© Magdalena Willert

Chronik Wien
02/19/2021

Fotos gegen Fernweh: Eine imaginäre Weltreise durch Wien

Das Wien Museum lädt mit seiner Fotoausstellung am Karlsplatz zu einer Weltreise innerhalb der Stadtgrenzen ein.

von Magdalena Willert

Die goldene Engelsstatue mit erhobenem Lorbeerkranz ragt in den Himmel. Man könnte beinah glauben, sie zeigt die pompöse Figur auf der Siegessäule im Tiergarten Berlin.

Blaue Balkone, weiße Wand: Die minimalistische Gestaltung der Fassade könnte man in der belgischen Hafenstadt Ostende finden. Eigentlich.

Rostbrauner Stahl, markante Stützen und Kabel oberhalb der Pfeiler. Die Brücke sieht aus wie die Golden Gate Bridge in San Francisco. Fast.

Denn alle diese Fotos zeigen nicht Aufnahmen aus anderen Städten. Sie zeigen Wien – wie man es wahrscheinlich noch nicht gesehen hat.

Die Siegessäule in Berlin.

Die belgische Stadt  Ostende.

Die Golden Gate Bridge in San Francisco.

An die 500 solcher Fotos hat Weltenbummler Wojciech Czaja, der als Architekturjournalist auch für den Standard schreibt, gemacht.

Ein Teil von ihnen ist seit Kurzem auf dem Bauzaun des Wien Museums am Karlsplatz zu sehen. „Almost. Wiener Weltreise“ heißt die neue Ausstellung, die Städte aus aller Welt mit Orten innerhalb Wiens vergleicht.

 

Almost. Wiener Weltreise
Bis 28. März werden am Bauzaun vor dem Wien Museum am  Karlsplatz Fotos aus 2020 und Ansichtskarten aus 1873 ausgestellt

Mehr von Wojciech Czaja auf Instagram oder Facebook.

Im Schatten von Bambi
Bis 19. September zeigt das Wien Museum im Ausweichquartier MUSA in der Felderstraße 6-7 noch die Ausstellung über den Autor des Romans Bambi - Felix Salten und seine "Entdeckung der Wiener Moderne"

Alle Infos: www.wienmuseum.at


 

Aus dem Fernweh im Lockdown heraus erkundete Czaja mit Vespa und iPhone die Grätzel der Stadt und entdeckte Plätze und Stellen, die ihn an ferne Metropolen erinnerten – und eine Reise im Kopf auslösten.

Um Wehmut wegen der Unmöglichkeit des Reisens geht es ihm aber nicht: „Dieses Projekt klagt nicht über Sehnsucht, sondern spielt mit ihr“, sagt Czaja. Er wolle etwas schaffen, das sich von der tristen Corona-Stimmung abhebt.

Bilder mit Witz

Czajas Bilder sind nicht nur einfache Außenaufnahmen, sondern durchaus humoristisch. Etwa wenn er die Büsten diverser Regierungspolitiker in einem Schaufenster in der Rasumofskygasse im 3. Bezirk mit dem Mount Rushmore im US-Bundesstaat South Dakota vergleicht.

Die Bilder postete Hobbyfotograf Czaja auf Facebook – sie kamen so gut an, dass ein Buch folgte und schließlich die Ausstellung.

Am Karlsplatz werden Czajas Bilder mit Fotos der Weltausstellung in Wien im Jahr 1873 kombiniert. Das quadratische Instagram-Format der zeitgenössischen Fotografien trifft auf die alten Ansichtskarten, die während dieser Weltausstellung erfunden, gedruckt wurden.

Damals waren es andere Gründe, die das Reisen zum Privileg machten. Durch den großen Aufwand und die hohen Kosten sah man sich im 19. Jahrhundert die fremden Orte lieber innerhalb Wiens an.

Einfluss mit Dauer

Die Weltausstellung in Wien war die erste außerhalb von London und Paris. Wien war zu dieser Zeit die viertgrößte Metropole der Welt und hatte dementsprechend internationale Bedeutung.

Dass Wien in seiner Architektur mitunter an andere Städte der Welt erinnert, war nicht unbedingt ein bewusst herbeigeführter Prozess. Durch den Status, den sich Wien im 19. Jahrhundert international erarbeitet hatte, lockte die Stadt viele Menschen an. Sie ließen sich nieder – und prägten so auch das Stadtbild.

Der Architekturjournalist findet es faszinierend, dass sich dieser Einfluss in den vergangenen 150 Jahren und bis jetzt so gut gehalten hat.

An die 400 Städte hat Czaja bereits gesehen. Sein fotografisches Gedächtnis hilft ihm, sich die Stimmung und Motive einer Stadt langfristig einzuprägen. Wie er Städte erkundet? Spazieren, beobachten, Pausen in Kaffeehäusern und Imbissen am Straßenrand.

Wegen des Lockdowns und den daraus resultierenden Reiserestriktionen hat Czaja Wien neu für sich entdeckt, neu entdecken müssen: „An manchen Orten ist es sehr anstrengend, nicht das zu sehen, was man immer schon gesehen hat.“

Aber wenn man einmal damit begonnen hat, gibt es kein Zurück mehr. Auf seiner Facebook- und Instagram-Seite kommen immer noch neue Fotos dazu.

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