© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Wien
09/06/2021

Die Spezialisten unter den Wiener Gärtnern

Ursula Kujal und Harald Thiesz vom Biofeigenhof neben dem Schloss Neugebäude zeigen vor, wie man in der Nische erfolgreich sein kann.

von Nina Oezelt

Mit dem Streit um die Traditionsgärtnerei Ganger in der Donaustadt ist wieder einmal klar geworden, welch große Rolle Landwirtschaft in Wien spielt. Wie berichtet, droht der Betrieb in der Aspernstraße, bekannt für Gemüse und Blumen, seine Grundstücke an den Wohnbau zu verlieren.

Solche Probleme quälen Ursula Kujal und Harald Thiesz aus Simmering nicht. Als sie 2006 ihren Betrieb gründeten, wollten sie es anders machen als die anderen Gärtner. Die Erkenntnis kam den beiden, als sie auf einem brach liegenden Pachtgrund von Thiesz gleich neben dem Schloss Neugebäude standen – frisch verliebt und voller Tatendrang.

Als Lehrer kennengelernt

Kennengelernt hatten sie einander in der Berufsschule für Gartenbau und Floristik in Kagran – als Lehrer. „Ich habe sofort gemerkt, dass es sich bei dem Areal neben dem Schloss Neugebäude um einen Kraftplatz handelt“, sagt Kujal, die aus einer Dynastie von Landschaftsarchitekten stammt. Bei der Adresse „Am Himmelreich“ zweifelte niemand, dass es sich wahrlich um einen besonderen Ort handeln musste.

Und dann hatte Harald Thiesz die zündende Idee: Feigen. Diese biblische (Stichwort: Adam und Eva) und sinnliche Frucht kennt man eher aus sonnigen, warmen Ländern. Sie erinnert an das Meer und an den Süden. Sofern die Winterhärte stimmt, könnte eine Feigenfarm aber auch in Österreich funktionieren, dachte Thiesz. Er recherchierte: Welche Sorten überstehen minus 16 Grad? „Wir haben gesammelt und ausprobiert. Schließlich konnten wir ernten und siehe da: Es schmeckt“, sagt Kujal.

Feigen sind selbstbefruchtend. Sie werden per Steckholz vermehrt: Dazu werden junge Triebe abgeschnitten und in die Erde gesteckt, sie treiben dann Wurzeln. Die Feigen am Simmeringer Bio-Hof gedeihen ohne zusätzliche Wärme: Glashäuser geben Schutz vor Wind, beheizt sind sie aber nicht.

Ihre ersten Feigen haben Kujal und Thiesz von einem befreundeten Gärtner, Gerhard Wirth, bekommen. Er gilt als der absolute Dahlienspezialist, seine Pflanzen zieht er in Währing. Eine rot-weiß-rote Züchtung für die Bundesgärten ist gerade im Burggarten zu bestaunen.

Dirndl-Kirsche

Und auch an anderen Orten in und um Wien findet man Spezialisten, die in Nischen erfolgreich sind (siehe auch Infobox rechts). Am Bisamberg etwa hat die 29-jährige Winzerin Elisabeth Strauch, die soeben den Betrieb ihres Vaters übernommen hat, die Liebe zu einer alten Frucht entdeckt: der Dirndl-Kirsche.

Im Februar blühe die Dirndl, da sei alles gelb. „Sie ist ein unterschätztes heimisches Superfood“, erzählt Strauch. Ihre Abnehmer machen daraus Marmelade, Schnaps und Sirup.

Wer sich mehr für Paradeiser interessiert, dem sei ein Besuch in der Gärtnerei Bach in der Donaustadt ans Herz gelegt – hier gibt es um die 100 Sorten. Bis zu 400 Kürbissorten kann man im Wienerwald bewundern: Spaghetti-, Ufo-, und Bananen- oder auch Feigenkürbisse entdeckt man beim sogenannten Franzlbauer.

Wiener Sorten

Am Feigenhof gedeihen mehr als 200 Sorten. Sie tragen klingende Namen, wie Ronde Bordeaux, Longue d´Aout, Madeleine de deux Saisons, oder Negronne.

Die Feigen unterscheiden sich in Form und Farbe: von ball-, bis birnenförmig, von grün bis violett. „Viele Sorten sind aus Frankreich. Die nördlichste Sorte, die wir haben, kommt aus Bornholm, einer Insel in der Ostsee“, sagt Thiesz. Wiener Sorten gibt es auch: Alter Gersthofer sowie Hietzinger und Pötzleinsdorfer Perle.

Feigen sind sogenannte Scheinfrüchte. Ihre Blüten wachsen nach innen und bilden das Fruchtfleisch. Verzehren kann und soll man sie mit Schale, dort befinden sich viele Nährstoffe. Genau deswegen sei der Aspekt

der biologischen Produktion wichtig. „Die einzigen Schädlinge sind eine Wespe und die Raupe eines Nachtschmetterlings“, sagt Thiesz.

Am Feigenhof werden nicht nur Feigen und Produkte aus den Früchten (Feigensenf, Chutney, Marmelade, Schnaps), sondern auch die Bäumchen verkauft. Führungen gibt es auf Anfrage (25 Euro).

Feigen
11., Am Himmelreich 325
Unter den  200 Sorten gibt es  am Biofeigenhof in Simmering auch die Wiener Sorten. Neben Chutney gibt es auch Feigenbäume
Info: www.feigenhof.at

Dahlien
18., Leschetitzkygasse 11
Mehr als 200 Dahliensorten gibt es bei Gerhard Wirth.  Er züchtet Dahlien in allen Farben und Formen
Info: www.dahlienwirth.at

Dirndl
21., Langenzersdorferstr. 50A
500 Dirndl-Bäume hat die Winzerin Elisabeth Strauch am Bisamberg
Info: www.weinstrauch.at

Paradeiser
22., Hänischgasse 17
Mehr als 100 Paradeisersorten gibt es in der Gärtnerei Bach bei Eveline Bach. Zum Beispiel  Ananas-Paradeiser (groß, rot)  und Zitrina (gelb wie eine Zitrone)
Info: www.gaertnerei-bach.at

Kürbis
3413 Hintersdorf, Haselbacherstr- 39; Beim Franzlbauer (30 Minuten von Wien entfernt), gibt es bis zu 400  Kürbissorten
Info: www.franzlbauer.at

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.