© Mark Glasser

Chronik Wien
10/02/2020

Vollpension im Netz: Warum Omas nun Online-Backkurse geben

Das Café Vollpension setzt auf das Internet. Wer will kann nun von den Besten backen lernen. Tricks und Geheimnisse der Omas inklusive.

von Katharina Zach

Während des Lockdowns war das Backen plötzlich in. Vom Gugelhupf bis zum Brot wurde geknetet und gemixt, was das Zeug hält. Auf diesen Trend hofft nun auch die Vollpension in Wien. Denn mit dem Café in der Schleifmühlgasse im 4. Bezirk alleine kommen die Gründer und die beschäftigten Omas und Opas kaum über die Krise.

Also gehen sie online. Mit der "Vollpension Backademie" will man der Pandemie trotzen. Was das heißt? Über eine Online-Plattform geben die Omas und Opas künftig Backkurse sowie Insider-Tipps zum Backen. Zubehör kann man ebenfalls kaufen.

Geheimtipps von der Oma

Die frischgebackenen Online-Coaches warten ab sofort auf digitale Unterstützung. Wer backen lernen will, hat mehrere Möglichkeiten. Zum einen gibt es die "OMAsterclass". Das sind Oma-On-Demand-Video-Backkurse, bei denen mehrere Rezepte zu spezifischen Themen geboten werden.

Aktuell können etwa die Kurse "Perlen der Wiener Mehlspeiskunst" (12 Rezepte vom Apfelstrudel bis zur Sachertorte, E-Kurshandbuch) und "Omas vegane Kuchen" gebucht werden.

Dabei gibt es jeweils mehr als drei Stunden professionelles Videomaterial, das jederzeit angeschaut werden kann. Der Kurs "Weihnachtskekse von der Oma" folgt. Dazu soll es dann auch ein Backbuch geben. Aktuell sind die Kurse noch um 49,90 Euro statt um 79,90 Euro zu buchen.

Wem das zu viel Kursprogramm ist, kann auch zwischen verschiedenen Live-Backkursen wählen. In Kleingruppen von maximal sechs Personen kann mit einer Oma oder einem Opa via Google Hangout zusammen gebacken werden.

Gratis anzusehen sind hingegen die Videos "Omas Back 1x1" mit kurzen Erklär-Videos, vielen Back-Hacks und Oma-Geheimnissen sowie diverse Rezepte.

Warum Back-Kurse?

Bereits im März, während des Lockdowns, habe sich das Team gemeinsam mit Freunden Gedanken gemacht, wie es langfristig weitergehen soll, erzählt Vollpension-Mitgründer Moriz Piffl. Denn dass der Herbst hart wird, sei allen klar gewesen. Tatsächlich musste der zweite Standort der Vollpension im MUK geschlossen werden und hat bis jetzt nicht wiedereröffnet.

Für das Café ist es doppelt schwierig. Denn die Vollpension ist ein Social Business. Seniorinnen und Senioren arbeiten dort, um sich zu ihrer - oft niedrigen Pension - etwas dazu zu verdienen. Sie backen Kuchen oder nehmen die Gäste in Empfang. Die Kunden wiederum sollen sich wie bei Oma oder Opa fühlen. Und bestenfalls soll auch ein Austausch zwischen den Generationen stattfinden.

Mit Corona blieben aber zwei Drittel der Gäste aus. Zudem zählen die Senioren ja zu den besonders gefährdeten Personen, weswegen sie auch nicht mehr im Café arbeiten konnten.

Im April wurde daher zur Abmilderung der Krise ein "Krautfunding" (eine Crowdfunding-Kampagne) gestartet. "Das Ziel waren 40.000 Euro. Zusammengekommen sind 140.000", erzählt Piffl. Zum Glück, denn den von der Regierung beworbenen staatlich gesicherten Kredit erhielt die Vollpension nicht. Ohne die Spenden, meint Piffl, hätte die Vollpension bereits zusperren müssen. So konnten die Senioren in Beschäftigung gehalten werden.

Und es ging auch um die Omas und Opas. "Wie kann man sie aktiv halten und Geld in ihr Börsel bringen", beschreibt es Piffl. Denn viele sind auf den Zuverdienst angewiesen. Noch während des Lockdowns wurden die Omas und Opas daher zu Hause auf Online-Content-Erstellung umgeschult - sie wurden zu Online Back-Coaches. In dieser Zeit entstanden 17 Videos, die eine Million mal angesehen wurden.

Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Piffl und seine Mitstreiter stellten ein Team aus 20 Kreativen zusammen, die die Online-Plattform in den vergangenen sechs Monaten auf die Beine stellten. Sogar ein eigenes Fernseh-Back-Studio wurde im 6. Bezirk eingerichtet - ganz professionell mit unterschiedlichen Kulissen und Deko. Sechs Stunden Videocontent wurden dort in den vergangenen sechs bis acht Wochen produziert.

Neben der Online-Plattform gibt es auch in der analogen Welt viel Neues. So startet die Vollpension nun mit der Zustellung von Torten. 48 Stunden vorher muss bestellt werden, dann liefert ein Bote das süße Oma-Kunstwerk. Es können sowohl einzelne Torten als auch ganze Abos bestellt werden. Bei letzterem erhält man dann jedes Jahr zum Beispiel zum Geburtstag eine Torte.

Halbpension in der Krise

Im Café selbst bleibt das Konzept der Halbpension bestehen. Dabei zahlt man für den Aufenthalt. Eine Stunde kostet 9,90 Euro, dafür gibt es einen Kuchen und so viel Kaffee, Tee und Hauslimonade wie man will. Weil die Aufenthaltsdauer von einer Stunde einige Gäste abgeschreckt habe, habe man noch im Sommer auch die Möglichkeit einer halben Stunde eingeführt, sagt Piffl. "Oma Express" kostet 4,90. Seit Mitte September gibt es zudem ein All-in-Vollpension-Paket um 24,90 Euro. Da kann man eine Stunde lang schlemmen, was man will. Auch das beliebte "Erbschleicher"-Frühstück.

Die Konzepte haben zuletzt gut funktioniert. "Mit einem Drittel der Gäste haben wir 50 Prozent des Umsatzes gemacht", sagt der Mitgründer. Jetzt, im Herbst, sei die Gästezahl aber weiter zurück gegangen. Weshalb es gut ist, dass es nun ein weiteres Standbein gibt. Piffl: "Wenn wieder gebacken wird, dann bitte mit der Oma."

Infos und Anmeldung für die Backkurse gibt's hier.

Die Omas sind auch auf Youtube, Facebook oder Instagram zu finden.

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