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Chronik Wien
09/27/2021

Mordprozess: Kamera filmte Nadines Leiden mit

Am 5. März soll Ashraf A. eine 35-Jährige in ihrer Trafik in Wien angezündet haben. „Ich wollte ihr eine Lektion erteilen“, erklärte er. Ab Donnerstag er vor Gericht.

von Michaela Reibenwein

Auch sechs Monate nach der Tat liegen vor der Trafik in der Nussdorfer Straße in Wien-Alsergrund Blumen. Nadine W. ist nicht vergessen. Die Tat ebenso wenig. Ab kommendem Donnerstag muss sich Ashraf A. wegen Mordes im Landesgericht für Strafsachen in Wien verantworten. Der Prozess ist für zwei Tage anberaumt.

Türe zugesperrt

Es war der 5. März gegen 11 Uhr, als Ashraf A. die Trafik betrat. Was dann passierte, ist durch Videoaufnahmen Sekunde für Sekunde aufgezeichnet. Der Angeklagte versperrt das Geschäft und lässt die Rollläden herunter. Nadine W. drückt den Alarmknopf. Dann geht sie nach einem massiven Schlag gegen den Kopf zu Boden. Dann soll Ashraf A. zu einem mitgebrachten Kabel greifen, es um ihren Hals legen und zuziehen. Im Anschluss greift er laut Anklageschrift zu einer kleinen Plastikflasche, die er ebenfalls mitgebracht hat. Er schüttet den Inhalt – es handelt sich um Benzin, über die Frau. Auf dem Video ist dann eine gewaltige Stichflamme zu sehen. „Ich wusste nicht, dass Benzin so gut brennt“, sagte er später bei seiner Einvernahme.

Dann soll er die Trafik verlassen und hinter sich zugesperrt haben. „Ich wollte ihr eine Lektion erteilen“, erklärte er später.

Frau rammte Glastür

Doch Nadine W. war stark. Anrainer hatten das Feuer bemerkt. Eine Frau schnappte sich einen Einkaufswagen und rammte damit die Glastür der Trafik. Nadine W. schaffte es trotz ihrer massiven Verbrennungen, die Trafik selbst zu verlassen. Und es gelang ihr auch noch zu sagen, was passiert und wer dafür verantwortlich war.

Die 35-Jährige wurde wochenlang auf der Intensivstation betreut. Doch nach einem Monat verlor die Frau Anfang April ihren Kampf ums Leben. Sie erlag den schweren Verletzungen.

Schon im Vorfeld hatte Nadine W. Angst vor Ashraf A., mit dem sie eine On-Off-Beziehung hatte (er wird von Rechtsanwalt Michael Schnarch vertreten). Sie heuerte zu ihrem Schutz sogar einen Detektiv an. Was sie nicht wusste: Ashraf A. hatte bereits seit 1,5 Jahren eine Wanze in der Trafik installiert, hörte mit. Er war eifersüchtig.

Der Prozess gegen den gebürtigen Ägypter ist für zwei Tage anberaumt. Am ersten Tag werden zahlreiche Zeugen zu Wort kommen. Am Freitag ist schließlich Tag der Sachverständigen. Darunter ist auch der Brandsachverständige Christian Tisch, der schon beim Feuerinferno der Standseilbahn in Kaprun im Einsatz war.

Dem Angeklagten droht lebenslange Haft und die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Laut dem psychiatrischen Sachverständigen Peter Hofmann war der Mann zum Zeitpunkt der Tat zurechnungsfähig. Allerdings leide er an einer schwerwiegenden Persönlichkeitsstörung und sei als äußerst gefährlich einzustufen.

Wer Opfer häuslicher Gewalt geworden ist, kann sich unter anderem an die Frauen-Helpline wenden unter  0800/222555.

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