Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Mann (93) soll Haus in Wien gesprengt haben: Das steckt hinter der Explosion

Vorausgegangen ist der Explosion in Floridsdorf ein jahrelanger Rechtsstreit um Wohnrechte, der bis ins Jahr 2016 zurückreicht.
46-227031162

Eigentlich hätte heute, Mittwoch, eine Gerichtsverhandlung am Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien stattfinden sollen. Stiefvater und Stiefsohn hätten sich gegenübersitzen sollen. Einer als Angeklagter, einer als Kläger. Dem Ganzen ist am Wochenende aber etwas dazwischen gekommen: eine Explosion.

Causa geht weiter

Wie berichtet, steht ein 93-Jähriger im Verdacht, durch eine mutwillig herbeigeführte Gasexplosion sein Wohnhaus im Karl-Benz-Weg in Floridsdorf vollständig zerstört zu haben. Laut Polizei habe der Mann die Explosion durch eine Manipulation am Gaszähler beziehungsweise an der Gasleitung im Keller des Hauses herbeigeführt.

Bei dem Vorfall erlitt der 93-Jährige schwere Verbrennungen und befand sich anschießend in kritischem Zustand.

Einsturzgefahr liegt nicht vor

Das Haus wurde durch die Explosion völlig zerstört. Acht Nachbarn des Mannes wurden leicht verletzt, auch umliegende Häuser sollen beschädigt worden sein. Einsturzgefahr oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit liegt laut Baupolizei allerdings nicht vor, heißt es.

46-227031164

Das Haus wurde durch die Explosion völlig zerstört.

In dieser mutmaßlichen Tat findet die Causa aber weder ihr Ende, noch ihren Anfang. Vorausgegangen ist der Explosion nämlich ein jahrelanger Rechtsstreit um Wohnrechte, der bis ins Jahr 2016 zurückreicht.

Stiefvater „nachgelaufen“

Damals sei die Frau des 93-Jährigen gestorben, die ihm zuvor noch das Wohnrecht zugesprochen habe – unter der Bedingung, das Haus zu erhalten, wie Johannes Stephan Schriefl, der Anwalt des Stiefsohns, im KURIER-Gespräch erklärt.

Der Stiefvater, der 93-Jährige, habe die Bedingung aber nicht eingehalten und das Haus sei „verfallen“. Mehrmals sei der Stiefsohn seinem Stiefvater deshalb „nachgelaufen“.

Geändert habe das an der Situation aber nichts. „Im Juni 2025 hat mein Mandant deswegen eine Klage auf Erlöschen des Wohnrechts und Räumung eingebracht“, sagt Schriefl.

Anfang Juni habe es dann noch einmal den Versuch gegeben, eine zivilrechtliche Einigung zu finden. Dabei sei dem 93-Jährigen angeboten worden, „im Haus bleiben zu können, wenn er dieses in einem Zustand erhält, der der Wiener Bauordnung entspricht“.

Unterschriftenfälschung?

Gleichzeitig habe der Anwalt eine mutmaßliche Unterschrift seines Mandanten prüfen lassen, die sich auf einem Einreichplan für ein Carport befindet. (Letzteres stehe laut Anwalt übrigens schon seit Jahren ohne Genehmigung auf dem Grundstück.) Bei der Untersuchung der Unterschrift sei von einem Sachverständigen festgestellt worden, dass es sich um eine – mutmaßlich vom 93-Jährigen – gefälschte Unterschrift handle. Das dazugehörige Gutachten habe der Anwalt vergangene Woche an die Anwältin des Angeklagten übermittelt.

Die Vermutung des Anwalts zur Tat lautet deshalb: „Offensichtlich hat er (der 93-Jährige, Anm.) nunmehr erkannt, dass er im anhängigen Verfahren des Landesgerichts für Zivilrechtssachen Wien unterliegen wird“.

Der 93-Jährige selbst konnte laut Polizei bisher aufgrund seines kritischen Zustandes nicht einvernommen werden.

Die Verhandlung am heutigen Mittwoch wurde aber abgesagt. Ein Ersatztermin soll laut Schriefl im Herbst stattfinden.

Kommentare