© Reinhard Vogel

Chronik Wien
08/16/2021

Kriminelle Machenschaften: 90 Millionen zerplatzte Träume

1.000 Anleger bangen um ihr investiertes Geld. Darunter nicht nur gut betuchte Ärzte und Unternehmer

von Michaela Reibenwein

Die Versprechungen klangen verlockend: Renditen von sieben Prozent oder mehr, dazu eine sichere Veranlagung. Hunderte Österreicher vertrauten ihr Geld der Schilling-Gruppe an. Und wurden bitter enttäuscht.

Vor Kurzem wurde der 64-jährige Vermögensberater, der hinter all dem stecken soll, zu einer teilbedingten Strafe wegen Untreue zu 30 Monaten verurteilt. Der Schaden soll sich auf insgesamt 90 Millionen Euro belaufen.

Teures Erbe

Es sind nicht nur gut betuchte Ärzte und Unternehmer, die ihr Erspartes verloren haben. Auch der 60-jährige Herr S. ist darunter. Er ist arbeitslos. „Mein Vater war vermögend. Er hat damals 300.000 Euro bei der Schilling-Gruppe veranlagt“, erzählt der Wiener. Als der Vater starb, bekam Herr S. als Erbe eine Vermögensübersicht – und da schien auch das Investment auf. „Ich wollte, dass mir das Geld ausgezahlt wird. Aber ich bin immer vertröstet worden“, erzählt er. Bis zuletzt sah er keinen Euro.

Und dann bekam er auch noch Post vom Finanzamt, das für das Erbe einen sechsstelligen Euro-Betrag einforderte.

Beteiligungen nichts wert

„Ein Dilemma“, sagt Rechtsanwalt Georg Kudrna, der Herrn S. vertritt. „Die Beteiligungen sind zu einem wesentlichen Teil offenbar nichts mehr wert. Die Forderungen treffen trotzdem den Erben. Das Steuerverfahren hängt jahrelang wie ein Damoklesschwert über meinem Mandanten.“

Auch Herr L., ein 67-jähriger Techniker, hat eine dreistellige Summe investiert. „Es hat mir gefallen, Forscher und Wissenschafter zu unterstützen und in ihre Betriebe zu investieren.“ Und schließlich lohnte sich das Modell eine zeitlang für ihn. Doch jetzt ist auch er mit Forderungen des Finanzamtes konfrontiert.

Warten auf Geld

Rund 1.000 Anleger haben der Schilling-Gruppe Geld anvertraut. 400 haben bis dato ihre Ansprüche im Insolvenzverfahren geltend gemacht, rund 200 Geschädigte vertritt Anwalt Kudrna. „Schilling galt damals als seriöse Firma. Das Modell hat auch lange funktioniert“, sagt er. Doch um das Jahr 2000 herum flocht der Vermögensberater ein undurchsichtiges Firmengeflecht mit Investment-Projekten in Immobilien, Pharmafirmen und Hightech. Und irgendwann mussten die Anleger immer länger auf ihr Geld warten. „Loch auf, Loch zu“, nannte es der Staatsanwalt.

Und schließlich war das Geld ganz weg. Wohin es geflossen ist, konnte bis jetzt nicht geklärt werden. 2016 begann das erste Ermittlungsverfahren, zwei Jahre später meldeten sich immer mehr Anleger, 2019 fiel das Kartenhaus zusammen. 2020 wurde ein Insolvenzverfahren eingeleitet. „Wie gibt es das alles ohne Kontrolle?“, fragt sich Anwalt Kudrna.

Dahinter soll ein einziger Mann stehen. Der 64-jährige Vermögensberater, ein Eisenbahner aus Tirol, der als äußerst wortgewandt und charismatisch beschrieben wird, bestreitet, sich bereichert zu haben. Er konnte das Gefängnis schon wieder verlassen.

Retten, was zu retten ist

Für die Anleger geht der Kampf um ihr Geld weiter. „Bei manchen beträgt der Schaden 5.000 Euro, bei anderen geht es um Millionen. Es sind auch Fälle darunter, da geht es um die gesamte Pensionsvorsorge“, schildert Kudrna. „Wir wollen retten, was noch zu retten ist.“

Strafrechtlich ist die Causa Schilling noch lange nicht zu Ende. Bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sind weitere Ermittlungsverfahren anhängig. Mit weiteren Anklagen ist zeitnah zu rechnen.

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