Wien-Favoriten

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Wien
09/29/2016

Lenker rief "Allahu akbar" und fuhr auf Fußgänger zu

Polizisten stoppten den Amokfahrer in der Quellenstraße. Ein Passant konnte sich in letzter Sekunde retten.

von Johanna Kreid

Ausgerechnet am letzten Tag des Prozesses gegen Amokfahrer Alen R. in Graz mussten Polizisten in Wien einen Amokfahrer stoppen: In Favoriten dürfte ein 21-Jähriger am Donnerstag gezielt versucht haben, Fußgänger mit seinem Auto niederzufahren. Aus dem offenen Autofenster soll er laut Polizei mehrmals "Allahu akbar" gerufen haben. Verletzt wurde niemand. "Für einen Passanten war es aber brenzlig. Er konnte sich nur durch einen Hechtsprung zur Seite retten", schildert Polizeisprecher Thomas Keiblinger.

Der Vorfall ereignete sich gegen 11 Uhr in der Quellenstraße. Polizisten konnten den Amokfahrer schließlich in der Quellenstraße auf Höhe Columbusgasse stoppen. Auch bei der Festnahme habe der Mann erneut "Allahu akbar" gerufen, beschreibt Keiblinger. Beim Tatverdächtigen handelt es sich laut Polizei um einen gebürtigen Wiener mit türkischen Wurzeln. Er wurde vom Verfassungsschutz befragt, seine Wohnung durchsucht. Auch Zeugen des Vorfalls werden noch einvernommen.

Lokalaugenschein

Der Tatort liegt in einer belebten Ecke des 10. Bezirks. Die Läden bieten Döner und Kaffee, Obst und Gemüse, pompöse Brautkleider und glänzende Anzüge. Aus einigen Häusern tönt Musik. Nicht nur die Geschäftsleute, auch die meisten Kunden hier haben Migrationshintergrund.

Ja, er habe gesehen, wie ein Mann verhaftet wurde, bestätigt Ilker, Verkäufer in einem Bekleidungsgeschäft. Direkt vor dem Laden wurde der Verdächtige angehalten. "Er war mit einem Peugeot unterwegs, etwa in dieser Farbe", sagt er und zeigt auf eine dunkelgrüne Krawatte.

Ilker fürchtet, die Beamten hätten den 21-Jährigen womöglich zu hart angepackt: "Es waren sieben oder acht Polizisten gegen einen Mann. Und der hat sich nicht einmal gewehrt. Er ist einfach ausgestiegen und hat den Polizisten einen Ausweis gegeben", sagt er.

Augenzeugen

Osman, der in einem kleinen Supermarkt hinter der Fleischtheke arbeitet, erzählt, dass er die Verhaftung fotografiert habe. Er könne jedoch nicht mehr dazu sagen, da er nicht gut Deutsch spreche. Da assistiert ihm Hasan, ein Augenzeuge, der gerade Obst und Gemüse in Säcke packt. Er schildert die Szene etwas anders als Ilker: "Polizisten haben dem Mann gesagt, er soll die Hände auf das Autodach legen. Das hat er nicht gemacht. Dann haben ihn zwei Beamte auf den Boden gedrückt. Der Mann ist auf dem Bauch gelegen, die Polizisten haben ihm Handschellen angelegt."

Da meldet sich Musa zu Wort, der neben ihm steht: Ja, nach der Verhaftung habe der Mann etwas gerufen. Ob er es verstanden habe? "Ich glaube, er hat ’Allahu akbar’ gerufen", erwidert er.

Dennoch betont Hasan mehrmals, er glaube, es habe sich eher um einen verwirrten Einzeltäter, und nicht um einen Terroristen gehandelt. "Mich stört, dass es immer sofort heißt, es handelt sich um Terror. Das glaube ich nicht. Wir sind hier ja nicht in Paris oder Brüssel."

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