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Chronik Wien
07/01/2012

Ein Schani von Kaisers Gnaden

Wildwuchs: Ob ein Bezirk im Sommer mit Schanigärten gesegnet ist, hängt vom Willen der Bezirkskaiser ab. Das könnte sich nun ändern.

von Josef Gebhard

In der Zollergasse in Neubau kann man derzeit höchstens sein Getränk problemlos abstellen. Mit dem Auto tut man sich schon schwerer. Denn seit Anfang Juni hat sich die Straße in dem Boboviertel in eine einzige Schanigarten-Meile verwandelt.

Rund um das Café Europa herrscht Parkplatznot bei gleichzeitigem Aperol-Spritz-Überfluss. Gleich drei Schanigärten reihen sich hier aneinander. Und sie alle wurden auf öffentlichen Parkstreifen errichtet.

Der Grüne Thomas Blimlinger, der dem dicht verbauten Bezirk vorsteht, hat damit jedoch kein Problem. Im Gegenteil: "Von den 4500 Stellplätzen im öffentlichen Raum fallen durch die Schanigärten gerade einmal 150 weg. Das steht in keinem Verhältnis zu dem Gewinn, im Sommer draußen sitzen zu können."

Vom Wohlwollen abhängig

Solche generösen Schanigarten-Regelungen würden sich auch Lokalbesitzer in anderen Bezirken wünschen. Erst vor Kurzem ging das Café Drechsler in Mariahilf in eine unfreiwillige dreimonatige Sommerpause. Mit Verweis auf die Parkplatznot hatte Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann (SPÖ) dem Lokal keinen großzügigen Schanigarten in der Girardigasse genehmigt (der KURIER berichtete).

Doch ohne genügend Sitzgelegenheiten im Freien lohne sich das Geschäft im Sommer nicht, klagte Betreiber Manfred Stallmajer und ließ kurzerhand die Rollbalken unten. Die Bezirkschefin bleibt jedoch hart. "Es wäre ungerecht, für ein Lokal eine Sonderregelung zu schaffen", kontert Kaufmann.

In der ebenfalls rot regierten Leopoldstadt dürfen viele Schanigärten auf Parkstreifen wiederum erst seit dem 1. Juli aufmachen.

Neidisch schielt Stallmajer von Mariahilf in den benachbarten 5. Bezirk, wo man die Sache mit der Parkplatznot offenbar nicht so eng sieht: Bereits seit Mai hat etwa der Schanigarten vor der Trattoria Margareta am Margaretenplatz offen – und das, obwohl das Lokal ohnehin einen Sitzgarten im Innenhof hat.

Beschweren würde sich darüber niemand, sagt Bezirkschef Kurt Wimmer (SPÖ). Aufregen würden sich die Bewohner höchstens über Schanigärten, die nicht benutzt werden, weil das Lokal im Sommer geschlossen hat.

Jetzt schaltet sich auch Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou in die Debatte ein: Geht es nach ihr, sollen künftig alle Schanigärten auf Parkstreifen von Anfang Juni bis Ende September offen haben.

Wie geht’s weiter?

Die Josefstädter Bezirksvorsteherin Veronika Mickel (ÖVP) befürchtet allerdings, dass es mit der Großzügigkeit gegenüber Lokalbesitzer schon im nächsten Jahr vorbei ist: Wenn im Oktober in den Nachbar-Bezirken Ottakring und Hernals das Parkpickerl eingeführt wird, könnten viele Pickerl-Flüchtlinge in den 8. Bezirk zurückkehren. In diesem Fall brauche es neue Maßstäbe bei der Schanigarten-Vergabe.

Doch auch unabhängig davon dürfte die Schanigarten-Szene 2013 ziemlich umgekrempelt werden: Bisher war für Schanigärten mit weniger als 75 Plätzen keine bürokratisch aufwendige Betriebsanlagenregelung notwendig. Diese Ausnahmeregelung hat nun der Verfassungsgerichtshof gekippt.

Und in Wien wird derzeit gerade verhandelt, ob sich künftig die Höhe der Gebrauchsabgabe für Schanigärten an deren Lage orientieren soll.

Der wohl ungemütlichste Schanigarten Wiens

Der wohl ungemütlichste Schanigarten der City befindet sich in der Josefstädter Auerspergstraße. Seit drei Jahren leidet das Café s’Auersperg unter Baustellen vor der Haustür. Im August 2011 wurde die erste abgeschlossen, im Jänner darauf ging gleich die nächste los. Hässliche Absperrgitter verstellen den wenigen Gästen, die überhaupt noch kommen wollen, die Sicht. Staub landet im Kaffee.

"Wie lange dauert das noch?", klagt Betreiber Elsayed Raafat, der nicht zu Unrecht um sein Geschäft bangt. "Noch im Februar hieß es, die Hälfte der Baustelle kommt bis zur Schanigarten-Eröffnung weg. Passiert ist nichts", sagt Annegret Lange von den Bezirksgrünen und wirft Bezirksvorsteherin Veronika Mickel (ÖVP) Untätigkeit vor. Diese kontert: "Bei einer Revisionsverhandlung Anfang Juni kam heraus, dass die Baustelle ordnungsgemäß ist." Sie sei aber auch nicht glücklich mit der Situation. Ende August soll nun aber tatsächlich Schluss sein mit der Baustelle. Dann könnte auch Raafat wieder aufatmen – ohne Staub zu schlucken.

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