Josefstadt: Das ewige Match zwischen Grünen und ÖVP

Bezirksvorsteher Martin Fabisch (Grüne)
Drei Mal schon hat der 8. Bezirk zwischen ÖVP und Grünen gewechselt. Am Sonntag zogen die Grünen wieder an der ÖVP vorbei.

Ein knappes Rennen sind die Josefstädter gewohnt.

Das war 2005 so, als zum ersten Mal ein Grüner den Bezirk holen konnte. Das war 2010 so, als sich die Grünen im 8. Bezirk zerstritten hatten und Veronika Mickel den Bezirk für die ÖVP eroberte. Das war 2015 so, als Mickel erneut die Wahl für sich entschied. Und das war vergangenen Sonntag so, als die Grünen den Bezirk wieder zurückeroberten.

2005 kam die Liste PRO (die später in der ÖVP aufging) bei ihrem ersten Antritt auf 29 Prozent der Stimmen; die Grünen auf 32,26 Prozent. Mit Heribert Rahdjian wurde erstmals ein Grüner Bezirkschef in der Josefstadt. Seit 1945 war sie stets schwarz regiert gewesen.

Doch Rahdjian zerstritt sich mit den Grünen, trat mit eigener Liste an und ebnete so 2010 Veronika Mickel-Göttfert den Weg in die Bezirksvorstehung: Mit seiner Liste ECHT kam Rahdjian auf 11,63 Prozent der Stimmen, die Grünen verloren 8,08 Prozentpunkte und hielten bei 24,23 Prozent. Und die ÖVP? Die zog vorbei, mit 27,53 Prozent.

Josefstadt: Das ewige Match zwischen Grünen und ÖVP

Veronika Mickel-Göttfert (ÖVP) gewann den Bezirk 2010. Jetzt muss sie gehen.

2015 gewann die ÖVP erneut unter Mickel-Göttfert. 30,55 Prozent der Stimmen entfielen auf die Schwarzen. Die Grünen allerdings saßen ihnen auch damals schon im Nacken: Sie holten auf und landeten bei 27,22 Prozent.

2020 trennen Grüne und ÖVP nur drei Prozentpunkte (s. Grafik). 30,55 Prozent erreicht die ÖVP, die Grünen schaffen 33,59. Veronika Mickel-Göttfert muss nun den Platz im Bezirksamt am Schlesinger Platz räumen. Dort zieht bald Martin Fabisch ein, der neue Bezirksvorsteher.

Gescheitert ist Mickel an den EU-Bürgern, bei ihnen geriet sie so stark „ins Hintertreffen“ sagt Mickel, dass sie verloren habe. Nun will sie aufarbeiten, wie das passieren konnte.

Grün und grüner

Dass das Match zwischen ÖVP und Grünen so oft so knapp ist, ist wenig überraschend. Die Josefstadt ist einer der am dichtesten verbauten Bezirke Wiens, dort ziehen grüne Themen. Mickels Politik war von der einer Grünen zuletzt nicht sehr zu unterscheiden. Sie schuf E-Tankstellen, machte private Grünflächen für die Öffentlichkeit zugänglich und setzte die Begegnungszone in der Lange Gasse – ein von den Grünen forciertes Projekt – mit um.

Wer so bei den Grünen wildert, der rutsche letztlich aus, ist Mickels Nachfolger Fabisch überzeugt: „Die Wähler sind zum Schmied gegangen, nicht zum Schmiedl.“ Er punktete offenbar mit seinem Plan, die Josefstädter Straße in eine Begegnungszone umzubauen.

Mit dem Wahlsieg der Grünen ändert sich auch die Mandatsverteilung im Bezirksparlament: Bisher entfielen 13 Sitze auf die ÖVP und 12 auf die Grünen. Nun bekommen die Grünen 14, die ÖVP 13.

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