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Chronik Österreich
11/20/2021

Corona: Mehr als Hälfte der Patienten stirbt auf Normalstation

Bei den Neuinfektionen geht es laut GÖG-Geschäftsführer nun darum, "in nachhaltige Größenordnungen zu kommen". Das sei erst bei rund 3.000 Neuinfektionen am Tag der Fall.

von Karl Oberascher

Am 12. März 2020 starb der erste Mensch in Österreich im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung. Mehr als eineinhalb Jahre später haben die Behörden inzwischen 11.951 Todesfälle registriert.

Aktuell ist wieder von einer leichten Übersterblichkeit auszugehen, wie folgende Grafik zeigt:

Die Mehrheit der Patientinnen und Patienten ist dabei aber nicht auf der Intensivstation gestorben, sondern auf einer Normalstation. Das zeigen die neuesten Daten der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG).

Warum sterben aber so viele Menschen auf der Normalstation? Ist das vielleicht bereits ein Hinweis auf ein Überlastung auf den Intensivstationen?

Nein, jedenfalls nicht über den gesamten Zeitraum der Pandemie gesehen. So absurd es klingen mag, aber der Grund liegt vielmehr an der körperlichen Verfassung der Patienten, die - etwa aufgrund des Alters - eine Intensivbehandlung nicht mehr zumutbar macht. Zudem kann eine solche Behandlung durch eine Patientenverfügung abgelehnt werden.

Herwig Ostermann, Geschäftsführer der GÖG, wies im Ö1-„Morgenjournal“ am Samstag aber auch darauf hin, dass in der bisher stärksten zweiten Welle im Herbst 2020 „das Regime in der Aufnahme etwas selektiver wurde“.

Es wurde also strenger darauf geachtet, wer wirklich ein Intensivbett benötigt. Damals lag die Zahl der Corona-Todesfälle in Österreich auch deutlich über dem EU-Schnitt, geht aus den Daten des Forschungsinstituts hervor. 

Experte: Zehn Prozent Intensiv-Auslastung schon sehr viel

Die kritische Auslastungsgrenze der Intensivstationen mit Covid-Patienten in Österreich ist derzeit mit 33 Prozent der Betten festgelegt.

Für Ostermann ein „hoher Wert". Mehr als zehn Prozent sollten es nicht werden. Alles, was darüber hinausgeht, würde bereits auch das Normalprogramm beeinflussen. In Oberösterreich etwa wurde in den vergangenen Wochen bereits jede dritte planbare Operation verschoben. In Salzburg wurde bereits ein eigenes Triage-Team aktiviert, auch Hochrisiko-Krebspatienten müssen auf OPs warten. 

Welchen Beitrag hier der aktuelle Lockdown, der ab Montag gilt, leisten kann?

Die Forscher der GÖG haben modelliert, dass das Gesundheitssystem maximal 10.000 Neuinfektionen pro Tag über zwei Wochen stemmen kann. Aktuell liegt dieser Wert im 7-Tages-Schnitt bei über 13.000.

Voraussetzung für den Wert von 10.000 wäre allerdings, dass die Neuinfektionen gleichmäßig über Österreich verteilt wären, was aktuell nicht der Fall ist.

Öffnen erst wieder bei rund 3.000 Neuinfektionen?

Die Experten des Covid-19-Prognose-Konsortium rechnen damit, dass im schlimmsten Fall in einer Woche rund 900 Covid-Patienten auf Intensivstationen liegen könnten – Lockdown hin oder her, schlagen die Neuinfektionszahlen doch erst mit rund zehn bis 20-tägiger Verspätung auf die Spitäler durch. Von 10.000 Erkrankten landen rund 50 bis 100 auf einer Intensivstation.

Bei den Neuinfektionen und Hospitalisierungen gelte als Zielsetzung daher, "in nachhaltige Größenordnungen zu kommen", so Ostermann im Ö1-Morgenjournal. Er spricht von 2000 bis 3000 Neuinfektionen am Tag.

Impfung zu 93 Prozent wirksam

Die GÖG hat zudem die Daten zu Impfdurchbrüchen bei der Risikogruppe der Über-60-Jährigen ausgewertet. "Wir haben mit unseren Daten berechnet, dass die Impfung einen Schutz vor Hospitalisierung auf Intensivstationen von rund 93 Prozent aufweist", so der GÖG-Geschäftsführer.

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