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Chronik Wien
05/31/2021

Hacker warnt vor Herbst: "Feiern uns beim Impfen zu früh ab"

Im Herbst könne die indische Variante die Zahlen laut Gesundheitsstadtrat nochmal extrem hochtreiben. Das Ziel sei daher eine Durchimpfung über 80 Prozent der Bevölkerung.

Ab 1. Juli fallen fast alle Beschränkungen. Eine Modellrechnung, die nach APA-Informationen zuletzt in der Ampel-Kommission angesprochen wurde, geht davon aus, dass in Wien jedoch schon bei geringer Anzahl an Fällen der indischen Variante im Frühsommer und nicht ausreichender Durchimpfung eine weitere Pandemiewelle im Herbst zu erwarten sei.

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) sieht die Öffnungsschritte nicht zu schnell getroffen. "Dennoch können wir nicht so tun, dass die Pandemie schon vorbei ist. Im Sommer können wir schon mit einem ruhigen Geschehen rechnen. Aber im Herbst könnte die indische Variante die Zahlen extrem hochtreiben, wenn wir keine Durchimpfung über 80 Prozent der Bevölkerung zustande bekommen. Dann kann es tatsächlich im Oktober, November noch einmal eine dramatischen Anstieg geben", äußerte sich Hacker im Ö1-Morgenjournal.

Hacker: Ziel ist Durchimpfung von 80 Prozent 

Daher sei das Ziel, eine Durchimpfung von 80 Prozent oder darüber. Nun gehe es darum, Impfunwillige noch zu überzeugen. "Wir feiern uns viel zu früh ab beim Impfen. Wir haben einen guten Impfstart hingelegt", sagt Hacker. 

Aktuell haben etwas über 40 Prozent der Bevölkerung zumindest eine Teilimpfung erhalten. 17 Prozent sind bereits voll immunisiert. "Wir haben einen guten Impfstart hingelegt, aber wir sind noch lange nicht fertig mit der Pandemie", warnt der Stadtrat. 

Testungen bleiben noch kostenlos

Die Corona-Tests werden zumindest noch einige Monate kostenlos bleiben. "Testen bleibt jedenfalls über den Sommer gratis", sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Sonntagabend in der ORF-Diskussion "Im Zentrum". 

Auch Hacker sieht derzeit noch keine Änderung, dass Testungen kostenpflichtig werden. Bis Winter werde uns das Testen auf jeden Fall noch begleiten. Das Testen müsse auf hochqualitativer Ebene beibehalten werden. Er begrüße, dass viele Bundesländer dabei seien, ebenfalls auf ein "Alles gurgelt"-Projekt mit PCR-Tests wie in Wien zu setzen. 

"Wir sehen ja jetzt schon in Großbritannien, dass die indische Mutation die britische verdrängt, beziehungsweise schon verdrängt hat. Wir wissen aus der Erfahrung, wie lang es dauert, bis eine solche Mutation aus Großbritannien bis Zentraleuropa kommt." Ohne Testprogramm im Herbst würden man dies "erst bemerken, wenn die Leute dann wieder erkranken".

Hacker: Reha-Kosten soll Sozialversicherung bezahlen

Zu seiner Forderung, die Reha-Kosten für die Corona-Langzeitfolgen Long Covid solle die Sozialversicherung bezahlen, sagte Hacker, etwa zehn Prozent der Corona-Kranken seien Betroffene, die derzeit in Akut-Spitälern versorgt würden. "Aber das kann nur für die Startphase brauchbar sein. Das ist auch der Grund, warum wir in Wien über hundert Patienten im Spital haben." Die künftigen Kosten für Long Covid seien noch nicht abschätzbar. Jetzt müsse der Reha-Plan, der bis 2025 gilt und in dem Covid noch nicht vorkommt, rasch überarbeitet werden.

Hacker: "Schüler noch im Sommer impfen" 

Der Impfstoff Biontech/Pfizer wurde nun auch für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. Die Ankündigung von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), Impfstationen in Schulen und mobile Impfteams einzurichten, sei ein sehr guter Vorschlag, findet Hacker. Wien habe allerdings den Ehrgeiz, die Schülerinnen und Schüler noch vor dem Schulstart im Herbst zu impfen. Man werde sehen wie weit man da kommt, aber als Ergänzung könne er sich Impfstationen in den Schulen und mobile Impfteams in Wien vorstellen.

Dass sich junge Menschen am Wochenende in Wien zum Feiern getroffen haben, sieht Hacker gelassen und kann es sogar nachvollziehen. "Ich gönne es ihnen auch. Ich kann die Sorglosigkeit nicht sehen. Einige wenige haben es übertrieben." 

Grüner Pass verzögert sich 

Zur für den 4. Juni, kommenden Freitag, angekündigten Einführung des Grünen Passes in Österreich meinte Hacker, noch seien viele Fragen offen. Er erwartet eine Entwicklung "Schritt für Schritt", keinen Start "mit vollem Karacho", sagte er und verwies auf den "sehr großen Programmieraufwand" sowie auf "viele Tausend Fehleinträge" im E-Impfpass, die erst korrigiert werden müssten.

Mittlerweile wurde bekannt, dass sich der Start um eine Woche verzögern wird.

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