Regenbogenparade 2016

© KURIER/Franz Gruber

Regenbogenparade
06/18/2016

"Keine Angst" trotz Orlando

Gäste der Regenbogenparade zeigten sich stolz, mutig und in prachtvollen Kostümen.

von Johanna Kreid

"Solidarität mit Orlando" lautete das offizielle Motto der Regenbogenparade 2016. Oder, wie es viele Besucher ausdrücken: "Jetzt erst recht". "Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen, und wir dürfen dem Terror keine Macht über uns geben", betont Dominik, der mit mehreren Freunden im Votivpark sowohl eine Regenbogenfahne, als auch eine EU-Fahne gehisst hat: "Wir wollen damit zeigen, dass wir in Europa alle zusammengehören und eine riesengroße Gemeinschaft sind."

Seit 1996 findet das kunterbunte Spektakel in Wien statt: Jedes Jahr ziehen 100.000 Menschen gemeinsam über die Ringstraße, um gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgenderpersonen öffentlich Stellung zu beziehen. Erstmals trat mit Christian Kern heuer übrigens auch der Bundeskanzler bei dieser Veranstaltung ans Rednerpult (siehe Seite 4).

Die Bluttat von Orlando erschütterte freilich viele der Teilnehmer der Parade. Im Votivpark wurde eigens eine Gedenkecke für die Opfer errichtet: Menschen zünden Kerzen an, bringen Blumen mit, legen handgeschrieben Botschaften auf den Boden. "Liebe ist stärker", macht das Plakat dahinter Mut.

Schock in Community

"Sie können sich nicht vorstellen, was dieses Verbrechen bei vielen Menschen in der Community ausgelöst hat", schildert Christian Högl, der Verantwortliche für die Regenbogenparade. "Viele beginnen noch immer zu weinen, wenn sie darüber sprechen." Möglicherweise halte das Verbrechen den einen oder anderen gar davon ab, zu der Veranstaltung zu kommen. Er selbst wolle sich aber keinesfalls einschüchtern lassen: "Sollen wir uns etwa in unserer Freiheit einschränken lassen? Nein, wir treten jetzt erst recht für unsere Rechte ein."

Er könne aber auch die emotionalen Reaktionen vieler Menschen aus der Community verstehen, sagt Högl. Denn Schwulenclubs, wie das "Pulse" in Orlando, hätten eine wichtige Bedeutung in der Szene: "In diesen Räumen dürfen wir wir selbst sein. Sogar wenn ich in eine fremde Stadt reise, weiß ich: In diesen Clubs sind meine Freunde, dort ist meine Familie."

Ein Raum, wo man sein darf, wie man will: An diesem sonnigen Samstagnachmittag ist das auch die Ringstraße. Von allen Seiten ertönt Musik, es duftet nach Essen, und die Besucher präsentieren sich in ihren farbenprächtigsten Kostümen.

Simon und Klaus sind extra aus Linz angereist. Von Kopf bis Fuß bunt bemalt, sind sie sozusagen als menschliche Regenbogenfahnen unterwegs. "Es ist genial und lustig hier", freuen sie sich. "Wir kommen her, weil wir zeigen wollen, dass alle Menschen gleich sind und zusammenhalten sollen." Ob sie Angst haben, dass es auch in Wien einen Anschlag geben könnte? "Nein, überhaupt nicht", erwidern sie. Und auch sie halten sich an das inoffizielle Veranstaltungsmotto: "Jetzt feiern wir erst recht."

Und auch Dominik und seine Freunde Georg, Jürgen, Sophie und Susanne, die mit EU-Fahne und Regenbogenfahne im Votivpark sitzen, wollen ohne Wenn und Aber öffentlich für ihre Ziele eintreten: "Man darf keine Angst haben. Und es tut ja niemandem weh, wenn Homosexuelle heiraten dürfen."

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