© Kurier/Gilbert Novy

Wahlkampf
06/04/2020

Die Wiener SPÖ verlegt ihre Insel ins Grätzel

Dass es heuer kein klassisches Donauinselfest gibt, muss der SPÖ im Wahlkampf nicht unbedingt schaden.

Letztlich war doch das Virus mächtiger: Zum ersten Mal in seiner bis 1983 zurückreichenden Geschichte wird es dieses Jahr kein Donauinselfest in seiner gewohnten Form geben.

Die Corona-Pandemie macht dem kostenlosen Musik-Spektakel, zu dem Jahr für Jahr mehr als zwei Millionen Gäste pilgern, einen Strich durch die Rechnung. Da half auch nichts, dass die Veranstalterin, die Wiener SPÖ, das Fest schon frühzeitig von seinem traditionellen Juni-Termin in den September verschob.

Stattdessen gibt es dieses Jahr über den ganzen Sommer verteilt viele kleine „Pop-up-Events“: 80 Tage lang wird ein Doppeldeckerbus durch Wien touren und insgesamt 240 Konzerte in die Grätzel bringen. Das kündigt SPÖ-Landesparteisekretärin Barbara Novak an.

Auf der Insel selbst gibt es dann am 18. und 19. September zwei Abschlusskonzerte mit Platz für jeweils 1.250 Besucher. Die Zählkarten dafür werden im Sommer verlost.

Die politischen Mitbewerber der SPÖ wird es wohl freuen, dass es kein klassisches Donauinselfest mitten im Wien-Wahlkampf geben wird, das die roten Granden als Werbebühne hätten nutzen können.

Wobei der Schaden für die SPÖ überschaubar sein dürfte, sind sich Partei-Insider wie Polit-Beobachter einig: „Die Werbewirkung des Donauinselfests habe ich immer für überschätzt gehalten“, sagt Politikberater Thomas Hofer. „Man darf sich nicht vorstellen, dass irgendjemand deswegen die SPÖ wählt.“

Wiens Wiederbelebung

Die 80-tägige Tour durch die Bezirke sei aber im Sinne der SPÖ dennoch die vernünftigere Variante als eine totale Absage. „Damit kann man schon Botschaften transportierten“, ist Hofer überzeugt: Die Stadt funktioniert wieder, das Leben ist zurückgekehrt. Das passe gut in das Bild des lebenswerten Wien, das die SPÖ gerne zeichne.

Viel mehr an roter Wahlwerbung soll es nicht geben. „Das Donauinselfest ist wahlkampffreie Zone“, betont Parteimanagerin Novak.

Die SPÖ tue gut daran, sich daran zu halten, rät Hofer. „Wenn einem bei jeden der Grätzel-Events ein Bild von Michael Ludwig entgegenlacht, würde der Schuss nach hinten losgehen.“ Die Opposition würde das genüsslich zum Wahlkampf-Thema machen. Gemäß dem ohnehin tief verwurzelten Generalverdacht: Die SPÖ glaube, ihr gehört die Stadt. Eine Botschaft, die wohl auf fruchtbaren Boden fallen würde, zumal sich gerade jetzt eine U-Kommission auch mit Ungereimtheiten bei der Förderung jenes SPÖ-nahen Vereins beschäftigt, der das Inselfest organisiert.

Rotes Teambuilding

„Dass das Donauinselfest heuer in dieser neuen Form stattfindet, ist für die SPÖ weder ein Nutzen noch ein Schaden“, sagt ein langgedienter Wiener SP-Funktionär. Interne Umfragen aus früheren Jahren würden das belegen: „Die Besucher des Fests bringen es nur begrenzt mit der SPÖ in Verbindung.“

Aber auch er ortet eine gewisse „Umwegrentabilität“, wie er es nennt: „Das Fest vermittelt ein positives Lebensgefühl.“

Zudem sei die Bedeutung des Events für die unzähligen Funktionäre und Mitarbeiter, die sich monatelang mit der Vorbereitung beschäftigen, enorm. „Hier handelt es sich gewissermaßen um eine riesige Teambuilding-Maßnahme“, betont der SPÖ-Mann.

Dass statt einer Absage durch die Bezirke getourt werde, sei nicht zuletzt aus einem Grund wichtig: „Dadurch ist klar, dass jeder der für das Donauinselfest gebuchte Künstler trotz der Pandemie seine Gage bekommt.“ Dies sei eine wichtige Botschaft gegenüber der arg gebeutelten Kulturszene, die sich bis zuletzt auch von der Bundesregierung im Stich gelassen gefühlt hatte.

Der SPÖ-Funktionär kann sich durchaus vorstellen, dass die Grätzel-Tour – sofern sie sich bewährt – in den kommenden Jahren zum fixen Teil des klassischen Inselfests wird.

Virus-Horrorszenario

Nur eines dürfe heuer ja nicht passieren, betont Hofer: Ein Corona-Ausbruch bei einem der Konzerte: „Das das Event ein Superspreader-Festival wird, wäre ein GAU.“

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