Shiba-Inu-Hündin Yuki (re.) hat’s eilig, wenn sie den Postler sieht

© KURIER/Michaela Reibenwein

Reportage
05/03/2015

Leckerli-Offensive: Die Post bringt allen was

Briefträger Martin Sigl ist Hundeliebhaber – und hat in seinem Rayon viele vierbeinigen Freunde.

von Michaela Reibenwein

Für Martin Sigl ist es ein Heimspiel: Sein Rayon ist Hadersdorf in Wien-Penzing. Ein grünes Fleckerl Wien, angrenzend an den Wienerwald. "Glaubt man gar nicht, dass das hier Wien ist, gell", stellt er fest. Hier ist Sigl aufgewachsen. Hier dreht er täglich seit 1991 seine Runden als Postler. 8,2 Kilometer sind es zu Fuß. Er kennt hier jeden. Und jeder kennt ihn. Auch die geschätzten 55 Hunde des Grätzels. Denn der Briefträger bringt nicht nur die Post. Er hat auch immer etwas für die Hunde dabei.

47-mal zugebissen

Seit wenigen Tagen werden die Postler des Landes ganz offiziell mit Leckerlis für Hunde versorgt. Im Rahmen einer Kooperation mit dem Tierbedarfsmarkt Fressnapf sollen die rund 9000 Zusteller künftig die besten Freunde der Hunde werden. Was bisher nicht immer so war. 47 Postler wurden im vergangenen Jahr von Hunden gebissen. Die Aktion beruht auf Freiwilligkeit der Zusteller.

Sigl hat bereits seinen fixen, vierbeinigen Fanclub. Shiba-Inu-Hündin Yuki sieht den 50-Jährigen bereits von Weitem und zieht an der Leine. Spazierengehen ist plötzlich gar nicht mehr interessant. Sigl greift in seine Tasche und zaubert ein Leckerli heraus. "Schlimm ist es, wenn er auf Urlaub ist und eine Vertretung kommt. Dann ist der Hund ganz enttäuscht", lacht Besitzerin Tanja Tuschkany.

Ein paar Häuser weiter wird der Briefträger auch schon erwartet – von den Border Collies Holly und James. "Ja ja, die stehen immer schon beim Zaun", stellt Sigl fest. Er öffnet die Gartentür, die Hunde laufen auf ihn zu und schlecken Sigl ab. "So liab", sagt er und belohnt sie.

Gebissen worden ist Sigl noch nie. "Einmal hat’s ein Hund probiert. Der ist gleich auf mich losgelaufen. Aber dann hat er die Leckerlis in meiner Tasche gerochen und hat sich für das Futter niedergesetzt", erinnert er sich. Leckerlis machen Freunde.

Die Hundebesitzer freuen sich mit. So wie Ernestine Bauer, die einen großen, irischen Wolfshund besitzt. Die Warnung steht schon am Tor: "Achtung Hund". Joice ist allerdings die Ruhe im Hund. Während Joice gefüttert wird, wechselt der Postler ein paar Worte mit der Besitzerin. Gesprächsthema: Der Hund. Der hat nämlich ein Knieproblem. "Ist ja schon eine ältere Dame", sagt Bauer über Joice. "Die großen sind ja harmlos. Die kleinen Hunde, das sind die Zwicker."

Auf Diät

"Da sollst weiterkommen. So geht’s den ganzen Tag", lacht Sigl. Redefreudige Menschen und schwanzwedelnde Hunde halten ihn auf seiner Tour laufend auf. Dafür kennt er die aktuellen Geschichten und Schicksale und sogar die Unverträglichkeiten der Tiere. "Ein Hund hat eine Allergie. Der kriegt nur die hellen Leckerlis. Die sind mit Pute. Die darf er fressen, die verträgt er."

Der nächste Hund läuft zum Tor. Sigl geht in die Knie, verteilt das nächste Leckerli. "Zwei sind genug", sagt der Besitzer. "Wir sind gerade beim Abnehmen. 20 Deka haben wir schon geschafft." "Tut mir leid, mehr gibt’s nicht", entschuldigt sich der Postler lachend beim bellenden Hund.

Nicht jeder Zusteller legt so viele Zwischenstopps ein. "Es gibt schon mehrere Postler, die füttern. Aber es gibt auch viele Kollegen, die Hunde nicht wollen. Wenn einer Angst hat, spüren das die Tiere", sagt Sigl.

Privat hat er übrigens keine Hunde. "Meine Frau hat leider Angst vor ihnen", erzählt er. Dafür hat er zwei Katzen. Und eine von ihnen reagiert auf sein Pfeifen. "Ein Mal pfeifen – und am nächsten Tag bringt der Kater eine Maus", schildert er. Seither hat Sigl daheim Pfeifverbot.

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