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Chronik Wien
01/28/2022

Höhere Sterberate im Vorjahr ist nicht allein mit Covid-Toten erklärbar

Wiener Bevölkerungsstatistik liefert überraschende Details. Kollateralschäden der Pandemie als möglicher Faktor.

von Josef Gebhard

Mit überraschenden Daten zur Covid-Pandemie wartet die Wiener Bevölkerungsstatistik für das Jahr 2021 auf. Das betrifft vor allem die Übersterblichkeit. Also die Zahl der Sterbefälle, die über dem statistisch erwartbaren Wert liegt.

Wie 2020 lag auch im zweiten Jahr der Pandemie die Übersterblichkeit in Wien (ähnlich wie im gesamten Österreich) bei rund neun Prozent, geht aus den aktuellen Zahlen der MA 23 (Landesstatistik) hervor. In absoluten Zahlen bedeutet das, dass in Wien 3.000 Personen mehr verstarben als erwartbar (Österreich 15.000 mehr). Und das, obwohl 2021 bereits eine Impfung vorhanden war. Die Experten der MA 23 vermuten als Grund, dass es Jahr 2021 zwei größere Corona-Wellen gab, während es 2020 nur eine war.

Ins Spiel kommt aber ein weiterer Faktor, der noch für Diskussionen sorgen wird: Ab dem Sommer 2021 sind anhaltend erhöhte Sterbezahlen zu verzeichnen, die nicht direkt auf Corona zurückzuführen sind. „Waren 2020 noch 75 Prozent der Übersterblichkeit auf die Corona-Toten zurückzuführen, waren es im Vorjahr nur mehr unter 50 Prozent“, sagt Landesstatistiker Ramon Bauer. Ein Trend, der auch in anderen Ländern zu beobachten sei.

Mögliche Erklärung

Erklärung gebe es keine, sondern nur Hypothesen, betont er. Ein möglicher Faktor seien Kollateralschäden der Pandemie. Patienten mit anderen Erkrankungen zum Beispiel, die starben, weil sie wegen der Lockdowns keine ausreichende Behandlung bekommen haben. Eine Rolle könnte laut Bauer auch eine Änderung der statistischen Erfassung der Covid-Toten seit Sommer 2021 sein (geimpfte Verstorbene wurden weniger getestet). Letztlich könnten auch Fehler in den statistischen Modellen die mögliche Ursache sein.

Verglichen mit den anderen Sterbefällen sind die Covid-Toten eher älter (Durchschnittsalter 81,6 Jahre), leicht häufiger männlich sowie häufiger im Ausland geboren. Überrepräsentiert sind dabei vor allem Persinen, die aus der Türkei, Serbien und Bosnien-Herzegowina stammen.

Hinsichtlich Übersterblichkeit während der Pandemie liegt Wien im europaweiten Mittelfeld. Deutlich stärker betroffen sind vor allem die Städte Ost- und Südeuropas.

Wiens Bevölkerung wächst weiter

Die Bevölkerung Wiens wuchs im Vorjahr aber trotz Pandemie um 13.900 Einwohner. Das ist ein Plus von 0,7 Prozent, was das stärkste Wachstum seit 2017 bedeutet. Insgesamt lebten am 1. Jänner 2022 rund 1.935.000 in der Stadt. 2027 soll die Zwei-Millionen-Grenze überschritten werden, diese Prognose bleibt weiterhin aufrecht.

Der Großteil des Zuwachses entfällt auf eine positive Wanderungsbilanz, die mit einem Plus von 12.400 deutlich höher ausfällt als 2020 (+8.503). Sie liegt aber deutlich unter dem Jahresschnitt 2011-2020 (+18.786). Wie in den vergangenen Jahren kommen die meisten Einwanderer aus Syrien, gefolgt von Deutschland, Afghanistan und Rumänien.

Bezirke

Auf die Entwicklung in den Bezirken folgt dem langjährigen Trend. Den größten Zuwachs erleben die Flächenbezirke. Spitzenreiter war Liesing mit einem Bevölkerungsplus von 3,1 Prozent, gefolgt von der Donaustadt (2,6%) und Floridsdorf (+2,5%). Leicht schrumpfen hingegen die Bezirke im Zentrum und im Westen. Allen voran die Innere Stadt (-0,9 %), Margareten (-0,9 %) und die Brigittenau (-0,9 %). Vereinfacht lässt sich sagen: Wo mehr gebaut wird, gibt es auch mehr Zuzug.   

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