Mit der Bepflasterung soll auf der Mariahilfer Straße ab 2014 ein echtes Fußgängerzonen-Feeling einkehren.

© dialog-mariahilferstrasse.at

Wien
10/07/2013

Mariahilfer Straße: Teures Pflaster statt Asphalt

Einkaufsstraße soll im Frühjahr umgebaut werden. Rot-Grün will sich bis Ende Oktober auf Fahrplan einigen.

von Josef Gebhard

Stückchenweise werden immer neue Details zur endgültigen Gestaltung der Fußgängerzone Mariahilfer Straße bekannt: In der gesamten Einkaufsmeile – also auch in den beiden Begegnungszonen – soll der Asphalt durch Pflastersteine ersetzt werden. „Es geht darum, dass der neu gestaltete Raum auch besser sichtbar ist“, erklärt Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne). Vorbild sind bereits bestehende Fußgängerzonen – wie etwa jene in der Kärntner Straße.

Die Entfernung des Asphalts sei von Anfang an geplant gewesen, betont die Vizebürgermeisterin gegenüber dem KURIER. Offen sei derzeit aber noch, welches Material für den neuen Straßenbelag verwendet wird. „Ob Natur- oder Betonsteine verlegt werden, ist noch zu klären.“ Um einzelne Verkehrsflächen optisch besser voneinander zu trennen, könnten aber auch unterschiedliche Materialien zum Einsatz kommen.

Bilder: Die geplanten Neuerungen

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Wie viel die Bepflasterung der Mariahilfer Straße kosten wird, kann Vassilakou derzeit noch nicht sagen. „Für die gesamte Umgestaltung wird jedenfalls ein zweistelliger Millionenbetrag nötig sein“, rechnet sie vor.

Einen groben Vergleichswert bietet die Neu-Bepflasterung der Fußgängerzone Graben/Stock-im-Eisen-Platz/Kärntner Straße vor wenigen Jahren: Sie kostete laut Bezirk 18,6 Mio. Euro.

Zeitplan

Geht es nach Vassilakou, soll jetzt aufs Tempo gedrückt werden und die Umgestaltung „so rasch wie möglich“ beginnen – also idealerweise im Frühjahr. Grund für die Eile sind auch die Erfahrungen aus den ersten zwei Monaten des Probebetriebs: „Weil die Straßen asphaltiert sind, trauen sich die Fußgänger noch nicht von den Gehsteigen herunter.“

Die Umgestaltung werde sicherlich „mehrere Monate“ in Anspruch nehmen. Das bedeutet, dass sich Autofahrer 2014 abermals auf neue Verkehrsregelungen einstellen müssen. „Aber es war immer klar, dass die Mariahilfer Straße in diesem Zeitraum zu einer Baustelle wird“, betont die Vizebürgermeisterin.

Der detaillierte Fahrplan für die nächsten Schritte (Bürgerbefragung, Baustart) soll Ende Oktober vorliegen. Spätestens dann sollte auch die neue Route für die Buslinie 13A feststehen. Während die Wiener Linien am liebsten durch die Neubaugasse fahren würden, werden derzeit auch noch die Varianten Zollergasse und Zieglergasse diskutiert.

Unterdessen hat der Petitionsausschuss empfohlen, die gesamte Bevölkerung des 6. und 7. Bezirks über die Neugestaltung zu befragen. Eine entsprechende Petition war mit ÖVP-Unterstützung eingebracht worden. In dem Text wird allerdings nicht erläutert, was genau abgefragt werden soll.

"Schnapsideen"

Bei der Opposition finden die geplanten Neuerungen auf der Mariahilfer Straße kaum Anklang. "Nach Strandpromenade und künstlichem Bach kommt jetzt mit dem Trampolin für Erwachsene der nächste verhaltensoriginelle Vorschlag von Vizebürgermeisterin Vassilakou", kritisiert ÖVP-Landesparteiobmann Manfred Juraczka. Er vermisst Lösungsvorschläge "für die wirklichen Probleme" in der Mariahilfer Straße sowie einen konkreten Termin für die Befragung der Anrainer zur neuen "MaHü".

