Chronik | Wien
27.01.2018

Fluchtweg bei Brand versperrt: 31-Jährige sprang in den Tod

Die Einsatzkräfte entdeckten in einer Wohnung außerdem die Leiche einer 61-jährigen Frau.

"Sie sind am Fenster gestanden und haben geschrien. Dann ist eine Person plötzlich gesprungen": Der 25-jährige Majid Muhamad sah bei einem verheerenden Brand in der Schönbrunner Straße in Wien-Margareten, wie eine 31-jährige Frau aus Panik etwa zwölf Meter tief in den Tod sprang.

Es war gegen 23.30 Uhr, als die Berufsfeuerwehr Wien zu einem Kellerbrand mit starker Rauchentwicklung in den mehrstöckigen Wohnkomplex gerufen wurde. Wegen der Rauchgase war den Bewohnern von zwei Stiegen der Fluchtweg ins Freie abgeschnitten. "Der Rauch war so stark, man konnte nicht einmal die Hand vor Augen sehen und auch nicht atmen", schildert Bewohnerin Vidanka Becewa.

Die verängstigten Mieter standen bei den geöffneten Fenstern und rangen nach Frischluft, bis Hilfe kam. Zug um Zug wurden die Betroffenen von Atemschutztrupps der 61 eingesetzten Feuerwehrleute mittels Fluchtfiltermasken in Sicherheit gebracht. Straßenseitig wurden die eingeschlossenen Bewohner mit der Drehleiter gerettet.

Eine 31-jährige Studentin war bereits zuvor – vermutlich in Panik – aus einer Wohnung im dritten Stock in die Tiefe gestürzt. "Ihr Freund schrie um Hilfe. Er brüllte, dass sie gesprungen ist", schildert eine Bewohnerin. Irina T. wurde von den Einsatzkräften leblos im Innenhof des Lichtschachtes gefunden. Für die Studentin kam jede Hilfe zu spät, sie starb noch an der Unglücksstelle. Ihr Freund musste psychologisch betreut werden.

Leichenfund

Die restlichen Geborgenen wurden von der Wiener Berufsrettung in ihrem Katastrophenzug notfallmedizinisch erstversorgt. Elf Personen mussten mit Verdacht auf Rauchgasvergiftungen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Im Zuge der Löscharbeiten machten die Einsatzkräfte in einer der Wohnungen eine grauenvolle Entdeckung.

Nachdem das Feuer gelöscht war, wurde das Stiegenhaus gelüftet und in allen Wohnungen kontrolliert, ob Rauch eingedrungen war. Dabei fand man die bereits stark verweste Leiche einer 61-jährigen Frau. Sie war vorher anscheinend niemandem abgegangen. "Die Polizei untersucht den Fall, der eindeutig nicht mit dem Brand in ursächlichem Zusammenhang steht. Derzeit gehen wir von keinem Fremdverschulden aus. Eine Obduktion soll aber genauere Aufschlüsse bringen", sagt Polizeisprecher Harald Sörös. Diese findet voraussichtlich am Montag statt. Auch die Brandursache wird von Ermittlern und Sachverständigen noch erhoben.

Auf Grund der enormen Zerstörung im Keller und fast aller dort verlaufenden Versorgungsleitungen ist das Gebäude vermutlich bis Montag von der Strom-, Gas- und Wasserversorgung abgeschnitten.