Zirkusdirektor Benjamin Spindler - hier mit den Eseln Whisky (li.) und Vodka - hat Grund zur Freude.

© Ichner Bernhard

Chronik Wien
04/27/2020

Gestrandeter Circus Safari dürfte nach Simmering übersiedeln

Happy End in Auhof: Toyota Frey gewährt Zirkus mit 62 Tieren Asyl bis Ende Mai. Dann ist eine Zwischenlösung in Sicht.

von Bernhard Ichner

Einen Hoffnungsschimmer gibt es für den gestrandeten Circus Safari in Wien-Auhof. Nachdem es zuletzt so aussah, als ob die Frey Holding das Zirkus-Team mit 62 Tieren auf die Straße setzen würde, kam es nun zu einer Einigung. Wie Zirkusdirektor Benjamin Spindler dem KURIER Montagfrüh erzählt, wurde das "Asyl" bis 31. Mai verlängert. Beide Seiten haben einen entsprechenden Vertrag unterschrieben.

Das Schicksal des Circus Safari hatte Schlagzeilen gemacht: Da der aus Graz stammende Zirkus wegen der Corona-Krise nicht in die Frühjahrssaison starten konnte, sitzen Spindler und seine schwangere Frau mit ihren Kindern und Verwandten, ein paar Mitarbeitern und den 62 Tieren nun schon seit Monaten auf jenem Areal fest, auf dem die letzten Vorstellungen vor der Winterpause stattfanden.

Da man keinen festen Firmensitz habe und sich mit dem Zirkus immer von Auftrittsort zu Auftrittsort weiterbewege, gebe es ohne Vorstellungen auch keinen alternativen Standort, begründete Spindler die Situation.

KURIER-Leser startete Crowdfunding

Um die Tiere verpflegen zu können, bat man die Öffentlichkeit um Spenden. Mit Erfolg: Von fern und nah kamen Tierfreunde und brachten Futter-, aber auch Geldspenden auf den Parkplatz in der Albert-Schweitzer-Gasse 1 nahe der Wiener Westausfahrt. KURIER-Leser Raoul Hrubesch rief sogar eine Crowdfunding-Aktion ins Leben.

Das vorübergehende Idyll wurde aber getrübt als Spindler vor etwa eineinhalb Wochen eine Räumungsaufforderung der Frey Holding in den Wohnwagen flatterte. Wie der KURIER berichtete, berief sich der Grundeigentümer auf den zeitlich befristeten und längst überzogenen Mietvertrag. Zudem sei nach der Schließung der "Toyota Frey"-Filiale in Auhof ein Verwertungsverfahren für die komplette Liegenschaft im Gange.

Die nächste Gnadenfrist

Nachdem der KURIER über die Causa berichtete, lenkte die Frey Holding allerdings kurzfristig ein und gewährte dem Circus Safari eine zweiwöchige Gnadenfrist. Laut Spindler wäre das jedoch zu wenig Zeit gewesen, um einen adäquaten Alternativstandort zu finden.

Nun dürfte man es aber doch auf einen grünen Zweig geschafft haben. Wie seitens der Frey Holding bestätigt wird, wurde der Mietvertrag "letztmalig" bis 31. Mai verlängert - und das auch noch zum Nulltarif. Die Miete werde bis zu diesem Zeitpunkt erlassen.

"Nach den Ereignissen der letzten Tage" habe man "nach einer konstruktiven und für beide Seiten akzeptablen Lösung gesucht", heißt es seitens des Vermieters. Man habe Verständnis für die Situation und habe daher "als Beitrag zum Fortbestand des Zirkusbetriebs sowie insbesondere zum Wohl derTiere einer Verlängerung des Mietvertrags zugestimmt".

Asyl in Simmering?

"Für uns ist das zwar keine Superlösung, aber wir wollen uns auch nicht querlegen", sagt Zirkusdirektor Spindler. Darum werde man das Areal am 31. Mai "besenrein übergeben" - und dann "zu 90 Prozent nach Simmering übersiedeln".

Dort gebe es beim Gasometer ein Areal der Wien Linien, auf dem man sich wahrscheinlich vorübergehend niederlassen dürfe. Beim Verkehrsunternehmen der Stadt bestätigt man auf KURIER-Anfrage zwar laufende Gespräche in dieser Causa - Zusage gebe es aber noch keine.

Simmerings Bezirksvorsteher Paul Stadler (FPÖ), der den Kontakt zu den Wiener Linien herstellte, hofft jedenfalls auf eine baldige Übersiedlung. Wenn man den Fiakern in der Krise helfe, müsse man auch etwas für den Zirkus tun, sagt er.