Judith Pühringer kommt mit dem Fahrrad zum Interview.

© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Wien
08/12/2020

Judith Pühringer: „Autofreie City ist Vorbild für andere Räume in Wien“

Die Quereinsteigerin bei den Wiener Grünen über Gerechtigkeit im öffentlichen Raum – und auf dem Arbeitsmarkt.

von Stefanie Rachbauer

Judith Pühringer ist erst knapp ein halbes Jahr bei den Wiener Grünen. Sie verhält sich aber bereits genau so, wie das von Vertretern dieser Partei gemeinhin erwartet wird: Zum KURIER-Interview in der Pop-up-Redaktion auf der Mariahilfer Straße kommt die Drittgereihte auf der Liste für die Gemeinderatswahl mit dem Vintage-Fahrrad.

Und sie beginnt sogleich zu schwärmen: „Bis vor Kurzem war es undenkbar, dass hier keine Autos fahren. Heute kann sich niemand mehr vorstellen, dass es einmal anders als jetzt war.“

Diese Logik gelte auch für aktuelle kontroversielle Verkehrsprojekte der Grünen – zum Beispiel für den Pop-up-Pool auf der Gürtelkreuzung beim Westbahnhof und für das geplante Fahrverbot in der Wiener Innenstadt.

„Wenn wir es ernst meinen, dass wir die Klimakrise bewältigen wollen, dann wird es große Veränderungen geben müssen. Wir zeigen an verschiedenen Stellen in der Stadt, wie es anders gehen kann“, sagt Pühringer.

Das geplante Fahrverbot in der Innenstadt werde „Vorbildcharakter für andere Räume in Wien“ haben, zeigt sie sich überzeugt. „Die autofreie Innenstadt ist ein mutiges und innovatives Projekt. Es geht um eine gerechtere Verteilung von Platz.“

Neue Jobs in Umweltbranche

Gerechtigkeit, so Pühringer, die sei auch am Arbeitsmarkt nötig – womit die Quereinsteigerin bei ihrem Spezialgebiet angelangt ist. Pühringer hat in den vergangenen Jahren mit sozialen Unternehmen gearbeitet, die langzeitarbeitslose Menschen beschäftigen und beraten.

„Frauen sind am Arbeitsmarkt durchgängig diskriminiert. Alles, was wir jetzt in den Arbeitsmarkt investieren, muss dafür sorgen, dass Frauen gleiche Bedingungen vorfinden“, sagt sie.

Um einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit durch die Corona-Krise zu verhindern, brauche es ein großes Arbeitsmarkt-Paket. „Wir benötigen Angebote zur Aus- und Weiterbildung, damit sich Menschen neu qualifizieren können – etwa im Klima- und Umweltbereich“, sagt Pühringer.

Mit zusätzlichen Jobs in diesen Branchen könne es gelingen, das Auslaufen der Kurzarbeit im Herbst abzufedern: „Klimaschutz und Arbeitsplatzsicherung können so klug miteinander verbunden werden.“

"Ein Schritt nach anderem"

Über etwaige Funktionen, die sie nach der Wahl im Oktober übernehmen könnte, will Pühringer übrigens nicht spekulieren. Laut aktuellen Umfragen ginge sich für die Grünen ein zweiter Stadtratsposten aus. Doch Pühringer winkt (noch) ab: „Ein Schritt nach dem anderen.“

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