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Chronik Wien
09/21/2021

Eine Stadt sucht einen Clown

Spurensuche nach jenem Clown, über den nach einem Prügelvideo jeder spricht. Er habe sich nur gewehrt, beteuerte er gegenüber der Polizei – und erstattete Anzeige.

von Michaela Reibenwein, Antonio Šećerović, Bernhard Ichner

Jahrelang hat er Luftballontiere gebastelt, nur wenige Passanten schenkten ihm ihre Aufmerksamkeit – ein Video hat ihm schließlich zu (zweifelhafter) Berühmtheit verholfen: Am Montag ging ein Video viral, in dem ein Clown und eine Frau heftig aneinander geraten. Handgreiflichkeiten auf beiden Seiten inklusive. Umstehende Passanten sehen interessiert zu, zücken ihre Handys. Zum Einschreiten fühlt sich keiner genötigt.

Das Video wurde im Zuge des Flaniermarktes in Neubau am vergangenen Wochenende aufgenommen. Und seither stehen (schlechte) Clown-Witze wieder hoch im Kurs.

Essen zwei Kannibalen einen Clown – sagt der eine: „Der schmeckt aber komisch.“

Clowns waren seit dem Aufpoppen der Horrorclowns (die Verkaufsschlager in den Kostümshops zu Halloween 2016 und spätestens seit damals kein Schenkelklopfer) nicht mehr derart Gesprächsthema wie jetzt.

Doch wer ist der Clown aus dem Video? Eine Spurensuche.

Ballonfiguren

Erste Hinweise geben das Video und die Erinnerungen einiger Kollegen: „Auf der Mariahilfer Straße steht immer einer und macht Figuren aus Ballons.“ Auch Twitter-User erinnern sich: „Höhe Müller, in der Nähe der U-Bahn-Station.“ Doch beim Lokalaugenschein herrscht Clown-Flaute.

Ein Passant gibt einen Tipp: „Eigentlich arbeitet er als Clown im Böhmischen Prater.“ Nachfrage bei einem der dortigen Schausteller: „Wir haben zwar hin und wieder bei Feiern einen Clown. Aber das ist ein anderer. Ich habe das Video gesehen. Der Clown hat keine Ähnlichkeit mit unserem.“ Eine Spur ins Leere.

Anruf bei der Bezirksvorstehung. Leider nein, Clown kenne man hier keinen.

Zurück an den „Tatort“ in die Neubaugasse. Eine Doch-nicht-Augenzeugin erzählt: „Es stimmt gar nicht, dass die Passanten nur zugeschaut haben. Einige sind dazwischen gegangen“, schildert sie. Woher sie das weiß? „Ich hab’s zwar nicht gesehen, aber gehört.“

Im Video ist im Hintergrund ein Parkhaus zu erkennen. Dort trifft der KURIER auf einen Geschäftsbetreiber. Natürlich kennt er das Video, sagt er. „Jeder kennt es.“ Und er kenne auch den Clown. „Er ist eigentlich ein Guter. Er repariert und näht alte Sachen, verkauft die dann und was er dadurch verdient, spendet er an Kinder in Not“, erzählt er. Schon seit Jahren sei der Clown Stammgast bei größeren Veranstaltungen in der Gegend.

Dauergast

Nachfrage beim Veranstalter des Flaniermarktes in der Neubaugasse. Auch er bestätigt: „Er bastelt Figuren aus Luftballons, die er den Kindern schenkt. Der Mann würde keiner Fliege etwas antun. Ich arbeite seit 20 Jahren mit ihm zusammen.“ Er zeigt sich betroffen, dass der Clown nun so in die Öffentlichkeit gezerrt werde. „Ich habe mit ihm telefoniert. Er hat mir erzählt, dass er lauter blaue Flecken gehabt hat.

Er hat schon an dem Tag überlegt, ob er die Frau wegen Körperverletzung anzeigt. Aber er hat es dann doch nicht getan, weil die Hämatome am nächsten Tag weg waren.“

Dienstagmittag ist dann Schluss mit lustig. Der Clown geht in die Offensive – und zur Polizeiinspektion Kandl-gasse, um Anzeige zu erstatten. Dort holt er zum Gegenschlag aus. Er habe sich nur gewehrt. Denn: Die Aggression sei von der Frau ausgegangen.

Er habe gerade seine Luftballon-Tiere gebastelt, da habe sich die Frau verdächtig nahe an seine Tasche gesetzt – die er auf der Parkbank abgestellt hatte. Er habe „ein ungutes Gefühl bekommen“, die Frau angesprochen, woraufhin diese ihn „beschimpft, getreten und mit einer Tasche geschlagen“ habe.

Eigentlich wollte er nur seine Ruhe, sagte er der Polizei. Doch dann tauchte das Video in den Medien auf ...

Wer von Clowns noch nicht genug hat: Das Circusmuseum im 2. Bezirk lädt am Freitag zur „Clown & Comedy-Magic“.

Kleines Clown 1x1

Ronald McDonald
Für die einen Horrorclown, für die anderen Werbeikone: Seit den 1960er-Jahren ist er das Gesicht des Fastfood-Riesen McDonald’s. Und seither im selben Outfit unterwegs: knallrote Haare und gelber Overall. Laut der  Zeitschrift Advertising Age, ist Ronald McDonald das zweiterfolgreichste Werbesymbol  nach dem Marlboro-Man.

Pennywise
Hat Generationen von Kindern eine ewige Clown-Phobie beschert (inklusive der Autorin). Ist Hauptdarsteller in Stephen Kings „Es“ und alles andere als lustig. Horrofilm-Ikone mit schlechter Frisur.

Enrico
„Ich sag nichts, ich singe viel, viel lieber!“: Heinz Zuber alias Enrico hatte mehr als 4.000 Auftritte in der ORF-Kindersendung „Am dam des“. Heuer wurde er 80.

Krusty der Clown
Nikotin- und pornosüchtig sowie dem Alkohol nicht abgeneigt. Bart Simpson, der  Star der TV-Endlosserie „Die Simpsons“, liebt ihn dennoch abgöttisch.

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