Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern bei der Regenbogenparade

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Chronik | Wien
06/19/2016

"Ich bin auf der Regenbogenparade, na und? Es ist 2016"

Christian Kern ist als erster Bundeskanzler bei der Regenbogenparade aufgetreten und hielt eine Rede.

"Mein Name ist Christian Kern. Ich bin hier, um mit euch für Toleranz und Vielfalt einzutreten", sagte Christian Kern (SPÖ) bei der Abschlussfeier im Votivpark. Der SPÖ-Chef ist am Samstagabend als erster Regierungschef bei der Regenbogenparade aufgetreten, wo er betonte, gemeinsam mit der Community für die Gleichstellung von Homosexuellen eintreten zu werden.

"Für mich ist es beschämend, dass wir heute keine vollständige Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in Österreich haben", sagte Kern. "Ich kann euch versprechen, in mir habt ihr einen Bündnispartner, wir werden alles daran setzen, dass dieser elende Zustand endlich aufhört."

"Finally a fabulous Kanzler"

Das Publikum dankte ihm für seine Wort mit "Feel the Kern"-Rufen und starkem Applaus. "Finally a fabulous Kanzler", freute sich ein Fan auf einem Plakat. "Ihr seid laut und bunt und niemand kann euch überhören und niemand kann euch übersehen", rief Kern ins Publikum, das ihn mit großem Jubel und Applaus empfangen hatte. "Ja ich bin der Bundeskanzler und ich bin auf der Regenbogenparade, aber na und? Mein Gott, es ist 2016 und die Zeit dafür war überreif." Auch das Attentat von Orlando sprach Kern an: Dieses sei "ein feiger Mord, der uns daran erinnern soll, was unser gemeinsamer Feind ist, nämlich Hass, Intoleranz und Gewalt", sagte Kern.

Zuvor hatte sich der designierte Präsident des Bundesrats, Mario Lindner (SPÖ), im Rahmen der Abschlussveranstaltung auf der Bühne geoutet: "Ich werde in einigen Tagen zum Präsident des Bundesrats ernannt, ich werde in dieser Funktion den neuen Bundespräsidenten angeloben und ich bin schwul", sagte er. Im Jahr 2016 sollte das eigentlich keine Sache mehr sein, die man extra betonen muss, meinte er. "Heute sollte kein Mann und keine Frau Angst vor Diskriminierung und Mobbing haben müssen."

Auch die Grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, SPÖ-Bezirksvorsteher Markus Rumelhart, NEOS-Chef Matthias Strolz und die Wiener NEOS-Vorsitzende Beate Meinl-Reisinger sowie der Grüne Landtagsabgeordnete Peter Kraus wandten sich in Ansprachen gegen Diskriminierung und forderten Toleranz und gleiche Rechte. Thema der Reden war auch das Attentat: "Ich weiß, dass sich viele nicht leicht getan haben, heute mitzugehen. Das Attentat in Orlando hat die Community ins Herz getroffen. Es hat sie verletzt, aber es hat sie nicht aufgehalten", betonte Vassilakou. "Wir werden nicht aufhören, für gleiche Rechte zu kämpfen. Wir wollen, dass Lesben und Schwule endlich heiraten dürfen, sollen sie doch dieselben Fehler machen dürfen, wenn sie verliebt sind, wie Heteros", so Vassilakou.

Christliche Gemeinden als Anker

Die Regenbogenparade endete mit Bands, DJs und den Ansprachen der Politiker bei der finalen "Celebration" im "Regenbogenpark" im Votivpark. Bis 22.00 Uhr wird auf der Bühne noch Programm geboten. Beim ebenfalls am Samstag in der Wiener Innenstadt stattgefundenen "Marsch für Jesus" hatten zuvor unter anderem der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn sowie Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) teilgenommen.

Dieser dankte den christlichen Kirchen für ihr Engagement und unterstrich ihren Beitrag in der Asylhilfe und Integration. "Gerade die christlichen Gemeinden sind jene, die für die neu Ankommenden einen Anker darstellen und einen Ort der Geborgenheit bieten und dazu beitragen, dass diese Menschen in die Gesellschaft hineinfinden", betonte Kurz laut Kathpress.

Impressionen von der Regenbogenparade