√ĖVP-Bezirkschefin Kobald (2. v. re.) zeigt sich solidarisch mit Gemeindebaubewohnern und Nachbarn.

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Chronik Wien
05/01/2021

Ein Hochhaus vor dem Fenster: Aufregung im Hietzinger Gemeindebau

Mehr als 500 Protestunterschriften sammelten Anrainer des Montecuccoliplatzes gegen eine weitere Verbauung.

von Bernhard Ichner

Im Hietzinger Gemeindebau am Montecuccoliplatz h√§ngt der Haussegen schief. Weil die Stadt Wien zwischen den bereits bestehenden Geb√§uden ein weiteres f√ľr 60 Wohnungen hochziehen will, haben Gemeindebaubewohner und Nachbarn mehr als 500 Protestunterschriften gegen das Bauprojekt gesammelt. 

Die Hauptkritikpunkte: Der Neubau sei mit Bauklasse 3 um zwei Stockwerke höher als der Bestand. Und nur sieben Meter Abstand zu den angrenzenden Gebäuden seien nicht zumutbar.

"Zum einen nimmt man uns die Sonne und wir sitzen im Finstern. Und zum anderen k√∂nnen wir unseren k√ľnftigen Nachbarn den Kaffee beim Fenster hineinreichen", √§rgert sich Bewohner Franz Schmidt, der die 500 Protestunterschriften f√ľr eine Petition sammelte.

"Man f√§hrt √ľber uns dr√ľber"

Die Interessen der Anrainer w√ľrden von der Stadt ignoriert, meint er. "Man f√§hrt einfach √ľber uns dr√ľber." Die Causa liegt zwar mittlerweile dem Petitionsausschuss des Gemeinderats vor. Gro√üe Hoffnung auf Verbesserungen hat Schmidt aber nicht.

Zumal in der Sache schon l√§nger Interessen aufeinander prallen. Angefangen habe alles mit der Schlie√üung der Zielpunkt-Filiale im Gemeindebau im Dezember 2015, schildert Bezirkschefin Silke Kobald (√ĖVP) - die ebenfalls gegen die Gemeindebau-Verdichtung in der geplanten Form ist und stattdessen eine Generalsanierung des Altbestands und einen neuen Nahversorger fordert.

Statt die leer stehende Immobilie an einen anderen Nahversorger zu vermieten, wolle die Stadt den ehemaligen Supermarkt abrei√üen und an der Stelle ein zus√§tzliches Wohngeb√§ude mit einem Gesch√§ft im Erdgescho√ü errichten, sagt Kobald.

Neue Flächenwidmung

Um h√∂her als bisher bauen zu k√∂nnen, sei die Fl√§chenwidmung entsprechend ge√§ndert worden - "und das, obwohl sich der Fachbeirat f√ľr Stadtgestaltung gegen diese Verdichtung ausgesprochen hat".

Das ärgere die Bewohner, denen man nun ein Hochhaus vor ihre Fenster und Balkone setze. Aber auch den Bezirk. "Das ist hier ein kleinteiliges Siedlungsgebiet mit Einfamilienhäusern und Schrebergärten in Schönbrunn-Nähe", erklärt Kobald. Ein Bau dieser Dimension passe hier nicht her.

Größere Abstände

Seitens der Stadt ist man nun um Beruhigung bem√ľht. Die Bed√ľrfnisse der Anrainer w√ľrden "sehr ernst genommen und flie√üen auch in die Planung ein", hei√üt es von Wiener Wohnen.

Zwar sei man "angesichts des gro√üen Bedarfs an leistbaren Wohnungen bem√ľht, die bestehende Fl√§che bestm√∂glich zu n√ľtzen, ohne daf√ľr weitere Fl√§chenversiegelungen in Kauf nehmen zu m√ľssen". Um gleichzeitig auch den Bed√ľrfnissen der Anrainer gerecht zu werden, habe man aber den Abstand zwischen den Geb√§uden um weitere 1,7 bis 2,2 Meter erh√∂ht. 

Und auch die erlaubte Maximalh√∂he von 23,5 Metern werde man nicht ausn√ľtzen. Der geplante Dachabschluss √ľber dem Nahversorger weise 19 Meter und im r√ľckw√§rtigen Bereich 15,5 Meter auf, erkl√§rt ein "Wiener Wohnen"-Sprecher. 

Der geplante neue Gemeindebau entspreche somit nicht nur der Höhe des Bestands, sondern garantiere auch die erforderliche Belichtung.

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