verschwunden.

Der Prozess ist bis Ende Juli angesetzt, zu Wort kommen wird unter anderem ein Zeuge unter Polizeischutz, auf dessen Aussagen die meisten Vorwürfe basieren.

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