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Politik Inland
04/30/2021

Gewessler unterbrach Pressekonferenz wegen Frauenmord: "Da müssen wir was tun"

Die Ministerin zeigte bei einer Pressekonferenz ihr Entsetzen: „Das ist die neunte Frau, die in diesem Jahr in Österreich ermordet wurde“

Eigentlich wollte die Klimaministerin einmal mehr die Vorteile von Ökologie für die Ökonomie bewerben. Doch bevor sie ihr Statement bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und Arbeitsminister Martin Kocher abgab, hielt sie kurz inne.

"Die Auswirkungen dieser Pandemie spüren und bemerken die Menschen ganz deutlich", begann sie mit fester Stimme.

Doch dann hielt sie kurz inne. "Bevor ich zu Tagesordnung übergehe, würde ich gerne drei Sätze sagen. Wir haben heute in der Nacht in der Brigittenau einen Frauenmord gehabt. Ich möchte an dieser Stelle mein tief empfundenes Beileid und Mitgefühl den Angehörigen des Opfers ausdrücken."

Gewessler räusperte sich kurz, als ob sie kurz ihre Stimme verlieren könnte. "Das ist die neunte Frau, die in diesem Jahr ermordet wurde. Da müssen wir etwas tun."

Kurz und Kocher, die beide vor Gewessler ihre Stellungnahmen abgaben, hatten das Thema nicht angesprochen.

Update: Frauenministerin Susanne Raab gab am frühen Nachmittag folgende Stellungnahme ab:

„Dieser brutale Mord ist absolut schockierend und macht mich zutiefst betroffen. Grausame Taten wie diese sind die Spitze des Eisbergs, denn Gewalt gegen Frauen beginnt bereits bei abwertenden Äußerungen und Beschimpfungen und reicht bis hin zu gewalttätigen Übergriffen. Mir ist es daher wichtig, dass jede Frau weiß, dass sie einen Zufluchtsort hat, wo sie bereits bei den ersten Anzeichen von Gewalt Schutz findet."

"Der Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt ist der gesamten Bundesregierung ein wichtiges Anliegen. Selbstverständlich ist der Gewaltschutz aber auch ein ganz zentraler Schwerpunkt in der Frauenpolitik. Daher fließt ein großer Teil des Frauenbudgets in Gewaltschutz-Maßnahmen, wie beispielsweise in die Finanzierung von Gewaltschutzzentren oder Frauenberatungsstellen als erste Anlaufstelle für betroffene Frauen und Mädchen. Zudem haben wir letztes Jahr auch 3,25 Millionen Euro für Gewaltschutzprojekte in ganz Österreich zur Verfügung gestellt."

"Gewalt an Frauen und Mädchen dürfen wir als Gesellschaft niemals hinnehmen. Ich werde daher auch in Zukunft nicht ruhen und weitere Initiativen im Gewaltschutz setzen.“

Gewalt von Männern gegen Frauen gibt es in allen sozialen Schichten, Nationen, Familienverhältnissen und Berufsgruppen. Morde an Frauen werden auch als Femizide bezeichnet. Der Begriff soll ausdrücken, dass hinter diesen Morden oft keine individuellen, sondern auch gesamtgesellschaftliche Probleme wie etwa die Abwertung von Frauen und patriarchale Rollenbilder stehen.

Hilfe für Gewalt-Betroffene gibt es hier:

Frauenhelpline (Mo – So, 0 – 24 Uhr, kostenlos), 0800 / 222 555 Männernotruf: (Mo – So, 0 – 24 Uhr, kostenlos), 0800 / 246 247.

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