Alfred „Ali“ Wondratsch tritt in der Brigittenau für SÖZ an.

© Kurier/Franz Gruber

Chronik Wien
08/27/2020

FPÖ-Bezirksrat konvertierte zum Islam und kandidiert nun für SÖZ

Alfred "Ali" Wondratsch trat aus der FPÖ aus, lehnte eine Kandidatur für die SPÖ ab und geht für die Kleinpartei ins Rennen.

von Bernhard Ichner

Originelle Kandidaten fördert die Gemeinde- und Bezirksvertretungswahl einige zutage. Eine politische Genesis wie Alfred "Ali" Wondratsch haben allerdings die Wenigsten vorzuweisen: Der 48-Jährige wurde in der Jugend bei den Roten Falken sozialisiert, war FPÖ-Bezirksrat in Floridsdorf – und tritt nun für die als "Migrantenliste" bekannt gewordene Kleinpartei SÖZ (Soziales Österreich der Zukunft) an.

Schlagzeilen machte Wondratsch aber auch schon bei der FPÖ. Als er 2012 als einziger Freiheitlicher Wiens zum Islam konvertierte.

"Daham statt Islam"

Zwar hätten ihn die Floridsdorfer Freiheitlichen damals "wohlwollend aufgenommen", erzählt Wondratsch. "Wahrscheinlich aber bloß als Quotenmoslem." Und auch wenn die Bezirks- nicht mit der Bundespolitik vergleichbar sei, sei es ihm zunehmend schwerer gefallen, die rechte FPÖ als politische Heimat zu betrachten.

Wahlslogans wie "Daham statt Islam" und "Pummerin statt Muezzin" seien furchtbar für ihn gewesen, erzählt Wondratsch. "Permanente Ressentiments gegen Minderheiten" seien mit der Zeit untragbar geworden und hätten schließlich zu seinem Parteiaustritt geführt.

Das war Anfang 2016, nachdem der hauptberufliche Notfallsanitäter mehr als fünf Jahre für die FPÖ im Floridsdorfer Bezirksparlament gesessen hatte. Für den Rest der Legislaturperiode stimmte er als fliegender Mandatar oftmals mit der SPÖ mit. Von der wäre er für die Wien-Wahl am 11. Oktober auch auf die Kandidatenliste gesetzt worden.

"SÖZ ist keine Migrantenliste"

Für Alfred "Ali" Wondratsch, der mittlerweile über die Donau in die Brigittenau übersiedelt ist, keine Option. Sein politisches Herz schlägt inzwischen für SÖZ: Die nach eigenen Angaben linke Kleinpartei um den türkischstämmigen Gründer Hakan Gördü und Spitzenkandidatin Martha Bißmann. In der Brigittenau tritt Wondratsch auf Nummer drei der Kandidatenliste an.

Weil es sich um "eine junge Partei mit viel Kraft und Engagement" handle, die ihm mehr Mitgestaltungsspielraum einräume als jede etablierte Partei.

Den Begriff "Migrantenliste", der der Kleinpartei von den Medien aufgedrückt wurde, weil die meisten Kandidaten Migrationshintergrund haben, hört Wondratsch ebenso ungern wie Gördü. SÖZ sei keine Migrantenliste, "sondern eine Partei der Menschen in der gesellschaftlichen Mitte", beharrt er.

Als SÖZ-Bezirksrat würde sich Wondratsch gern dafür einsetzen, Kinder weg vom Smartphone und stattdessen zu kostenfreien Kulturangeboten zu bringen. Zudem seien ihm "eine sichere Verkehrspolitik, die alle verstehen", sowie ökologische Themen ein Anliegen. Am wichtigsten aber sei: "Das soziale Miteinander – unabhängig von der Herkunft – zu fördern." Und: Politik und Religion von einander zu trennen.

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