© Kurier/Franz Gruber

Chronik Wien
08/02/2021

Die neue U2 fährt durch eine Badewanne

Das Grundwasser ist eine der größten Herausforderungen bei der Errichtung der neuen Trasse 25 Meter unter der Oberfläche.

von Josef Gebhard

Es ist dunkel, stickig und heiß. In der Luft liegt der Gestank von Abgasen. Zweifelsohne gibt es angenehmere Arbeitsplätze als die Tunnel-Röhre der stillgelegten U2. Seit Ende Mai wird zwischen den Stationen Karlsplatz und Schottentor am neuen Linienkreuz U2/U5 gearbeitet.

Zwei Monate nach der Sperre dieses Abschnitts sind die Arbeiter unterirdisch vor allem noch mit den Abbruch-Arbeiten beschäftigt, wie sich der KURIER bei einem Lokalaugenschein überzeugen konnte.

Zum Beispiel bei der U2-Station Volkstheater, die nur noch über Absperrungen erreichbar ist. Längst sind die alten Rolltreppen abgerissen und die Elektro-Installationen entfernt. Nun sind die Bahnsteige dran.

„Sie müssen teilweise abgetragen und neu errichtet werden, damit sie das Gewicht der hier vorgesehenen Bahnsteig-Schiebetüren tragen können“, wie Michael Freidl schildert. Er ist Projektleiter der Wiener Linien für diesen Bauabschnitt.

Die Türen sind ein wesentliches Element der neuen U5, die hier ab 2026 vollautomatisch unterwegs sein soll. Die ersten werden im kommenden Jahr montiert.

Licht im Tunnel

Zurück in die Gegenwart: Baufahrzeuge, die auf den Schienen unterwegs sind, bringen das Abbruchmaterial von der Station Volkstheater etwa hundert Meter weiter zur sogenannten Einbringöffnung, durch die gleißendes Tageslicht in die unterirdische Baustelle strömt. Der Bauschutt landet über ein Förderband in einer Mulde, mit der er an die Oberfläche gebracht wird. Auf umgekehrtem Weg gelangt das Baumaterial in den Untergrund.

Etwas weiter nördlich, bei der Station Rathaus, haben die Arbeiter bereits die Schienen entfernt, die im Zuge des Ausbaus ausgetauscht werden. 4,8 Kilometer Schienen (ein Stück ist 15 Meter lang) wurden dafür bereits in den Tunnel transportiert.

Bis sie beim Rathaus verlegt werden können, wird aber noch eine Weile vergehen. Auf diesem Abschnitt sind die Bauarbeiten besonders kompliziert, weil hier ein Umsteigebahnhof entsteht. Unterhalb der bestehenden Röhre, in der künftig die U5 unterwegs ist, entsteht die neue für die U2, samt aller Verbindungsgänge für die Passagiere.

Aus diesem Grund muss die alte Trasse mit einer einen Meter dicken Betonplatte verstärkt werden. Aber auch die Träger an der Decke des Tunnels werden verlängert und verbreitert, um für mehr Stabilität zu sorgen. Denn was schon fast vergessen ist: Die Bausubstanz der künftigen Umsteige-Station ist im Wesentlichen noch für die U-Straßenbahn („Zweierlinie“) ausgelegt, die hier bis 1980 einen Halt hatte.

Heikler Abschnitt

Nicht nur aus diesem Grund sind die Bauarbeiten rund um die Station Rathaus besonders heikel, sagt Nikolaus Hödlmoser von der MA 29 (Brückenbau). 25 Meter unter der Erdoberfläche wird die neue Tunnelröhre durch eine Schicht aus Quarzschotter führen. Die Formation ist sehr reich an Grundwasser – was den Tunnelbau erheblich schwieriger macht.

Komplikationen wie beim Semmering-Tunnel sollte es aber keine geben: „Rund um das Rathaus wurden bereits 20 Brunnen errichtet, um diese Badewanne trockenzulegen“, sagt Hödlmoser. Im Endausbau werden es rund 80 sein. Mit ihnen wird das Grundwasser an die Oberfläche geholt, über Sammelleitungen fließt es dann in den Donaukanal. Sobald die Innenverschalung des Tunnels fertig ist, werden die Brunnen nicht mehr benötigt.

2028 soll der neue Abschnitt der U2 fertig sein, die dann von Norden kommend bis zum Matzleinsdorfer Platz fährt. Für den zuständigen Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) steht vor allem der Aspekt Klimaschutz im Vordergrund: „Der Ausbau U2/U5 ist ein Turbo für die umweltfreundliche Mobilität.“

Einstweilen muss noch die Ersatz-Straßenbahn U2Z den eingestellten Abschnitt überbrücken. Sie hat seit Ende Mai 19.200 Fahrten absolviert. Beschwerden gab es bisher keine, versichert man bei den Wiener Linien.

Abriss
Seit Ende Mai wurden im U2-Tunnel 130 Kilometer Signal- und Fernmeldekabel demontiert, weiters 80 Kilometer Stromkabel

Schiebetüren
144 Bahnsteig-Türen werden  in den Stationen Rathaus, Volkstheater, Museumsquartier und Karlsplatz eingebaut

700 Arbeiter
sind aktuell auf den Baustellen für das U2/U5-Linienkreuz beschäftigt

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