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Chronik Wien
04/30/2021

Mordalarm: Bekannter "Bierwirt" soll Ex-Freundin erschossen haben

Dem KURIER liegen Bilder der Festnahme des Verdächtigen vor.

von Markus Strohmayer, Birgit Seiser, Michaela Reibenwein

Am Donnerstagabend wurde ein Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften wegen einer schwerverletzten Frau in den Winarskyhof im 20. Bezirk in Wien gerufen. Eine 35-Jährige hatte Schussverletzungen erlitten und wurde von den alarmierten Rettungskräften sofort ins Krankenhaus gebracht, wo sie aber kurze Zeit später ihren Verletzungen erlag. Die Frau soll Mutter eines Mädchens und eines kleinen Buben sein. 

Täter verlor Bewusstsein

Zugefügt haben soll ihr die Verletzungen ihr Ex-Lebensgefährte, ein 42-jähriger Wiener, der in den letzten Monaten zweifelhafte Bekanntheit erlangte: Es soll sich bei dem Tatverdächtigen um jenen Mann handeln, der der Grünen Klubchefin Sigi Maurer obszöne Nachrichten geschickt haben soll. In den Medien wurde der 42-Jährige als "Bierwirt" bekannt. Die Polizei nahm den Mann kurze Zeit später in dem Gemeindebau fest. Dabei verlor er das Bewusstsein - es wird spekuliert, dass das seinem Alkoholisierungsgrad geschuldet war. Im Krankenhaus wurden auch noch andere "Substanzen" in seinem Blut nachgewiesen, wie die Polizei sagt. Ob er sich erst nach der Tat betrunken hat, ist unklar. Dem KURIER liegen Bilder der Festnahme vor. 

Das genaue Tatmotiv ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen, der Tatverdächtige konnte laut KURIER-Informationen noch nicht einvernommen werden. Bei seiner Festnahme wurde eine Faustfeuerwaffe sichergestellt. Ob er diese rechtmäßig besessen hat, ist unklar. 

Bei einem Lokalaugenschein des KURIER am Tag nach der Tat, zeigen sich die Nachbarn schockiert, viele haben Schüsse gehört. Zoran J. machte die Aufnahmen der Festnahme des Verdächtigen und schildert, wie er die Minuten erlebt hat: "Gegen 19.35 ist er nur in Unterhose im Hof auf einer Bank gesessen und hat herumgeschrien. Er wirkte betrunken und hatte eine Waffe in der Hand. Rund herum haben noch Kinder gespielt, weil im Hof ein Spielplatz ist. Ein Nachbar von Stiege 17 ist dann hin und hat ihm die Waffe aus der Hand geschlagen." Beim Eintreffen der alarmierten Spezialeinheit WEGA dürften die Beamte zunächst jenen Mann für verdächtig gehalten haben, der dem "Bierwirt" die Waffe aus der Hand geschlagen hatte, wie Bilder belegen. 

Dzemail Semovic, 16, wohnt im 2. Stock des Gemeindebaus, in dem sich die Tat ereignet hat: "Sie war so eine freundliche Frau, hat draußen mit den Kindern gespielt. Aber man kannte sie nicht so gut, weil sie erst seit ein paar Monaten da waren."

Auch Anwohnerin Josefine G. hat die Tat miterlebt: "Es war schrecklich, ich hab einen Schuss gehört und rausgeschaut. Dann hab ich nur gesehen, wie sie die Frau rausgebracht haben. Ich traue mich im Dunklen nicht mehr hinaus."

Muhsin S., kannte die Familie, Opfer, Schwester und Mutter sollen immer sehr nett gewesen sein. Der Bierwirt habe aber oft "blöd geredet" und war "unangenehm".

Andere Nachbarn erzählen, dass auch der Tatverdächtige eigentlich stets freundlich und hilfsbereit war. 

Der Tatverdächtige soll sich laut Nachbarn auch immer wieder um die Kinder des Opfers, einen 2-jährigen Buben und ein 13 Jahre altes Mädchen, gekümmert haben. Seine Schwester war laut KURIER-Informationen außerdem die beste Freundin der Getöteten. Das Opfer und der Verdächtige sollen vor zirka einem Jahr in den Gemeindebau in der Brigittenau gezogen sein. Zuvor sollen sie gemeinsam in der Vorgartenstraße gewohnt haben. Wann es zur Trennung des Paares kam, ist nicht bekannt.

Der Verdächtige 

Eigentlich hätte das Gastspiel des "Bierwirts" in den Medien jetzt ein Ende haben sollen, nachdem er seine Klage wegen übler Nachrede gegen die Grüne Klubchefin Maurer zurückgezogen hatte. Die Causa hatte sich mehrere Monate hingezogen, begonnen hatte alles vor zwei Jahren. Damals veröffentlichte Maurer obszöne Nachrichten, die ihr der Mann vom Computer aus seinem Bierlokal in der Josefstadt geschickt haben soll. Durch die Veröffentlichung konnte nachvollzogen werden, wer die Nachrichten vermeintlich geschickt hatte. Der Bierwirt bestritt aber stets der Verfasser zu sein und klagte Maurer danach wegen übler Nachrede, und hatte vor Gericht Erfolg - zumindest vorerst. Maurer wurde in einem ersten Verfahren schuldig gesprochen und zu 7.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Das Oberlandesgericht hob das Urteil später auf, das Verfahren musste wiederholt werden.

In der nächsten Prozess-Runde zauberte der Bierwirt dann den angeblichen Verfasser, einen Mann namens Willi, hervor. Dieser Willi sei aber schüchtern und war monatelang nicht auffindbar. Nachdem Willi dann endlich doch vor Gericht aufgetaucht war, gab der aber an, dass er den Bierwirt gar nicht kenne und gar kein Bier trinke - er sei also auch nicht der Verfasser der Nachrichten. Der Bierwirt zog seine Privatklage daraufhin zurück. 

Weitere Gewaltvorwürfe

Dem Maurer-Prozess folgte gleich der nächste Gerichtstermin: Dabei ging es um einen Streit zwischen dem 42-Jährigen und einem Passanten am 24. September 2020. Der 63-Jährige soll vom angeblich angetrunkenen Gastronomen zum Weggehen aufgefordert worden sein. Als er der Anweisung nicht nachkam, soll der Wirt ihn mit einem als Taschenlampe getarnten Elektroschocker - einer verbotenen Waffe - bedroht haben. 

Gewalt von Männern gegen Frauen gibt es in allen sozialen Schichten, Nationen, Familienverhältnissen und Berufsgruppen. Morde an Frauen werden auch als Femizide bezeichnet. Der Begriff soll ausdrücken, dass hinter diesen Morden oft keine individuellen, sondern auch gesamtgesellschaftliche Probleme wie etwa die Abwertung von Frauen und patriarchale Rollenbilder stehen.

Hilfe für Gewalt-Betroffene gibt es hier:

Frauenhelpline (Mo – So, 0 – 24 Uhr, kostenlos), 0800 / 222 555 Männernotruf: (Mo – So, 0 – 24 Uhr, kostenlos), 0800 / 246 247.

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