Das Gericht wies den Angeklagten in eine Anstalt ein

© APA - Austria Presse Agentur

Chronik Wien
10/21/2021

Drogenabhängige brachte Mann um 136.000 Euro: Fünf Jahre Haft

Die 32-Jährige nutzte jahrelang die Hilfe eines 64-Jährigen aus und bedrohte ihn am Ende auch noch.

Eine Wienerin ist am Donnerstag zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, weil sie die Hilfe eines Mannes ausgenutzt und ihn am Ende auch noch erpresst hat. Die 32-Jährige ist seit ihrer frühesten Jugend drogenabhängig. Der 64-Jährige half ihr immer wieder mit hohen Geldbeträgen aus. Am Ende waren 136.050 Euro weg. Als der Mann die Zahlungen einstellte, drohte die Frau, ihn wegen Vergewaltigung anzuzeigen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

500 Euro am Tag für Drogen

Die Frau lernte den 64-Jährigen im Herbst 2019 kennen, als sie auf der Straße bettelte. Die Frau war obdachlos und der Mann überreichte ihr gleich einmal 300 Euro. „So ist die Bekanntschaft entstanden“, sagte die 32-Jährige, die sich vor dem Schöffengericht geständig zeigte. Die beiden tauschten E-Mail-Adressen aus und daraufhin schickte die Frau ihrem Helfer immer wieder Mails mit der „Bitte, ob er mir helfen könnte“. Immer wieder überreichte der 64-Jährige der Frau hohe Geldbeträge oder auch einmal eine Münzsammlung. Sie beteuerte, dass er das Geld wieder bekommen werde. Aber: „Eine Rückzahlung wäre unmöglich gewesen“, gab sie vor Gericht zu. „Wie viel Geld haben Sie für Drogen pro Tag gebraucht“, fragte Richterin Nicole Rumpl. „Genug! 400 bis 500 Euro“, meinte die Beschuldigte.

„Ausgenommen wie eine Weihnachtsgans“

Weil der 64-Jährige auch Bestätigungen für seine geborgten Beträge haben wollte, begann die Frau, Unterlagen zu fälschen. Einmal legte sie dem Mann eine Rechnung für eine Drogentherapie vor, ein anderes Mal für eine Behandlung ihres Arms, die sie sich aufgrund einer fehlenden Krankenversicherung nicht leisten konnte. In Wahrheit nahm sie die Rechnungen ihrer Freunde und setzte ihren Namen drauf. „Das Opfer wurde ausgenommen wie eine Weihnachtsgans“, bezeichnete die Staatsanwältin die Vorgehensweise. „Sie hat immer gesagt, es sei das letzte Mal. Ich hab' das geglaubt, ja aus Blödheit“, meinte der Mann im Zeugenstand.

„Sie hat mir Angst gemacht“

Nach knapp zwei Jahren wollte der 64-Jährige die Zahlungen einstellen, daraufhin begann die Frau zu drohen. Immer wieder passte sie den Mann vor der Bank oder am Bahnhof ab und verlangte das Geld. Als er die Zahlungen verweigerte, schrieb sie ihm am 13. Juli 2021 per Mail, dass er zahlen solle, sonst werde sie ihn wegen versuchter Vergewaltigung anzeigen. „Sie hat mir Angst gemacht“, meinte der Mann. „Ich war immer anständig und korrekt zu ihr, deshalb war ich von der Drohung so entsetzt.“ Aus Furcht traf er sich noch elf Mal mit der 32-Jährigen und überreichte ihr da insgesamt 16.000 Euro.

Am 7. August 2021 passte die Frau den 64-Jährigen erneut am Hauptbahnhof ab. Dieses Mal war sie aber so aggressiv, dass der Helfer am Arm verletzt wurde und ein Security einschreiten musste. Nachdem die 32-Jährige den Mann auch noch mit einem Freund verfolgte, ging der 64-Jährige zur Polizei und erstattete Anzeige. Obwohl die Frau laut Staatsanwältin „die Gutmütigkeit des Opfers schamlos ausgenutzt“ habe, bat der Mann vor Gericht um ein mildes Urteil. Bei einem Strafrahmen von ein bis zehn Jahren wurde die 32-Jährige wegen schwerer Erpressung, gewerbsmäßig schweren Betruges und Körperverletzung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Während sich die Frau nach dem Urteil drei Tage Bedenkzeit erbat, verzichtete die Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel.

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