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Chronik Wien
09/07/2021

Felix Salten: In den Schuhen des Bambi-Schöpfers

Der später erfolgreiche Schriftsteller musste sich als die Schuhe mit seinem Bruder teilen. Seine Enkelin setzt sich heute für Straßenkinder ein

von Agnes Preusser

Kurz vor dem Ende der Felix-Salten-Ausstellung im Wien Museum hat es Lea Wyler noch hingeschafft. Die Schweizerin ist die Enkeltochter des berühmten Wiener Autors, der unter anderem für „Bambi“ bekannt ist. Er gilt auch als Autor von „Josefine Mutzenbacher“, einem erotischen Buch aus Sicht einer Wiener Prostituierten.

Viele Dinge, die jetzt in der Ausstellung zu sehen sind, seien bei ihnen zu Hause rumgelegen, sagt sie. Aber beim Ansehen der Ausstellung, in der viel aufgearbeitet wurde, sei ihr erst viel bewusst geworden. Zum Beispiel, wie verankert ihr Großvater in der Literaturszene wirklich war. Im Café Griensteidl traf er sich mit Größen wie Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler oder Karl Kraus.

„Sie waren vernetzt über die Rohrpost und Telegramme“, sagt Wyler. Das sei wie ein „prähistorisches Facebook oder Instagram“ gewesen. In der Früh habe man eine Rohrpost eingeworfen, um sich bereits für Mittag was im Griensteidl auszumachen.

„Dort hat man sich ausgetauscht und gegenseitig Kritik geübt. Das hat mich sehr beeindruckt“, so Wyler.

Ehrenbürger Wiens

Dass Salten so erfolgreich war, sei seinem Genie zu verdanken. Als Kind war die Familie so arm, dass er sich mit seinem Bruder ein Paar Schuhe teilen musste. Er konnte nur jeden zweiten Tag zur Schule gehen.

Durch seine schriftstellerischen Fähigkeiten erarbeite sich Salten eine gehobene Stellung als Autor und als Journalist. 1930 wurde er sogar zum Ehrenbürger Wiens ernannt. „Ich habe mir sagen lassen, das ist fast so schwer zu bekommen wie ein Nobelpreis“, sagt Wyler.

Seiner Stellung ist wohl zu verdanken, dass ihm trotz seiner jüdischen Abstammung 1939 von den Nazis die Ausreise in die Schweiz gewährt wurde. Die Tagebücher, die in den Monaten vor der Flucht entstandenen, wurden für die Ausstellung entziffert. Auch Wyler kannte sie vorher nicht.

„Diese Texte werden mich selbst nie wieder loslassen“, sagt sie. „Dieser Terror, diese Todesangst, die man spürt.“

Intime Einblicke

Für die Ausstellung, die noch bis 19. September im Wien Museum MUSA (1., Felderstraße 6-8) zu sehen ist, hat Wyler auch private Fotos gestiftet. Sie bieten einen intimen Einblick.

„Nachdem er fliehen musste, sieht man, dass er ein gebrochener Mann war.“ Das Geld war weg, die Freunde, ebenso der Ruhm. „An seinem Wohnhaus in Zürich ist heute nicht einmal eine Plakette angebracht“, sagt Wyler. „Den Verlust der Anerkennung sieht man deutlich in seinem Gesicht.

Er durfte in seiner neuen Heimat auch keinerlei journalistischer Tätigkeit nachgehen, literarisches Schaffen war ihm aber gestattet – so entstand etwa „Bambis Kinder“, die Fortsetzung des weltberühmten Buches. Das Manuskript hat Salten, obwohl er selbst prekär lebte, für eine Benefizauktion zugunsten emigrierter Schriftsteller in den USA gestiftet.

Die schriftstellerische Brillanz habe sie nicht von ihrem Großvater geerbt, sagt Wyler. Dafür die soziale Ader. Darum hat sie vor 41 Jahren die Hilfsorganisation „Rokpa“ gegründet, die sich hauptsächlich in Nepal, Südafrika und Simbabwe für Menschen am Rand der Gesellschaft einsetzt. (Infos und Spendenmöglichkeiten auf www.rokpa.org).

Der Fokus liegt dabei auf Straßenkindern. Neben Essen und medizinischer Versorgung wird darauf geachtet, dass die Kinder eine Ausbildung erhalten, um einmal selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen zu können.

Schließlich weiß sie aus ihrer eigenen Familiengeschichte, dass man den Weg aus der Armut schaffen kann – wenn man die richtigen Werkzeuge bekommt.

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