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Klimawandel bei Wasser spürbar: „Kannten wir aus Vergangenheit nicht“

Der Klimawandel ist in Wien deutlich spürbar, auch beim Wasser machen sich die heurigen Hitzewellen bemerkbar. Der Chef der MA 31, Paul Hellmeier, spricht Spitzenwerten im Wasserverbrauch.
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In Wien ist man mächtig stolz auf das gute Trinkwasser. Mit Blick auf die Zukunft steht die Wasserversorgung in der Stadt aber vor großen Herausforderungen, wie auch derzeit spürbar ist. Darüber sowie über mögliche Lösungsansätze spricht Paul Hellmeier, Leiter der MA 31 (Wiener Wasser).

KURIER: Wir befinden uns erneut mitten in einer Hitzewelle. Bemerkt man das auch beim Wiener Wasser?

Paul Hellmeier: Grundsätzlich gibt es hier eine Faustregel: Je höher die Temperatur in der Stadt und je länger keine Niederschläge fallen, desto höher ist der Wasserverbrauch. Das hängt sehr stark damit zusammen, dass die Bevölkerung ihre Gärten liebt und wenn die Gärten leiden und trocken sind, dann wird sehr viel gegossen.

Die Hitzewelle im Juni hat zu einem außergewöhnlich hohen Wasserverbrauch geführt. Er war sogar deutlich höher als an einem üblichen Sommertag im Juli oder August. Warum?

Wir können uns das dahin gehend erklären, weil im Juli und August ein großer Teil der Bevölkerung im Urlaub ist und dementsprechend der Verbrauch geringer ist. Man merkt es auch beim Verkehr in der Stadt, es ist einfach weniger los.

Was bedeutet das in Zahlen?

Wir haben einen durchschnittlichen Wasserverbrauch von 400.000 Kubikmeter pro Tag. Und der steigt bei extremen Verbräuchen in Richtung 600.000 Kubikmeter an. Und das war im Juni der Fall. Der Minimalverbrauch dagegen liegt bei knapp über 300.000 Kubikmeter. Das passt nicht zur aktuellen Jahreszeit, das sind üblicherweise der 25. Dezember und der 1. Jänner.

Warum?

Da ruht die Bevölkerung. Wir können es uns nur so erklären: Die Leute haben Familienfeier gehabt, haben sehr viel gegessen, schlafen am nächsten Tag. Und da gehen wir davon aus, dass einfach der Ruhemodus der Bevölkerung zu den minimalsten Verbräuchen führt.

Okay, das ist lustig. Aber vielleicht noch einmal zurück zu den höchsten Verbräuchen. Wie oft kommen diese Spitzenwerte zustande und hat sich das in den vergangenen Jahren vermehrt?

Ja, es hat sich vor allem heuer sehr gesteigert. Wir haben in den vergangenen Jahren maximal vier Tage pro Jahr gehabt, wo wir die 500.000 Kubikmeter pro Tag überschritten haben. Und das war heuer ganz anders. Wir haben einfach aufgrund der Hitzewelle im Juni fast zwei Wochen hintereinander über 500.000 m3 pro Tag verbraucht und es hat sich sogar in Richtung 600.000 Kubikmeter gesteigert. Das ist für uns ein sehr besonderes Jahr, weil das kannten wir aus der Vergangenheit so nicht, dass die Wiener Bevölkerung so viel Wasser verbraucht.

Mussten im Juni deshalb Maßnahmen gesetzt werden?

Wir haben Maßnahmen intern gesetzt. Wir als Stadt Wien verfolgen die Philosophie, dass wir zuerst auf unserer Seite schauen, was wir tun können. Und generell, aber das gilt eigentlich immer, versuchen wir natürlich schon der Bevölkerung zu kommunizieren, dass ein sorgsamer Umgang mit einem so wertvollen Gut wie unserem Trinkwasser sinnvoll ist.

Wie haben die Maßnahmen ausgesehen, die sie intern gesetzt haben? 

Wir haben geschaut, dass wir die Straßenreinigung reduzieren, wo Trinkwasser verbraucht wird und wir haben mit den Wiener Stadtgärten geschaut, dass die Bewässerungsintervalle zurückgefahren werden. Wir haben versucht, überall dort solche Maßnahmen zu setzen, wo man was beitragen kann, um den Verbrauch zu reduzieren.

Ist die reduzierte Bewässerung ein Problem für den Grünraum und die Bäume in der Stadt?

Wir sind in engem Austausch mit unseren Kollegen von den Stadtgärten. Mir ist da kein Problem bekannt. Generell ist es aber so, dass die hohen Temperaturen und die fehlenden Niederschläge nicht nur eine Belastung für die Bevölkerung – auch aus gesundheitlichen Gesichtspunkten – sind, sondern auch für die Natur.

Wie geht es den Quellen, deren Wasser nach Wien fließt angesichts des Klimawandels?

Den Quellen geht es grundsätzlich gut. Ganz generell wissen wir aber alle, dass wir zuletzt sehr schwache Winter hatten. Das Wort „schwach“ bezieht sich dabei auf die geringen Schneemengen, vor allem in den steirischen und niederösterreichischen Kalkalpen. Und wenn das Wasser nicht fällt, dann ist es nicht vorhanden. Dementsprechend würden wir uns wieder einmal einen starken Winter wünschen, mit sehr viel Schnee. Die Niederschläge in der kalten Jahreszeit sind nämlich das Trinkwasser des Sommers. Für die Grundwasserbildung ist also sehr wichtig, dass in der kalten Jahreszeit die Niederschläge stark sind. In der warmen Jahreszeit dagegen ist die Vegetation sehr aktiv und greift auf den Niederschlag zu.

