© Nina Oezelt

Kulinarik
04/11/2022

Ein Hauch von Italien: Amore für Arancini am Alsergrund

Reisbällchen oder Pyramiden, die nach kleinen Orangen benannt sind, gehören zur italienischen Streetfood-Kultur. In der Währinger Straße lockt ein neuer Verkostungsort.

von Nina Oezelt

Die Währinger Straße ist eine große und ziemlich laute Straße. Hier herrscht Gegenverkehr. Es gibt Straßenbahnen, Radfahrer, Passanten. Ein perfekter Ort für ein italienisches Street-Food-Lokal also – wie das der „Bravi Ragazzi“. Diego Maradona, Neapels Fußballgott, lacht einem beim Eintreten ins Lokal an. Auf der Wand ist ein großes Bild von ihm zu finden, gemeinsam mit anderen Italo-Stars: von der glorreichen Schauspielerin Sophia Loren bis zur wichtigsten Influencerin Italiens, Chiara Ferragni. Der wahre Star des Lokals ist aber der Arancino. Oder Arancina?

Über den richtigen Namen streitet man in Italien gerne, und auch über die Form und die Zutaten.

Pastamara: Fine-Dining-Arancini 1., Schubertring 5 - 7

Disco & Pronto Volante: Rockige Arancini, 6., Gumpendorfer Straße 98 und 4., Kolschitzkyg. 6

Bravi Ragazzi: Neueste Arancini, 9., Währinger Str. 22

Passione Ferdinando: Liebevolle Arancini, 13., Hietzinger Hauptstr. 6

O’sfizio: Kleine Arancini, 17., Kalvarienberggasse 36

Andis Arancinis: Mobile Arancini, Für Veranstaltungen und Feste buchbar

Das A und O der Arancini

Während man in der Hauptstadt von Sizilien, in Palermo, „Arancina“ sagt, sagt man in Catania „Arancino“. Und der Streit von A und O soll noch heute für erhitzte Gemüter sorgen.

Arancina heißt auf jeden Fall, und da ist man sich einig, „kleine Orange“. In Wirklichkeit sind die Arancini aber frittierte Reisbällchen, die dank der Panier den kleinen Orangen ähneln. Ursprünglich kommen sie aus Sizilien. Die Araber sollen während ihrer Herrschaft im 9. Jahrhundert Safran und Reis auf die Insel gebracht haben.

Die Pyramide als kleiner Ätna

Von dort haben sie aber den Gaumen ganz Italiens erreicht. „Bei uns in Neapel sehen die Arancini aus wie Kugeln, wir mögen aber auch die Pyramiden“, erklärt Diego Elia. Die Pyramide soll angeblich den Vulkan Ätna aus Sizilien darstellen.

Man unterscheidet zwischen roten und weißen Arancini. Der Klassische besteht aus Risotto mit Safran und Parmesan, Faschiertem, Tomatensauce und Erbsen (siehe Rezept unten) und ist rot. Der Weiße ist meist mit Schinken und Béchamel oder mit Spinat und Mozzarella.

"Klassisch, auf der Straße zu essen"

„In Neapel ist es klassisch, auf der Straße zu essen. Und der Arancino gehört dazu, aber nicht nur“, sagt Elia. Im Lokal „Bravi Ragazzi“ (zu Deutsch "Nette Jungs") gibt es daher auch „Frittatine di Pasta. Das sind frittierte Pastabällchen mit Béchamel gefüllt mit Mozzarella und Erbsen oder mit Faschiertem – um 3,80 Euro. Oder „Crocchè di Patate“ um 2,80. Das sind frittierte Kartoffelkissen, die mit Petersilie, Pfeffer und Mozzarella verfeinert werden. Beliebt sind auch die „Girelle di Verdure“ (Gerollter Teig mit Gemüse) um 3 Euro – oder die Focaccia Parigina. Diese ist aus Blätterteig und mit Mozzarella und Schinken gefüllt (4,50 Euro).

„Unser Lokal ist eine Rosticceria, eine Art Imbissbude für die Studenten, aber es gibt auch italienischen Käse und Wurst an der Theke“, sagt der 24-jährige Neffe von Elia, Armando Cicia.

Arancini am Ring

Arancini gibt es in Wien mittlerweile aber auch im Fine-Dining-Stil. Nämlich im Pastamara, dem Restaurant im Ritz-Carlton am Ring. Es ist das einzige Restaurant in der Stadt, das mit einem italienischen Sternekoch aufwarten kann. Ciccio Sultano aus Sizilien zeichnet sich hier für die Karte verantwortlich. Für 12 Euro bekommt man drei Arancini. Zur Auswahl stehen „al ragù“ (Reis mit Safran, Ragout und Erbsen) und „al pomodoro“ (Tomaten-Risotto mit Tomate, Parmesan, Butter und Mozzarella)

Im Take-away-Lokal Pronto Volante im 4. sowie in der Pizzeria Disco Volante im 6. Bezirk gibt es die rockige Variante der Reisbällchen: Für 5 Euro erhält man zwei Stück – einmal mit hausgemachter Paprikacreme und einmal mit weißem Ragout (Speck und Salsiccia ohne Tomatensauce) gefüllt.

Das  Risotto: 200g Butter in Topf erhitzen und 1kg Risotto-Reis zugeben. 2l Gemüsebrühe zugeben. Die kochende Gemüsebrühe regelmäßig rühren, weiteres Wasser  zugeben, bis der Reis cremig ist. Parmesan zugeben. Das Risotto abkühlen lassen.

Die Füllung: 1 Zwiebel, 1 Selleriestange, 1 Karotte  hacken, in Olivenöl braten. 500 g faschiertes Fleisch zugeben. Mit 100 ml Rotwein ablöschen. 700 ml  passierte Tomaten zugeben. Warten, bis das Ragout dickflüssig ist.

Die Panier: Nachdem der Reis und die Füllung abgekühlt sind: Den Reis in  gewölbte Handfläche geben und flach drücken. Dann eine Füllung mit einem Löffel darauf drücken. 2 Würfel Mozzarella zugeben, mit Reis verschließen und eine Kugel – also praktisch eine kleine Orange – formen. Danach  150g Mehl und 230ml Wasser für die Panier mit einem Schneebesen  rühren.  Die Masse danach auf der Reiskugel verteilen, in 200g Paniermehl wälzen. Schließlich in 170 Grad heißem Frittieröl frittieren.

L’arancinu è pronto! 

Arancini der Peripherie

Auch in den Außenbezirken gibt es feines Frittiertes: Bei O’sfizio in Hernals gibt es etwa für 3,50 Euro auch die römische Variante namens Suppli (Tomate, Mozzarella, Ragout, Erbsen). Diese Reisbällchen sind etwas kleiner und handlicher.

Bei Passione da Ferdinando in Hietzing wählt man für 4,50 Euro zwischen Arancine al Ragù (faschiertem Fleisch, Erbsen, Tomate und Mortadella) und Arancine Norma (Provola-Käse, Tomaten, Melanzani und Parmesan). Der Arancini-König heißt aber weder Francesco noch Giuseppe, sondern Andi. Andis Arancini sind handgemacht und er ist samt seinem Food-Truck buchbar für jede Feier. Seine Spezialität sind Arancini nach Kundenwunsch – und süße Arancini mit Milchreis.

Und für ein Happy End gibt es einen Weg aus dem Namensstreit. Nicht A, nicht O, sondern U: L’arancinu ist nämlich der Name aus dem sizilianischen Dialekt.

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