"Wer in Mariahilf ein Minus von 4,5 Prozent und in Neubau ein Minus von 3,7 Prozent einfährt, sollte sich in erster Linie mit den eigenen Problemen beschäftigen", entgegnet Georg Prack, Landessprecher der Grünen Wien. Die ÖVP habe das Wahlergebnis wohl nicht richtig verstanden: "Immer nur dagegen sein ist wohl kein erfolgreiches Konzept für die Wahl".

Ähnlich kritisch wie die ÖVP äußerte sich der Klubchef der FPÖ Wien, Johann Gudenus, der von "Schnapsideen" spricht. "Die Anrainer und Kaufleute wissen am besten, was gut für sie ist. Über sie drüberzufahren, wie das Vassilakou konsequent macht und dabei Millionen für ein letztlich untaugliches Flickwerk locker zu machen, ist unverantwortlich".

Fußgängerzone ist nicht radelfit

Kaum etwas wird so heftig diskutiert, wie das Radfahren auf der Mariahilfer Straße. Verkehrsexperte Ernst Pfleger will den Bauchargumenten Fakten entgegenstellen. Er hat für den KURIER zwei Radfahrer mit Spezialbrillen ausgerüstet und durch die Begegnungs- und Fußgängerzonen geschickt. Dabei wurden die Augenbewegungen erfasst.

Der Test zeigte deutlich die Mängel der neuen Mariahilfer Straße auf: Dadurch, dass die Radfahrer keine eigene Spur haben, fahren sie kreuz und quer auf der Fahrbahn. Sie schlängeln sich zwischen Autos und Fußgängergruppen durch und missachten Sperrlinien. Der erfahrenere Radler war zudem in der Fußgängerzone deutlich zu schnell.

Bilder des Tests

Mariahilfer Radfahrer…

Mariahilfer Radfahrer…

Mariahilfer Radfahrer…

Mariahilfer Radfahrer…

Mariahilfer Radfahrer…

Mariahilfer Radfahrer…

Mariahilfer Radfahrer…

Mariahilfer Radfahrer…

Magische Busspur

Die rote Busspur zog die Blicke der Tester magisch an. „Viele Schilder wurden hingegen nicht wahrgenommen oder nur mit dem Blick gestreift“, sagt Experte Pfleger. Das liege an ihrer Fehlplatzierung, aber auch an der Textflut auf den Schildern selbst.

Die Tests zeigten auch, dass sich kaum ein Radler an die Geschwindigkeitsbeschränkung hält. Der angepasst fahrende Probant wurde ständig überholt. Pfleger: „Warum werden Radler dort nicht öfter kontrolliert?“

Wie gefährdet Radfahrer sind, erläutert Pfleger anhand einer Tabelle. Bei 15 km/h betrage der Bremsweg im optimalen Fall 7,8 Meter. Verdoppelt sich die Geschwindigkeit, sind es bereits 19,4 Meter. Zudem sind viele Bremsen für Radler nicht unmittelbar erreichbar. Die Reaktionszeit verlängert sich so im Vergleich zu Autofahrern im Schnitt um eine halbe Sekunde.

Erschwerend hinzu kommen Hindernisse wie Betonleitwände und Schilder, die mitten auf der Straße platziert wurden. Auch die neue Möblierung und die Fahrradabstellplätze kritisiert der Experte: „Sie sind viel zu nahe an der Fahrbahn und können Passanten verdecken.“

Noch trauen sich viele Fußgänger nicht auf die Straßenmitte, weil diese baulich nicht wie eine Fußgängerzone aussieht. Sobald mehr Menschen auf die Straße strömen, werde aber das Gefahrenpotenzial steigen, glaubt Pfleger: „Viele Fußgänger werden dann durch andere verdeckt.“ Die Radler wären durch die hohe Dichte an Passanten überfordert, sagt Pfleger. Sein Resümee: „Radfahrer haben in einer echten Fußgängerzone nichts verloren.“

Die Mariahilfer Straße im Wandel der Zeit

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