Aufgrund des Klimawandels und des Bevölkerungswachstums wird in der Stadt immer mehr Wasser benötigt. Um dem gerecht zu werden entsteht auf der Donauinsel derzeit eine Wasseraufbereitungsanlage, die das Wasser aus 17 Grundwasserbrunnen aufbereiten soll. Bisher konnte das Wasser nämlich nicht uneingeschränkt genutzt werden. Warum?

Das Wasser hat immer der Trinkwasserverordnung entsprochen, die Einschränkung war lediglich rechtlicher und nicht qualitativer Natur. Wir sind durch den gültigen Wasserrechtsbescheid insofern eingeschränkt, dass wir nur zu bestimmten Zeitpunkten die Wässer einspeisen dürfen.

Zu welchen Zeitpunkten?

Zur Spitzenabdeckung. Das ist sozusagen unsere Ausfallreserve. Nur wenn wir keine anderen Wasserspender mehr zur Verfügung haben, greifen wir auf diese Donauufer-nahen Standorte zurück. Die Brunnen dort sind nicht so gut geschützt wie beispielsweise in der Lobau. Das Rohwasser der Brunnen bei der Donauinsel entspricht aber auch jetzt schon der Trinkwasserverordnung. Nur ist das Sicherheitsniveau in Österreich sehr hoch und das Regelwerk sehr streng. Um dem zu entsprechen, bauen wir nun die Aufbereitungsanlage.

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Bis 2030 entsteht auf der Donauinsel eine Wasseraufbereitungsanlage.

Apropos Lobau: Die untere Lobau kämpft bekanntermaßen mit der Austrocknung. Das Argument der Stadt, warum kein Donauwasser eingeleitet werden kann, ist die Trinkwasserqualität. Wie sehen Sie das?

Wenn ich Donauwasser in die Lobau einleite, dann verringere ich die Aufenthaltszeit des Wassers im Boden. Dadurch erhalte ich eine geringe Reinigungsleistung, eine geringere Wasserqualität und eine geringere Sicherheit. Für die Trinkwasserversorgung ist die Situation also zweischneidig: Wir brauchen die ausreichende Quantität, aber wir brauchen auch die erforderliche Qualität – und zwar ohne Kompromisse. Aber auch was die untere Lobau betrifft, wollen wir uns weiterentwickeln, um eine Dotation von der Oberen in die untere Lobau zu ermöglichen. Mit einem Grundwasser-Modell wollen wir das schon heuer simulieren, mit wissenschaftlicher Begleitung durch die TU Wien. Da werden wir heuer noch die Ergebnisse erhalten, und da sind wir durchaus guter Dinge, dass das möglich ist. Nichtsdestotrotz macht man solche Sachen, wenn es um die Sicherheit der Wiener Wasserversorgung geht, nicht nach dem Motto: Wir probieren das und schauen einmal. Sondern ich brauche eine fundierte Grundlage.

In der Petroneller Au in Niederösterreich, wo es ähnliche Probleme wie in der unteren Lobau gibt, sieht man für die Zuleitung von Donauwasser kein Problem für das Trinkwasser. Es gibt aber auch eine Naturfilteranlage.

Ja, ich glaube persönlich, dass auch irgendwann eine Aufbereitungsanlage in der Lobau kommen wird. Es wäre nur nicht seriös, zu sagen, wann. Erstens geht es um einen sehr, sehr großen Geldbetrag, zweitens muss man im Nationalpark die Möglichkeiten schaffen .

Jetzt wechseln wir noch das Thema von der einen Herausforderung – dem Klimawandel – zur nächsten: Auch auf großflächige Stromausfälle muss die Wiener Wasserversorgung vorbereitet sein, oder?

Ja, da profitieren wir aber sehr von unseren Vorgängergenerationen, die sich eine geniale Architektur überlegt haben. 95 Prozent der Bevölkerung können wir gravitativ versorgen. Das heißt: Über das natürliche Gefälle aus den Alpen kommt das Wasser nach Wien. Das ist ein großer Schatz, den wir für den Fall der Fälle haben. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was ist mit den restlichen fünf Prozent? Die versorgen wir über unsere Behälter. 

Diese befinden sich großteils im Westen Wiens, in den höchstgelegenen Gebieten. Dort haben wir auch mit Notstromaggregaten in den entsprechenden Pumpwerken vorgesorgt. Eine Sondersituation gibt es dagegen bei Hochhäusern. Wir haben nur die Möglichkeit, die normale Wiener Bebauung zu versorgen, und die geht bis zum fünften oder sechsten Stock. Wenn ein Haus aber 20 Stockwerke hat, dann ist es Sache des Hausbesitzers, mit Drucksteigerungsanlagen vorzusorgen.

Heißt das, dass man in Wien kein Wasser Zuhause horten muss?

Nein, das ist nicht notwendig.

Bewahren Sie Wasser Zuhause auf?

Ich habe das Wiener Trinkwasser Zuhause.

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