Der Circus Safari hat derzeit noch die Zelte in Wien-Auhof aufgeschlagen. Der Mietvertrag läuft aber nur noch bis 31. Mai

© Ichner Bernhard

Chronik Wien
05/23/2020

Gestrandeter Zirkus: Mietvertrag läuft endgültig aus

Das Areal beim Auhof wird anderweitig benötigt. Noch ist keine Lösung in Sicht.

von Katharina Zach

Die Zeit läuft unerbittlich ab für den Circus Safari. „Ich sitze so auf glühenden Kohlen, dass ich mir den Hintern verbrenne“, sagt Zirkusdirektor Benjamin Spindler.

Noch bis 31. Mai darf er samt seiner Familie und 62 Tieren seine Zelte am Areal der Firma Toyota Frey in Auhof aufschlagen, dann läuft der Mietvertrag aus. Die Lage ist verzwickt: Denn noch hat der Zirkus keinen neuen Standort gefunden, das Autohaus wiederum benötigt das Grundstück. Der Mietvertrag wurde von Toyota Frey bereits zwei Mal kulanterweise verlängert.

Wie bei vielen Menschen ist es das Coronavirus, das das Leben der Zirkusfamilie durcheinandergewirbelt hat. Denn mit Ausbruch der Krise platzten alle Arrangements des Circus Safari. Und weil sich dieser immer nur von Auftrittsort zu Auftrittsort weiterbewegt, gibt es ohne Vorstellungen auch keinen alternativen Standort. Weswegen die Crew in Auhof strandete – der KURIER berichtete.

Eigentlich hätten sie das Areal von Toyota Frey bereits mit 23. Februar verlassen müssen, da lief der Mietvertrag aus. Die Firma will das Areal nämlich verwerten. Schließlich wurde der Mietvertrag bis 22. März und dann bis 31. Mai verlängert. Man wollte Zirkusleute und Tiere nicht auf die Straße setzen.

Das Angebot von Toyota Frey, dem Zirkus die Heimreise nach Graz zu zahlen, schlug Direktor Spindler aus. Denn: „Unsere Adresse dort ist eine Wohnung. Wir haben leider keinen entsprechenden Besitz in Graz.“

Versprechen

Was nun nach dem 31. Mai passiert, ist offen. Spindler hofft, da schon weitergezogen zu sein. „Ich möchte unbedingt mein Versprechen halten“, sagt er. Aber: „Wir sind ein Zirkus, keine Zauberer. Ich kann mich nicht in Luft auflösen.“ Was der Direktor meint: Trotz wochenlanger Bemühungen konnte noch kein Alternativstandort gefunden werden. Die Hoffnung auf ein Areal der Wiener Linien in Simmering zerschlug sich.

Nun sei man an vier bis fünf Arealen in der Stadt und im niederösterreichischen Wiener Neudorf dran. Zusagen gibt es jedoch noch keine. „Wir hängen immer noch in der Luft.“ Laut Spindler gehe es nur um wenige Monate, er hofft, im Herbst wieder auftreten zu können.

Unterstützung, sagt der Direktor, erhalte er von der Stadt, aber auch von Simmerings Bezirksvorsteher Paul Stadler (FPÖ). Der erwartet sich Anfang nächster Woche Ergebnisse. „Ganz egal, wo der Zirkus dann steht. Man muss ihnen helfen“, sagt er.

Der Konflikt

Noch Mitte April sah es düster aus für den Circus Safari. Monatelang saßen Direktor Spindler und seine Familie auf dem Areal der Firma Toyota Frey in Penzing bereits fest. Wegen Corona konnte er nach der Winterpause nicht in die Frühjahrssaison starten. Am 18. April gab es schließlich eine Räumungs-aufforderung. Der Mietvertrag war da bereits seit 22. März ausgelaufen, Spindler aber
nicht weitergezogen. Schließlich konnte man sich auf eine nochmalige Verlängerung des Vertrags einigen

Hilfsbereitschaft

Ohne Auftritte hat die Zirkusfamilie auch keine Einnahmen. Zahlreiche Wiener zeigten sich vom Schicksal von Spindler und seiner Crew gerührt und brachten Futterspenden für die Tiere. Sogar eine Crowdfunding-Aktion wurde ins Leben gerufen