Chronik | Wien
12.10.2017

Ministerin sieht Schaden für Wissenschaftsstandort

Weil sich Ednan Aslan von einem Unternehmensberater bei seiner Kindergarten-Studie helfen ließ, sehen SPÖ-Granden dringenden Aufklärungsbedarf.

Nachdem KURIER und Falter berichteten, dass Religionspädagoge Ednan Aslan von der Uni Wien Teile der Feldforschung für seine umstrittene Kindergarten-Studie an einen Unternehmensberater ausgelagert hat, gehen die Wogen hoch. Während die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) die Studie auf ihre Seriosität überprüft, meldet sich nun auch die Politik zu Wort. Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) – Ex-Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität Wien – ortet „durch solche Vorkommnisse einen Schaden für den Wissenschaftsstandort Österreich“.

Wie berichtet, holte sich Aslan bei der Recherche für seine Kindergarten-Studie Unterstützung. Aber nicht nur von den Mitarbeitern des Instituts für Islamisch-Theologische Studien, sondern auch von einem Unternehmensberater. Der bekam 10.000 Euro dafür, dass er in vier Kindergärten und einer Kindergruppe Personal und Eltern interviewte, Homepages dokumentierte oder Zeitungsberichte und Fotos sammelte. Zu seinen Aufgaben zählte unter anderem aber auch die „Konzeption für die Durchführung der Studie“. Als Co-Autor genannt wurde er jedoch nicht.

Dadurch entstünden „weitere große Fragezeichen“, meint Hammerschmid. Nachdem der Falter bereits aufdeckte, dass Beamte des Integrationsministeriums die Studie umgeschrieben und zugespitzt haben sollen, sei nun auch Aslans Vorgehen gezielt zu hinterfragen. „Warum wurde da etwas ausgelagert und warum an einen Unternehmensberater?“ Dies sei bei kleineren sozialwissenschaftlichen Studien „absolut unüblich“. Usus sei, fachlich geschulte Studierende einzubinden. Zudem sei die Konzeption einer Studie von einem Wissenschaftler zu erledigen. Beteiligte Dritte nicht zu nennen, widerspreche „der guten wissenschaftlichen Praxis“.

Ethikkommissionen

Kein Verständnis hat Hammerschmid für die Aussage eines Sprechers von Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP), wonach man die Studie zwar gefördert habe, über deren Umsetzung aber nicht Bescheid wissen müsse. „Wenn ich eine Studie ausschreibe, will ich wissen, wer sie durchführt, mit welcher Methode, und ob diese Person überhaupt qualifiziert ist. Da schau ich mir alles genau an, bis zum kleinsten Subunternehmer.“ Die Uni Wien sei deshalb gut beraten gewesen, die externe OeAWI-Prüfung in die Wege zu leiten.

Um die Qualität öffentlich finanzierter sozialwissenschaftlicher Studien zu gewährleisten, schlägt Hammerschmid Ethikkommissionen vor, wie es sie bei medizinischen Forschungsprojekten bereits gibt. Diese könnten je nach Gegenstand der Studie, Methode und Mitwirkenden die Untersuchung genehmigen oder ablehnen, sagt die Ministerin.

Kritik üben auch die Wiener Grünen sowie Stadtchef Michael Häupl ( SPÖ). Er wirft Kurz „die Manipulation der Studie aus politischen Gründen“ vor. Professor Aslan war bis Redaktionsschluss erneut für keine Stellungnahme zu erreichen.