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Chronik Wien WOHNKURIER
10/06/2019

Vollpension: Omas Kuchen als Erfolgsrezept

Das Generationencafé in der Schleifmühlgasse ist so beliebt, dass nun eine Zweigstelle kommen soll.

von Christoph Schwarz

Frau Ela ist mittlerweile fast so etwas wie ein Publikumsmagnet. Oder, genauer gesagt: ihre Zimtschnecken sind es. Die schmecken – darüber ist man sich einig – nämlich tatsächlich so „wie bei der Oma“. Und bei der Oma schmeckt es ja bekanntlich am besten.

Dass das geflügelte Wort stimmt, beweisen Frau Ela und rund 20 weitere Omas (und ja, auch Opas) tagtäglich in der Vollpension im 4. Wiener Gemeindebezirk. Das Lokal in der Schleifmühlgasse 16 empfängt mit Retro-Charme. An den Wänden hängen ungezählte Bilder bunt durcheinander, bedient wird man in gemütlicher Wohnzimmerstimmung an alten Sofas. Fast wirkt es, als sei die Zeit stehen geblieben. So wie bei der Oma eben.

Die Vollpension verfolgt seit rund vier Jahren ein in Wien bislang einzigartiges Konzept: In dem „Generationencafé“ backen Seniorinnen und Senioren ihre Kuchen und Torten für ein breites Publikum.

Das Ziel der Vollpension-Gründer war es, älteren Menschen zu einer sinnvollen Beschäftigung zu verhelfen – und sie mit jungen Menschen in Kontakt zu bringen. Nicht zuletzt deshalb werden die Kuchen in der Vollpension auch nicht bei der Bedienung am Tisch bestellt. Sondern direkt bei den „Backomas“ an der Budel. So kommt man besser miteinander ins Gespräch.

Mehlspeisen von der Oma

2012 haben die Jeans-Macher „Gebrüder Stitch“ in ihrem Wiener  Hosenlabor das Pop-up-Café „Vollpension“ eröffnet. Omas und Tanten zauberten ihre bewährten Mehlspeisen und wurden in Küche und Service von der jüngeren Generation unterstützt. Weil das Konzept äußerst gut ankam, wurde 2015 in der Schleifmühlgasse  16  in Wien-Wieden ein fixes Lokal  eröffnet. Nun sucht die Vollpension einen zweiten Standort in der City.

Standort Schleifmühlgasse

Retro-Charme: Zwischen Neonschriftzügen, alten Möbeln und Kinderfotos der Senioren gibt es selbst gemachte Kuchen und Torten zur Heißen Oma (Eierlikör mit Milchschaum, 6,60 €) oder Oparol- Spritzer (4,90 €) und einem Erbschleicher-Frühstück für zwei (36,90 €). Die Öffnungszeiten des Café: Montag bis Freitag: 7:30 bis 22 Uhr, Samstag: 7:30 bis 22 Uhr, Sonntag: 8 bis 20 Uhr

Dass das Konzept funktioniert, beweisen nicht nur die vollen Tische in der Vollpension, sondern auch die internationalen Gäste. Neben Wienern verschlägt es auch immer mehr Touristen hierher.

Grund genug für die Vollpension-Gründer jetzt zu expandieren: In Kürze eröffnet eine zweite Filiale im 1. Bezirk. Wo genau? Das ist noch geheim. Die Vorbereitungen aber laufen bereits. Insgesamt 250 Bewerbungen von Omas und Opas sind bereits eingegangen.

Eine „zweite Familie“

„Das Thema Altersarmut ist gerade in der Stadt ein riesiges“, sagt David, der die Vollpension mitgegründet hat, zum KURIER. Dabei gehe es nicht nur um finanzielle Probleme, mit denen viele Menschen im Alter zu kämpfen hätten. „Sondern auch um die soziale Verarmung. Wenn der Partner stirbt und die Kinder in eine andere Stadt gezogen sind, bleiben viele ältere Menschen alleine zurück.“

In der Vollpension finden sie, „auch wenn das ein bisschen kitschig klingt“, eine Art „zweite Familie“, sagt David. Die Backomas werden geringfügig angestellt und stehen dann bis zu zwei Tage in der Woche je fünf Stunden in der Backstube. „Das macht Spaß, es ist aber richtige Arbeit. Es ist stressig und man muss schon wirklich gut backen können“, sagt David.

Und natürlich – auch das gehört eben zu Familie dazu – gibt es auch Reibereien: „Zu viele Omas an einem Fleck, das sorgt durchaus für Konflikte“, erzählt David. Immerhin geht es um eine nicht unwesentliche Frage: Wer bäckt hier am besten?

„Am wichtigsten“, sagt David, ist am Ende etwas anderes: „Dass die Kuchen authentisch sind – gut, aber nicht immer ganz perfekt. Das unterscheidet uns von anderen Kaffeehäusern. “ So wie bei der Oma eben.

„Die meisten Oma bringen ihre Lieblingsrezepte mit, wir besorgen die Zutaten.“ Was in der Vollpension in der Vitrine zu finden ist, ist daher auch immer ein bisschen eine Überraschung. „Wir achten aber schon auf eine gute Mischung – etwas Schokoladiges, etwas mit Mohn und etwas Fruchtiges sollte es immer geben“, sagt David.

Und an manchen Tagen, wenn man Glück hat, gibt es auch Frau Elas Zimtschnecken.

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