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Express-Poolbefüllung per Hydrant? Wie es in Wien funktioniert, wie viel es kostet

Die 13.000 städtischen Hydranten dienen längst nicht mehr nur der Feuerbekämpfung: Wer sie aller anzapfen darf und wie teuer das kostbare Nass ist.
Ein Mädchen befüllt einen Pool.

Neulich im Neunten: Der Mitarbeiter einer Reinigungsfirma sieht sich kurz im Straßenraum um, ehe er ein paar flotte Schritte tut: Schon nach einigen gekonnten Handgriffen sprudelt frisches Wasser aus seinem Schlauch. Warum Wasser zur Reinigung selber mitführen, wenn eh der nächste Hydrant gleich ums Eck angezapft werden kann?, mag sich der Fassadenreiniger gedacht haben. Und der Beobachter fragt sich auf gut Wienerisch: „Ja, dürfen s’ denn des?“

Vorweg: Ja, sie dürfen. Aber nur, wenn „sie“ – also Private oder Firmen – vorher bei Wiener Wasser (MA 31) um Erlaubnis angesucht haben und für die Wasserentnahme auch entsprechend zahlen. Und eines gilt noch: In Zeiten von Hitzetagen und Tropennächten dienen die 13.000 über das Stadtgebiet verstreuten Hydranten längst nicht mehr bloß ihrem eigentlichen Zweck – der Brandbekämpfung –, sondern die Aufgabenfelder werden immer größer und vielfältiger.

Nachfolgend ein Überblick über die Nutzung der urbanen Wasserlöcher – und ob dort auch das Geld sprudelt:

Dreh und Trink 

Längst im Stadtbild etabliert sind die vielen Trinkbrunnen und Nebelduschen, die – Letztere nicht zu jedermanns Freude – kühles Hochquell-Nass gratis verteilen. Beides – die Sprühstelen namens Sommerspritzer und die Trinkstationen Brunnhilde – werden aus Wiener Hydranten gespeist. Von beiden zusammen gibt es rund 175 Stück im urbanen Bereich. Zusätzlich löschen noch rund 1.600 Hydranten-ähnliche Trinkbrunnen durstige Kehlen – insbesondere bei 40 Grad im Schatten.

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Wiener Wasserstelle namens Brunnhilde: In dieser Konstruktion versteckt sich ein 
Hydrant.

Wasser-Schnelllader 

Hydranten sind auch Schnellladestationen – nämlich für die großen Tanks der städtischen Bewässerungsmobile, die Bäume, Sträucher und Blumen in Parks oder auch an unzugänglichen Grünstreifen versorgen.

Wein und Wasser 

Weniger bekannt ist indes, dass auch der Wiener Wein ohne Hochquellwasser nicht mehr in der Form und Qualität angebaut werden könnte. Dass Grüner Veltliner, Riesling und Gemischter Satz in den Grinzinger Weinbergen selbst bei großer Dürre noch gut gedeihen, verdanken sie den dortigen Wasserleitungen und dem Netz an Hydranten.

Außer dem städtischen Weingut Cobenzl, das an die Hydranten ein unterirdisches Bewässerungssystem angeschlossen hat, würden in Döbling noch „rund 20 private Weinbauern“ wertvolles Nass für ihre Reben beziehen, sagt die MA 31. Kostenpunkt: 12,36 Euro pro Hektar, zuzüglich einmalig 56,67 Euro für die Leih-Materialen zum korrekten Anschließen.

Bewässerung Weingarten.

Hier wird der Hydrant für das Bewässerungssystem der städtischen Weingärten angezapft.

Kritik in Grinzing

Allerdings würde dabei von Rathaus-Seite nicht (immer) reiner Wein eingeschenkt, moniert ein bekannter Winzer im Gespräch mit dem KURIER. Denn er ortet eine Wettbewerbsverzerrung, weil ihm eine solche Anzapf-Erlaubnis verwehrt worden sei – und er daher weiter „mühsam mit dem Fassl fahren“ müsse. Die MA 31 beteuert, alle gleich zu behandeln, eine Ablehnung könne nur an „technischen Voraussetzungen“ liegen.

Express-Poolfüllung 

Apropos Privatpersonen: Da in manchen Landgemeinden zuletzt sogar Gerichtsprozesse wegen rechtswidriger Poolfüllungen via Hydranten liefen: Ist das in Wien tatsächlich erlaubt? Ja, sagt die MA 31, wenn man vorher die entsprechende Bewilligung einholt und natürlich auch die Rechnung bezahlt.

Ein Pool mit 40.000 Liter Füllmenge käme so auf gut 140 Euro (Grundpauschale, Leihgebühr und Verbrauch). Abgesehen vom Aufwand zahlt sich eine solche Express-Füllung doppelt aus: Das Becken ist bei entsprechender Schlauchdicke in einer halben Stunde bis Stunde voll; und es ist sogar leicht günstiger als über die herkömmliche Wasserader, denn 40 m³ via Hausanschluss kosten wegen der zusätzlich anfallenden Kanalgebühr regulär sogar rund 190 Euro.

Ein Mann befüllt Kübel an einem Hydranten auf der Straße.

Frisch gezapftes Hochquellwasser – direkt vom Hydranten: Dank Schlauchkupplung werden Fiakerpferde rasch versorgt.

Für Bau und Film 

Laut „Wiener Wasser“ wurden im Jahr 2025 rund 600 solche Hydranten-Bewilligungen erteilt. Der Großteil davon – 60 Prozent – ging auf das Konto von Baustellen (Bauwasser). Der Rest verteile sich auf diverse Veranstaltungen, Filmdreharbeiten und eben Poolbefüllungen. Wer jetzt auf die Idee kommt, sein Auto künftig derart im öffentlichen Raum zu waschen, möge einen Antrag stellen. Auch fürs Stadtbudget tröpfeln so die Einnahmen zusammen: 1,2 Millionen Euro flossen aus den Hydranten ins Rathaus.

Wasser-Diebe? 

Da die Hydranten-Entnahme jeder eigenhändig durchführen muss, öffnet das freilich Tür und Tor für Diebstahl und Missbrauch. Entsprechende Kupplungen gibt es für wenige Euro im Internet, das städtische Anleitungsvideo ist frei verfügbar.

Fälle von Wasserdienstahl – ein Strafrechtsdelikt – sind der MA 31 aber nicht bekannt, man gehe aber jedem Hinweis nach. Ob der eingangs zitierte Gebäudereiniger das frische Nass korrekt verrechnet hat, bleibt auch im Dunkeln.

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