Neue Aufregung um Aslans Kindergarten-Studie

Originalbild: Jürg Christandl v. 23.12. 2016,  46-…
Foto: Kurier/Juerg Christandl Islamische Kindergärten wurden in Aslans Auftrag untersucht. Von seinen Mitarbeitern, aber auch von einem Unternehmer.

Professor Ednan Aslan beauftragte einen Unternehmensberater mit einem Teil der Feldforschung. Agentur prüft Seriosität der Ergebnisse.

Religionspädagoge Ednan Aslan hat mit seiner Studie über islamische Kindergärten in Wien bereits viel Aufsehen erregt. Umstritten ist sie nicht zuletzt, weil ihre Ergebnisse einem Falter-Bericht zufolge von Sebastian Kurz’ Beamten im Integrationsministerium aus politischem Kalkül umgeschrieben und zugespitzt worden sein sollen. Die Uni Wien hat deshalb eine externe Prüfung durch die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) empfohlen. Diese stellt zurzeit fest,  ob bei der Studie die Grundsätze der guten wissenschaftlichen Praxis verletzt wurden.

Ednan Aslan Foto: Kurier/Juerg Christandl Religionspädagoge Ednan Aslan. Auswirkungen auf die Beurteilung könnten auch jene Unterlagen und Verträge haben, die  OeAWI, KURIER und Falter nun zugespielt wurden. Denn diese belegen, dass Aslan wesentliche Teile der Recherche für seine Studie nicht selbst durchgeführt hat.  

Im konkreten Fall beauftragte er  aber nicht seine Mitarbeiter vom Institut für Islamisch-theologische Studien oder andere Wissenschaftler, sondern einen Wiener Unternehmensberater.

Anonymer Beitrag

Laut einer Abmachung vom 20. Mai 2015, die dem KURIER vorliegt, gehörte zu dessen Aufgaben unter anderem die „Konzeption für die Durchführung der Studie“, die „Evaluierung der politischen und theologischen Zugehörigkeit der Vereine und BetreiberInnen“, die Analyse von Homepages oder die Untersuchung der „familiären Hintergründe der Kinder“. Dafür bezahlte Aslan dem Unternehmer 10.000 Euro – fast ein Drittel des Projektbudgets.

kurier… Foto: /Kurier Als Co-Autor scheint der Unternehmensberater, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, in Aslans Studie aber nicht auf. In Interviews hat der Professor die Mitwirkung des externen Auftragnehmers nie erwähnt. Und auch seitens des Auftraggebers wusste man von der Auslagerung der Recherche nichts. „Wir haben das Projekt gefördert, aber wie es umgesetzt wurde, wissen wir nicht“, sagt Gerald Fleischmann, Sprecher von Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP). Es sei in der Forschung aber „nicht unüblich, Interviews auszulagern“.

Bloß tat der türkischstämmige Unternehmensberater, der zwar als Integrationsbotschafter des Ministeriums aktiv war, aber jegliche politische Nähe zur ÖVP bestreitet, einiges mehr, als bloß Interviews zu führen.

Wie er dem KURIER schildert, holte er „in der Rolle der Uni Wien“ umfassende Informationen ein. Dem Auftrag entsprechend habe er Homepages, Publikationen und Inserate der Betreibervereine unter die Lupe genommen, Zeitungsberichte und Fotos dokumentiert, Vereinsstrukturen recherchiert und in vier Kindergärten sowie in einer Kindergruppe Gespräche mit Personal und Eltern geführt. All das  fasste er in 28 Seiten zusammen und legte sie Aslan vor.  Die Kurzanalyse, ist dort zu lesen, umfasste 71 Kindergärten und 56 Kindergruppen.

„Nicht neutral“

Was der Professor aus der Information machte und wie die Ergebnisse der Kindergarten-Studie medial dargestellt wurden, gefiel dem Unternehmer jedoch überhaupt nicht. Bei jenen fünf Kindergärten, die er untersuchte, habe er „keine Probleme festgestellt, wie Aslan sie beschreibt“. Der Faktensammler meint, Aslan habe nicht aus neutraler Position heraus agiert. „Er hat alles sehr negativ betont.“

Zudem könne von 150 problematischen Kindergärten überhaupt keine Rede sein, meint der Unternehmensberater. „Das ist viel zu hoch gegriffen. Wahrscheinlich sind es nicht einmal 30.“

Dass es problematische Kindergärten gibt, bestreitet der Wiener aber nicht. So habe er etwa sehr wohl sprachliche Mängel beim Personal von Kindergruppen festgestellt. Daran sei in erster Linie die Stadt Wien schuld, sagt er. Weil 90 verpflichtende Ausbildungsstunden zu wenig seien. „Und auch 400, wie mittlerweile vorgeschrieben, sind zu wenig.“

Und auch die Vermittlung religiöser Inhalte – etwa dass Kinder Koran-Suren auswendig lernten – kann er bestätigen. Bei seiner Feldforschung habe er jedoch „keinen politischen Einfluss“ feststellen können. Viel mehr habe es sich bei den betreffenden Betreuungseinrichtungen um Familienbetriebe gehandelt, „die aus wirtschaftlichem Interesse Halal-Essen und religiöse Vermittlung anboten“.

Warum Aslan Teile der Feldforschung auslagerte und warum er damit keinen Wissenschaftler beauftragte, konnte der KURIER nicht in Erfahrung bringen. Der Professor war trotz mehrmaliger telefonischer Versuche nicht zu erreichen. Ein vom Uni-Institut versprochener Rückruf blieb bis Redaktionsschluss aus.

Bei der Agentur für wissenschaftliche Integrität wird indes überprüft, ob die Mitwirkung  des Unternehmers negativen Einfluss auf die Seriosität der Studie hat. Das Ergebnis steht frühestens Ende Oktober fest.

Interdisziplinäre Forschung

Große Studie: Ergebnisse liegen noch heuer vor

Mit seiner Studie zeigte Religionspädagoge Ednan Aslan Ende 2015 mutmaßliche Fehlentwicklungen in islamischen Kindergärten auf, die Wissenschaftlichkeit der Erhebung wurde aber angezweifelt. Hatten sich doch nur einzelne Betriebe auf Gespräche eingelassen. Weitere Einrichtungen wurden mithilfe des Vereinsregisters sowie anhand von  Homepages oder Flyern analysiert.

Integrationsministerium und Stadt Wien einigten sich daraufhin auf eine zweite, umfangreichere Studie. Die Ergebnisse des interdisziplinären Forscherteams, an dem auch Aslan beteiligt ist, werden noch heuer erwartet.

Aslan sagte Treffen ab

Beteiligt sind drei Teams von Uni Wien und  FH Campus – neben dem Institut für Islamisch-theologische Studien, Bildungswissenschafter und Elementarpädagogen. Je nach Fragestellung variieren die Methoden der einzelnen Teams, erklärt Erziehungswissenschafter Henning Schluß. Die jeweiligen Ergebnisse wollte man Anfang der Woche miteinander abgleichen. Doch das Treffen wurde von Aslan abgesagt.

Inhaltlich sei man bereits fertig, sagt Schluß. Man müsse aber erst einen gemeinsamen Bericht erstellen und diesen Ende Oktober  mit dem wissenschaftlichen Beirat abstimmen.  Dass eines der Teams mit seinen Ergebnissen vorpresche, sei angesichts des gemeinsamen Auftrags nicht zu erwarten.

(Kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?