© Stephanie Angerer

Chronik Wien
08/05/2022

Doppelmord vermutet: Mutter und Tochter tot, Suche nach Ex-Partner läuft

Die beiden Frauen (32 und 15) wurden in der offen stehenden Wohnung gefunden. Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus.

von Stephanie Angerer, Josef Kleinrath, Teresa Sturm

Am frühen Abend des gestrigen Donnerstags fanden Polizisten in einer Wohnung in Wien-Mariahilf, in der Mollardgasse, zwei junge Frauen im Alter von 15 und 32 Jahren. Dabei soll es sich um Mutter und Tochter handeln. 

Tötungsdelikt vermutet

Die Polizei wurde verständigt, weil die beiden minderjährigen Söhne der Frau, sie sind sieben und neun Jahre alt, alleine bei einer Ärztin waren und diese die Mutter nicht erreichen konnte. Als die Burschen von den Beamten zurückgebracht wurden, stand die Wohnungstür offen, das Schlafzimmer war aber von außen versperrt. Als die Beamten diese Tür öffneten, lagen Renata Ö. und deren Tochter tot auf dem Bett.

Sofort übernahm das Landeskriminalamt Wien die weiteren Ermittlungen, da die Auffindungssituation auf ein Tötungsdelikt schließen ließ. Im Halsbereich wurden Verletzungen festgestellt.

Fahndung nach Ex-Partner

Gesucht wird nach dem ehemaligen Partner der Frau, der nicht in der gemeinsamen Wohnung lebt, wo die beiden Toten gefunden wurden. Der Mann soll aus Tunesien kommen, die getötete Frau und Mutter der ebenfalls getöteten 15-jährigen stammte aus Ungarn.

Die Todesursache ist bislang unklar, eine Obduktion soll Klarheit bringen. Auch die näheren Umstände, insbesondere wer für den Tod der beiden Frauen verantwortlich ist, ist nun Gegenstand laufender Ermittlungen. Die beiden Buben werden in einer Kriseninterventionsstelle betreut.

Nachbarn sind betroffen

Der KURIER trifft beim Lokalaugenschein die Nachbarn der Familie. Markus Wurzer, 40, lebt seit seiner Geburt in dem Haus, zwei Etagen über den zwei getöteten Frauen.

Die Familie dürfte kurz vor Beginn der Corona-Pandemie die Wohnung in dem Haus gemietet haben. "Ich kenne die Familie vom Sehen, sie machten alle immer einen sehr ruhigen, unauffälligen Eindruck", schildert er. Die Kinder habe er auch beim fröhlichen Spielen immer wieder gehört. Was er nicht sicher sagen kann, ist, ob der Mann auch bei der Familie gelebt habe: "Ich hätte niemanden zuordnen können."

Ein anderer Nachbar, Ferdinand Traxler, lebt schon seit über 50 Jahren in dem Haus. Er war gestern Abend in der Imbissstube essen. "Als ich zurückgegangen bin, habe ich gesehen, wie die Polizei grade die beiden Buben zurückgebracht hat. Da hat noch alles ganz ruhig gewirkt, niemand war aufgeregt oder nervös", erinnert er sich, "aber dann sind auf einmal sechs oder sieben Polizeiautos gekommen, da habe ich mir gedacht: Es muss was Ärgeres passiert sein.“ Zur Familie selbst hatte er keinen Kontakt: „Gesehen habe ich sie aber oft im Haus.“

Hinweis für von Gewalt Betroffene

Gewalt von Männern gegen Frauen gibt es in allen sozialen Schichten, Nationen, Familienverhältnissen und Berufsgruppen. Morde an Frauen können auch Femizide sein. Der Begriff soll ausdrücken, dass hinter diesen Morden oft keine individuellen, sondern auch gesamtgesellschaftliche Probleme wie etwa die Abwertung von Frauen und patriarchale Rollenbilder stehen.

Hilfe für Gewalt-Betroffene gibt es hier: Frauenhelpline (Mo – So, 0 – 24 Uhr, kostenlos), 0800 / 222 555 Männernotruf: (Mo – So, 0 – 24 Uhr, kostenlos), 0800 / 246 247.

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