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Chronik Wien
02/23/2020

Die Praterstraße: Alte Pracht neben der Spur

Für die Umgestaltung des einstigen Boulevards gibt es viele Ideen. Der Druck auf den Bezirk steigt.

von Katharina Zach

Einst zogen Zar Alexander I. von Russland, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Kaiser Franz I. mit Pomp und Gloria über die Praterstraße in Wien ein. Doch die Zeiten als Prachtboulevard hat sie hinter sich. Heute ist die vierspurige Praterstraße in der Leopoldstadt eine Hauptverkehrsader, über die täglich 23.000 Autos fahren.

Seit mittlerweile fünf Jahren wird über eine Neugestaltung diskutiert. Denn die Straße soll offiziell zur Flaniermeile werden. Vor allem die Grünen wollen der Praterstraße ein Make-over verpassen, das Fußgängern und Radfahrern mehr Platz einräumt. Bezirksvorsteherin Ursula Lichtenegger (Grüne) schwebt vor, stadtauswärts eine Fahrspur aufzulassen. Tempo 30 könnte sogar noch dieses Jahr umgesetzt werden.

Das ist ganz nach dem Geschmack der Leopoldstädter Neos, die nun den Druck für ihr Konzept erhöhen. „Wir haben eine Vision für die Praterstraße“, sagt Klubvorsitzende Selma Arapović und deutet hinter sich. Sie steht vorm Hotel Sofitel am Donaukanal, wo die Praterstraße beginnt. „Das weiß aber fast keiner“, sagt sie.

Hier beginnt die Vision. Denn das Stück zwischen Großer Mohrengasse und Aspernbrückengasse – ein Grätzel, in dem etwa das Mochi mit gutem Essen lockt – soll zur

Begegnungszone werden und einen neuen Platz erhalten. „Wir wollen den Stephansdom mit dem Riesenrad verbinden“, erklärt Arapović, warum man bei der „kleinen Praterstraße“ ansetzen möchte. In Überlegungen des Bezirks spielt dieser Abschnitt keine Rolle. Doch die Neos wollen Touristen zu Fuß von der Innenstadt in den Prater führen. Das sei gut zur Entlastung der City. Und gut für die Geschäfte an der Praterstraße.

Eingezäunter Park

Knapp 400 Meter weiter befindet sich der Therese-Krones-Park am Nestroyplatz. Wobei die Bezeichnung Park für das seit 16 Jahren eingezäunte Fleckerl Grün mutig ist. Die Neos würden ihn öffnen, vergrößern sowie eine weitere Begegnungszone bei der Weintraubgasse errichten. Sogar eine dritte Begegnungszone können sich Arapović und Bezirksrat Christian Moritz vorstellen: bei Rotensterngasse und Afrikanergasse. Hier dient eine Umkehrschleife als Parkplatz. Als Schanigarten wäre sie besser, meinen die Neos.

Auch sie haben kein Problem damit, eine Fahrspur zu opfern. Dafür soll der Radstreifen als Zwei-Richtungs-Radweg auf eine Straßenseite verlegt werden. „Es braucht einfach eine bessere Aufteilung des öffentlichen Raumes“, meint Bezirksrat Christian Moritz. Und natürlich mehr Querungsmöglichkeiten. Ihre Vision haben die Neos gemeinsam mit Bürgern erarbeitet und im Bezirksparlament eingebracht.

Von der Idee der grünen Bezirksvorstehung trennt sie nicht viel. Auch sie wollen eine bessere Raumaufteilung, mehr Grün und Querungsmöglichkeiten, sagt Lichtenegger. Derzeit laufen die Planungen der Stadt zur Umgestaltung, die im Frühjahr präsentiert werden sollen. Was bekannt ist: Tatsächlich soll der Park geöffnet und der Nestroyplatz einladender gestaltet und grüner werden. Der Bereich bei der Rotensterngasse soll ebenfalls zu einem Platz aufgewertet werden.

Das zentrale Thema ist der Verkehr. Eine Studie hat 2019 ergeben, dass die Wegnahme einer Fahrspur stadtauswärts die Autos nicht in umliegende Straßen verdrängt. Zumindest planungstechnisch spricht damit nichts dagegen. Die Radwege könnten breiter werden.

Die Konzepte werden im späten Frühling präsentiert, dann sind noch einmal die Bürger am Wort. Die Umgestaltung soll in zwei Etappen 2021 und 2022 erfolgen – sofern auch andere Fraktionen als die Neos zustimmen. Damit die Praterstraße wieder ein Prachtboulevard wird.

Namensgebung
Bis 1862 hieß die Praterstraße Jägerzeile. Der Fahrweg verband eine Siedlung der habsburgischen Jagdaufseher mit der Stadt. Als Joseph II. 1766 den Prater öffentlich zugänglich machte, stieg die Verkehrsfrequenz an. 1850 wurde die Vorstadt eingemeindet, 1862 folgte die Umbenennung in Praterstraße.

Verbindung in die Stadt
Schon um 1900 gab es Pläne – unter anderem von Adolf Loos –, die Praterstraße zum Stephansdom zu verlängern. Umgesetzt wurden sie nicht.

Sanierung & Umgestaltung
Bei all den Plänen geht es auch um die notwendige Sanierung der Praterstraße. 2015 äußerten die Grünen den Wunsch nach einer Gestaltung als „Boulevard“. Eine Studie der TU Wien prüfte, ob die Praterstraße zweispurig geführt werden kann. 2017 gab es ein Bürgerbeteiligungsverfahren, die Fahrspurreduktion blieb umstritten. 2019 ergab eine weitere Studie: Eine Fahrspur weniger geht.