Chronik | Wien
30.10.2018

Simmeringer Kurzparkzone: Das Wiener Parkpickerl-Domino

Das Simmeringer Zentrum wird am Montag Kurzparkzone. Die Stadt versucht auch, Hietzing vom Parkpickerl zu überzeugen.

Der nächste Dominostein fällt. Wofür die Simmeringer vor fast einem Jahr votierten, wird am Montag Realität. Punkt neun Uhr verwandelt sich das Bezirkszentrum mit allen U-Bahn-Stationen und deren Umfeld in eine Kurzparkzone.

Wenn im Sommer Döbling nachzieht, bleiben vier Bezirke ohne Parkraumbewirtschaftung übrig. Ihre Vorsteher wollen das auch so belassen – Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) will offenbar aber zumindest Hietzing vom Parkpickerl überzeugen.

Im Magistrat sind die Vorbereitungen für den Kurzparkzonen-Start in Simmering voll angelaufen. Rund 4900 Parkpickerl-Anträge wurden bisher erledigt. Für Spätentschlossene schieben die Beamten am Bezirksamt in den nächsten Tagen Überstunden (siehe unten).

„Wir haben eingeplant, dass viele bis zum Schluss warten“, sagt Iris Wrana, Sprecherin der MA 46 (Verkehrsorganisation). „Aber es läuft gut.“

Wie viele Ansuchen noch eintrudeln werden, sei schwer abzuschätzen. Ein Recht auf ein Pickerl haben jedenfalls nicht nur Bewohner der Zone, sondern alle Simmeringer.

Termin mit Hietzing

Demnächst müssen sich auch die Döblinger um die Aufkleber anstellen. Nach dem überraschenden Votum der Bezirksvertretung für die flächendeckende Kurzparkzone wird diese voraussichtlich ab 1. Juli gelten.

Geht es nach Vassilakou, soll mit Hietzing bald ein weiterer schwarz regierter Bezirk diesem Beispiel folgen. Wie der KURIER erfahren hat, ist ein Gespräch zwischen Bezirkspolitikern und der Vizebürgermeisterin angesetzt.

Kobald ablehnend

Der Termin werde in den nächsten Wochen stattfinden, bestätigt Vassilakous Büro. „Ich bin gespannt, was uns die Frau Vizebürgermeisterin zu sagen hat“, erklärt Bezirkschefin Silke Kobald (ÖVP).

Eine Bürgerinitiative setzt sich derzeit für ein Parkpickerl in Teilen von Hietzing ein, online sind seit Ende August rund 650 Unterschriften zusammengekommen.

In einigen Gegenden gebe es zwar Parkplatz-Probleme, räumt Kobald ein. Aber: „Die sind erst durch das derzeitige Schneeballsystem entstanden.“ Vassilakou solle sich daher um ein „nachvollziehbares Gesamtmodell“ kümmern, verlangt Kobald.

Sie sehe keine Notwendigkeit für ein Parkpickerl, solange sich die Rahmenbedingungen nicht stark verändern. Ein solcher Einschnitt wäre etwa ein Parkpickerl in Liesing.

Liesing: "Denken kein Parkpickerl an"

Derartige Pläne schmiedet der Flächenbezirk im Süden aber ohnehin nicht. „Aktuell denken wir kein Parkpickerl an“, sagt Bezirkschef Gerald Bischof (SPÖ).

Allerdings wolle er die Situation ab Montag genau beobachten: „Wie sich das Simmeringer Parkpickerl auswirkt, traut sich niemand zu sagen. Wir werden die Effekte um den Jahreswechsel herum evaluieren.“ Sollte ein Pickerl notwendig werden, strebt auch er ein alternatives Modell – etwa mit Preisstaffelung – an.

Donaustadt: "Kommt sicher nicht"

Bischofs Parteikollegen nördlich der Donau können der Parkraumbewirtschaftung ebenso wenig abgewinnen. „Ein Parkpickerl kommt bei uns in absehbarer Zeit sicher nicht“, sagt Ernst Nevrivy, Bezirkschef in der Donaustadt (SPÖ).

Denn: Das Parkpickerl verdränge Fahrzeuge von einem Ort zum anderen. „Spätestens in einem halben Jahr werden die Straßen in Simmering wieder voll und die Garagen leer sein.“

Floridsdorf: "Bevölkerung kann sich nicht erwärmen"

Georg Papai, Bezirksvorsteher in Floridsdorf (SPÖ) sieht keinen Bedarf. „Wir haben die grundsätzliche Meinung, dass sich die Bevölkerung nicht für eine flächendeckende Kurzparkzone erwärmen kann“, heißt es aus seinem Büro. Pickerl-Flüchtlinge aus dem 19. Bezirk fürchte er nicht: „Zwischen uns und Döbling ist immer noch die Donau.“

Im Büro Vassilakou zeigt man sich trotz des Gegenwinds optimistisch: „Unsere Türen sind immer geöffnet.“

Parkdruck steigt: Umland bereitet sich vor

Im Wiener Umland beobachten die Gemeinden, etwa die Stadt Schwechat, die Parkpickerl-Ausweitung in Wien mit Argusaugen.  Werde im gesamten Bezirk Simmering das Parkpickerl eingeführt – ein Szenario, das Bürgermeisterin Karin Baier für realistisch hält – treffe es die Stadt „mit voller Wucht“.

Schon jetzt werden Überlegungen angestellt, wie damit umzugehen sein wird.

Laut Vizestadtchefin Brigitte Krenn gebe es Gespräche zu einer Ausweitung des P&R-Angebots am Bahnhof. Zudem müssten in der Region mehr Radabstellplätze an den Bahnhöfen geschaffen werden. Auch eine Ausweitung von Kurzparkzonen ist denkbar.

Feinbild Parkpickerl

In Purkersdorf, das an Hietzing grenzt, bräuchte es dringend eine Aufstockung des Parkhauses, sagt Stadtchef Karl Schlögl. Für ihn ist das Pickerl ohnehin ein Feindbild. Durch Ummeldungen nach Wien habe die Gemeinde 300 bis 400 Einwohner verloren.

Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko betont, dass man sich  auf die Ausweitung des Parkpickerls mit zusätzlichen S-Bahnen von Klosterneuburg nach Wien oder zusätzlichen Buszubringern vorbereitet hat. Aber: „Das Parkpickerl verschiebt jedoch nur den Parkdruck ins Wiener Umland.“

Beim Land hofft man daher das Abkommen mit Wien zur Mitfinanzierung von P&R-Anlagen  fortzusetzen.

Erweiterter Parteienverkehr

Das Parkpickerl kann per Online-Formular oder am Magistratischen Bezirksamt Simmering (11., Enkplatz 2) beantragt werden. Öffnungszeiten:

  • 30. und 31. Oktober: 8 bis 18 Uhr
  • 1. November: geschlossen
  • 2. November: 8 bis 18 Uhr
  • 3. November: 8 bis 12 Uhr
  • 4. November: geschlossen
  • 5. bis 9. November: 8 bis 18 Uhr