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Chronik Wien
07/20/2021

Eine Wiese, über die man kaiserlich streitet

Kaum ist das Nachfolgeprojekt der "Wiener Wiesn" bekannt, kochen alte Konflikte um den beliebten Grünraum am Tor zum Prater hoch.

von Andreas Puschautz

Grünraum oder Veranstaltungsfläche? An dieser Frage scheiden sich auf der Kaiserwiese seit Jahren die Geister. 2020 blieb es mangels Veranstaltungen ruhig um die öffentliche Freifläche zwischen Praterstern, Hauptallee und Ausstellungsstraße. Doch jetzt entzündet sich der Konflikt von Neuem.

Nachdem der KURIER im Juni berichtet hatte, dass der Vertrag mit dem Bier- und Schunkelfest „Wiener Wiesn“ nach zehn Jahren gekündigt wurde, trat am vergangenen Donnerstag ein neues Event auf den Plan. Ein Event mit auffällig ähnlichem Namen: Von 23. September bis 10. Oktober wird die „Kaiserwiesn“ abgehalten.

Wobei das neue Team rund um den früheren Donauinselfest-Organisator Thomas Waldner schon vorab versucht, sich vom umstrittenen Vorgängerprojekt abzugrenzen: „Regionalität, Nachhaltigkeit, Diversität und Förderung der heimischen Kulturszene“ sollen im Vordergrund stehen. Details werden jedoch erst im August bekannt gegeben.

Öffentlicher Raum

Die Bürgerinitiative „Kaiserwiese für alle“ zweifelt unterdessen an der versprochenen Nachhaltigkeit. Seit Jahren kämpfen Anrainer gegen die Kommerzialisierung der Fläche. Diese sei wegen diverser Events jedes Jahr „über Monate“ nicht frei zugänglich, zudem hätten Wiese und Bäume durch schwere Fahrzeuge, Ablagerungen und Befestigungen immer wieder enorm gelitten.

Für die „Wiener Wiesn“ hatte die Initiative zuletzt ein Baumschutzkonzept erkämpft, das man nun in Gefahr sieht. Man wisse ja schließlich nicht, ob der neue Veranstalter auch an diese Regeln gebunden werde, sagt Sprecher Eric Kläring.

Das vom Team Waldners angekündigte „harmonische Miteinander“ durch „intensive“ Einbindung der Anrainer in die Planung hält Kläring außerdem für Augenauswischerei. Bisher habe sich niemand gemeldet, von der „Kaiserwiesn“ habe man nur durch Zufall erfahren, erzählt er. Darum wendet sich die Initiative nun per offenem Brief an die Leopoldstädter Bezirksvorstehung und den zuständigen Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ), um Fragen wie jene nach einem Baumschutzkonzept oder nach der angekündigten Bürgereinbindung zu klären.

Komplexe Zuständigkeit

Im Büro von Bezirksvorsteher Alexander Nikolai (SPÖ) wird betont, man habe bei der Prater Wien GmbH auf Verbesserungen für Anrainer und auf den Baumschutz gepocht, zuständig sei aber besagte GmbH. Diese – eine Tochter der Stadt – hat die Nutzungsrechte an der Kaiserwiese vom Stadtgartenamt abgetreten bekommen und kümmert sich um die Verpachtung.

Gemäß einer im Jahr 2015 zwischen Bezirk und GmbH geschlossenen Vereinbarung sind die Tage mit Veranstaltungen auf 60 limitiert. Doch das werde nicht eingehalten, kritisieren die Anrainer.

Bei der Prater Wien GmbH widerspricht man: „Selbstverständlich“ halte man sich an dieses Übereinkommen. Zudem seien der Baumschutz sowie die Schonung und Wiederherstellung der Wiese „auch für uns einer der wichtigsten Punkte“, heißt es gegenüber dem KURIER. Eine Abstimmung mit Bezirk und Anrainern sei darüber hinaus in Planung.

Kleinerer Rahmen

Und auch Veranstalter Waldner ist bemüht, zu kalmieren. Umwelt- und Naturschutz seien dem Team „ein großes Anliegen und Teil des Veranstaltungskonzepts“. Man setze auf konstruktiven Dialog und werde das detaillierte Konzept auf Wunsch „gerne der Bürgerinitiative gemeinsam mit der Bezirksverwaltung präsentieren“.

Zu guter Letzt betont Waldner, in diesem Jahr nur die Fläche zwischen Riesenrad und Planetarium zu bespielen. 2022 will man dann in größerem Rahmen durchstarten. Waldner: „Mit dem kleineren Start zeigen wir unsere Wertschätzung für den öffentlichen Raum und nutzen trotz größerer Möglichkeiten nur die minimal benötigte Fläche.“

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